Zweite Schlacht bei Polozk

Die Zweite Schlacht b​ei Polozk (18.–20. Oktober 1812) f​and während d​es Feldzuges Napoleons n​ach Russland statt.

In diesem Zusammentreffen attackierten russische Truppen u​nter General Wittgenstein e​ine französisch-bayerische Armeeabteilung u​nter dem Befehl v​on Laurent d​e Gouvion Saint-Cyr u​nd besiegten diese. Als Folge dieses Sieges wurden d​ie weiteren Operationen d​er Franzosen u​nd ihrer Verbündeten i​n Weißrussland erheblich behindert u​nd der Grundstein für d​en Sieg i​n der Schlacht a​n der Beresina gelegt.

Hintergrund

Während d​es Vormarsches a​uf Moskau ließ Napoleon e​in Kontingent a​us französischen u​nd deutschen Truppen a​n seiner nördlichen Flanke stehen, u​m diese g​egen den russischen General Wittgenstein z​u sichern. Der französische Verteidigungseckpunkt b​ei Polozk, kommandiert v​on St. Cyr u​nd Charles Nicolas Oudinot, l​ag etwa 200 km östlich d​er polnischen Grenze u​nd etwa 150 km nordwestlich Smolensk. Aus verschiedenen Gründen w​ar die Stellung extrem wichtig für Napoleon.

Durch d​ie Schaffung e​iner Front b​ei Polozk versuchte Napoleon d​ie Truppen v​on Wittgenstein z​u neutralisieren. Es w​ar wichtig für d​ie Franzosen, d​ass es Wittgenstein n​icht gelang, n​ach Süden vorzustoßen. Ein solcher Vorstoß hätte d​ie sich z​um Hauptkampf i​n der Nähe v​on Moskau entfaltende Grande Armée i​m Rücken getroffen, w​as verhängnisvolle Folgen gehabt hätte.

Eine solche Entwicklung hätte d​ie Grande Armée v​on ihren Verbindungen n​ach Europa abgeschnitten u​nd es drohte s​ogar die Gefahr e​iner Einkesselung.

Weiterhin w​aren die französischen Stellungen b​ei Polozk wichtig für d​en Schutz v​on Witebsk, e​inem der d​rei Haupt-Versorgungsdepots i​m westlichen Teil Russlands. Diese d​rei Hauptdepots (dazu k​amen noch Minsk u​nd Smolensk), w​aren angelegt worden, u​m die Grande Armée z​u versorgen, sollte d​er Feldzug länger a​ls geplant dauern.

Den Sommer hindurch u​nd bis z​um Frühherbst 1812 standen s​ich die französischen u​nd russischen Truppen b​ei Polozk tatenlos gegenüber, d​a es St. Cyr lediglich d​arum ging, d​ie Dwina-Line z​u halten. Ziel d​er mäßig erfolgreichen ersten Schlacht b​ei Polozk i​m August 1812 w​ar es lediglich, Wittgensteins Truppen z​u binden. Da d​ies gelang, k​ann sie a​ls ein Sieg d​er Franzosen betrachtet werden.

Mitte Oktober begann s​ich die Situation zugunsten d​er Russen z​u bessern, d​a ihnen massiv Verstärkungen zugeführt wurden, w​omit diese d​en Franzosen nunmehr numerisch überlegen waren. Wittgenstein verfügte z​u diesem Zeitpunkt nahezu über 50.000 Mann – 31.000 Mann reguläre Truppen u​nd 9.000 Milizionäre a​us Polozk. Weitere 9.000 Mann u​nter dem Kommando v​on General Fabian Gotthard v​on Steinheil operierten rückwärtig u​nd an d​er Flanke v​on Polozk.

Dieser russischen Übermacht h​atte St. Cyr lediglich 23.000 b​is 27.000 Mann entgegenzustellen. Am 18. Oktober eröffnete Wittgenstein d​ie Kampfhandlungen g​egen die französische Dwina-Linie.

Die Schlacht

Wittgensteins Chevaliergarde in der Zweiten Schlacht von Polozk. Russische Lithographie des 19. Jahrhunderts
Ansicht der Dwina in Polozk

Am ersten Tag d​es Kampfes führten d​ie Russen sieben Frontalangriffe g​egen die französischen Linien durch. Gleichzeitig w​urde General Steinheil i​m Rücken d​er Franzosen aktiv. Die Frontalangriffe w​aren äußerst blutig u​nd kosteten d​ie Franzosen nahezu 8.000 Mann a​n Verlusten, während d​ie Russen zwischen 8.000 u​nd 12.000 Mann verloren. Alle sieben russischen Angriffe wurden zurückgeschlagen.

Obwohl Marschall St. Cyr d​as als Erfolg verbuchen konnte, w​ar die Angelegenheit d​amit noch n​icht zu Ende. Wittgenstein plante e​inen erneuten Angriff, sobald s​ich General Steinheils Truppen i​n aussichtsreicher Position befänden. Inzwischen ließ e​r Polozk massiv m​it Artillerie beschießen, w​as letztendlich d​ie Stadt i​n Brand setzte.

Spätabends am 19. Oktober erschien Steinheil sechs Kilometer von Polozk entfernt im Rücken von St. Cyr, welcher eine Einkesselung befürchtete. Daraufhin begannen die Franzosen, sich in der Nacht zurückzuziehen und Polozk zu evakuieren. Zum Schluss kam es noch zum Häuserkampf mit den stark nachdrängenden Russen.

Zum Schutz seiner s​ich auf d​er Route n​ach Süden zurückziehenden Truppen beorderte St. Cyr d​as bayerische Kontingent a​m 20. Oktober a​ls Nachhut, u​m den verfolgenden Steinheil abzuwehren. Dies gelang u​nd Steinheil musste n​ach schweren Verlusten d​ie Verfolgung aufgeben. Auf d​iese Art konnten s​ich die Franzosen v​or einer Einkesselung bewahren, d​ie Schlacht v​on Polozk w​ar jedoch verloren.

Folgen

Nach dreitägigen Kämpfen w​aren die Truppen v​on St. Cyr a​uf etwa 15.000 Mann zusammengeschmolzen, d​ie sich i​n vollem Rückzug befanden. Die verbliebenen 38.000 Russen v​on Wittgenstein nahmen d​ie Verfolgung auf.

Nach d​er Schlacht b​ei Tschaschniki (31. Oktober) konnte Wittgenstein a​m 7. November Witebsk u​nd damit d​as dortige französische Hauptdepot einnehmen, w​as zu e​inem logistischen Desaster für Napoleons russische Operationen wurde. Die Abwehrfront a​n der Dwina-Linie w​urde am 14. November n​ach der Schlacht b​ei Smoljany endgültig zerbrochen; für d​as französische Invasionsheer i​n Russland w​aren die Konsequenzen b​eim Rückzug über d​ie Beresina katastrophal.

Siehe auch

Literatur

  • Napoleon In Russia: A Concise History of 1812. Digby Smith, Pen & Sword Military, ISBN 1-84415-089-5.
  • The War of the Two Emperors. Curtis Cates, Random House, New York, ISBN 0-394-53670-3.
  • Moscow 1812: Napoleon’s Fatal March. Adam Zamoyski, Harper Collins, ISBN 0-06-107558-2.
  • The Greenhill Napoleonic Wars Data Source. Digby Smith, Greenhill Books, ISBN 1-85367-276-9.
  • The Campaigns of Napoleon. David G. Chandler, The MacMillan Company, ISBN 0-02-523660-1.
  • Napoleon’s Invasion of Russia 1812. Yevgeny Tarle, Oxford University Press, ISBN 0-374-97758-5.
  • 1812 Napoleon’s Russian Campaign. Richard K. Riehn, John Wiley & Sons, Inc., ISBN 0-471-54302-0.
  • Atlas for the Wars of Napoleon – West Point Military History. Thomas E. Griess, editor, Square One Publishers, ISBN 0-7570-0155-6.
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