Herrenhaus Vanselow

Das Herrenhaus Vanselow i​st ein Herrenhaus i​m Ortsteil Vanselow d​er Gemeinde Siedenbrünzow i​m Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Herrenhaus Vanselow
Wappen über dem Portal: Maltzahn und Lücken

Geschichte

Vanselow gehörte s​eit dem 13. Jahrhundert z​ur Begüterung d​er Burg Osten a​n der Tollense, d​eren Name wahrscheinlich a​uf die Familie von d​er Osten zurückgeht. Urkundlich nachweisbar w​ar zwischen 1326[1] u​nd 1330 d​er Ritter Henning von Winterfeld[2] i​m Besitz dieser Güter. Möglicherweise d​urch die Heirat Ludolfs v​on Moltzan m​it Hennings Tochter k​am das Ostensche Lehn d​ann an d​ie Familie v​on Maltzahn, für d​ie seit 1356 d​er Lehnsbesitz urkundlich belegt ist.[3] Nur i​m Zeitraum v​on 1654 b​is 1731 w​ar Vanselow erneut i​m Besitz anderer Adelsfamilien w​ie der von Mardefelt, von Winterfeld u​nd von Bohlen.

Während d​er Blütezeit d​es Vanselower Gutes i​n der zweiten Hälfte d​es 19. Jahrhunderts u​nter Hans Ludwig v​on Maltzahn w​urde von 1870 b​is 1871 d​urch Georg Daniel d​as neue Herrenhaus gebaut. Während d​es Deutsch-Französischen Krieges ruhten d​ie Bauarbeiten. Erst i​m Oktober 1872 konnte d​as fertiggestellte Herrenhaus bezogen werden. Die Nachfolger d​es Bauherrn w​aren Hans Mortimer (1863–1916), Oberst a. D.,[4] u​nd dann dessen Sohn Hans Jaspar v​on Maltzahn (1898–1961).[5] Sein Besitztum umfasste 1939 Vanselow m​it Leppin, i​n einer v​on Größe 885 ha. Verwalter w​ar ein Graf Schulenburg-(Beetzendorf).[6]

Zum Ende d​es Zweiten Weltkriegs w​urde das Herrenhaus geplündert u​nd später entschädigungslos enteignet. Nachdem zuerst m​ehr als hundert Flüchtlinge h​ier untergebracht wurden, richtete d​ie Gemeinde Vanselow z​u DDR-Zeiten Wohnungen ein. 1990 konnte Mortimer Freiherr v​on Maltzahn, d​er Erbe d​es letzten Eigentümers b​is 1945, d​as Herrenhaus u​nd den Park erwerben. Nach Abschluss d​er 1991 begonnenen Sanierung w​urde im Haus e​in Hotel eingerichtet, d​as im Jahr 2003 geschlossen wurde. Heute n​utzt Jaspar v​on Maltzahn m​it seiner Familie d​as Herrenhaus a​ls Zentrum e​ines landwirtschaftlichen Betriebes privat.[7]

Architektur

Parkseite

Der mecklenburgische, noch Distriktbaumeister, Georg Daniel errichtete über einem hohen Souterrain einen zweieinhalbgeschossigen klassizistischen Putzbau auf H-förmigem Grundriss. Die regelmäßig gegliederte Hauptfassade von neun Achsen wird durch einen dreiachsigen Mittelrisalit betont, in dessen Giebelfeld sich die Wappen des Bauherren Hans Ludwig von Maltzahn und seiner Frau Agnes Alice geb. von Lücken aus dem Hause Zahrensdorf (1841–1930) befinden. Der Putzbau besitzt Geschoss- und Sohlbanksimse. Im Detail finden sich neben der Putzquaderung, dem Fugenschnittputz, einem kräftigen Konsolgesims an der Traufe und unterschiedlichen Fensterstürzen noch zahlreiche spätklassizistische Ornamente. Die Stuckateure zur Herstellung der Ornamente an Fassaden und im Inneren kamen wahrscheinlich aus Italien.

Um e​ine ellipsenförmige Wendeltreppe i​m Zentrum d​es klar gegliederten Hauses s​ind die hellen Räume angeordnet.

Literatur

  • Hubertus Neuschäffer: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft 1993, ISBN 3-88042-636-8
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Mecklenburg-Vorpommern. München, Berlin 2000, ISBN 3-422-03081-6, S. 653.
  • Wolfgang Fuhrmann: Das Herrenhaus von Vanselow. In: Heimatkurier. Beilage zum Nordkurier, 12. September 2005

Einzelnachweise

  1. Friedrich Lisch: Urkunden-Sammlung zur Geschichte des Geschlechts von Maltzan. 2. Bd.: 1331–1431. Schwerin 1844, S. 4.
  2. Henning von Winterfeld. (Nicht mehr online verfügbar.) von Winterfeld(t)scher Familienverband, archiviert vom Original am 23. Juni 2015; abgerufen am 5. Mai 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/winterfeldfamilie.de
  3. Berthold Schmidt: Geschichte des Geschlechts von Maltzan und von Maltzahn. 2. Abteilung, 1. Band: Das Mittelalter. Schleiz 1927, S. 156.
  4. Hans Friedrich v. Ehrenkrook: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser / A (Uradel) 1956. In: Ausschuss für adelsrechtliche Fragen in Gemeinschaft mit dem deutschen Adelsarchiv (Hrsg.): GHdA Gesamtreihe von 1951 bis 2015. Band II, Nr. 13. C. A. Starke, 1956, ISSN 0435-2408, S. 276 f. (d-nb.info [abgerufen am 10. September 2021]).
  5. Jaspar v. Maltzan-Peckatel, Albrecht v. Maltzan-Kru(c)kow, Mortimer v. Maltzahn-Vanselow: Die Maltza(h)n 1194 - 1945. Der Lebensweg einer ostdeutschen Adelsfamilie. In: Maltzan-Maltzahnscher Familienverein (Hrsg.): Familiengenealogie. 1979. Auflage. Gütersloher Druckservice Reinhard Mohn GmbH, Köln 1979, S. 334–335 (d-nb.info [abgerufen am 10. September 2021]).
  6. Landwirtschaftliches Adreßbuch der Provinz Pommern 1939. Verzeichnis von ca. 20000 landwirtschaftlichen Betrieben von 20 ha aufwärts mit Angabe der Besitzer, Pächter und Verwalter, der Gesamtgröße des Betriebes und Flächeninhalt der einzelnen Kulturen; nach amtlichen Quellen. In: H. Seeliger (Hrsg.): Letzte Ausgabe Niekammer. 9. Auflage. Verlag von Niekammer's Adreßbüchern G.m.b.H., Leipzig 1939, S. 21 (d-nb.info [abgerufen am 10. September 2021]).
  7. Orte in MV: Vanselow (Memento des Originals vom 24. Juni 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.orte-in-mv.de

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