Ronald Shannon Jackson

Ronald Shannon Jackson (* 12. Januar 1940 i​n Fort Worth, Texas; † 19. Oktober 2013 ebenda[1]) w​ar ein US-amerikanischer Jazzmusiker m​it innovativem Schlagzeugspiel. Er w​ar zunächst v​om freien Schlagzeugspiel e​ines Milford Graves u​nd eines Sunny Murray beeinflusst, entwickelte e​s aber i​n einer polyrhythmischen Komplexität weiter, w​obei er funkige Grooves besonders betonte. Mit diesem Stil konnte e​r ein größeres Publikum erreichen.

Ronald Shannon Jackson (moers festival 2011)

Leben und Wirken

Shannon Jackson nahm als Teenager an regelmäßigen Sessions von Begleitmusikern von Ray Charles teil. In Texas, Missouri und Connecticut studierte er Geschichte und Soziologie. Mitte der 1960er kam er aufgrund eines Musikstipendiums nach New York City und war dort an Albert Aylers legendären Free-Jazz-Aufnahmen beteiligt. Ferner spielte er mit Charles Mingus, Betty Carter, Jackie McLean, Joe Henderson, Kenny Dorham, McCoy Tyner, Herbie Hancock, Wayne Shorter, Ray Bryant, Bennie Maupin und Stanley Turrentine. Mitte der 1970er gehörte er zu den Musikern, die mit Ornette Coleman im harmolodischen System ein rockgebundenes freies Spiel entwickelten. Diesen Jazzpunk entwickelte er in der Gruppe des Coleman-Gitarristen James Blood Ulmer weiter. Ende der 1970er spielte er auch mit Cecil Taylor und mit Albert Mangelsdorff. Dann gründete er 1980 seine z. T. großformatige Gruppe Decoding Society gründete, in der das Konzept zur Reife gebracht wurde. Mit ihr trat er mehrfach erfolgreich in Europa (zunächst beim Moers Festival) auf. Allerdings schliff sich „die innovative Wut“ seiner Decoding Society, so meint Wolf Kampmann, „trotz exzellenter Mitspieler wie Vernon Reid, Steve Salas, Reggie Washington oder Eric Person schnell ab und wich gegen Ende der 80er uninspirierter Groove-Routine.“ Während seine Drum-&-Poetry-Versuche nicht anerkannt waren, konnte er mit dem von Bill Laswell produzierten Album Red Warrior „wieder an die Anfangszeit seiner Band“ anschließen.[2]

1986 u​nd später w​ar er erfolgreich m​it Bill Laswell, Peter Brötzmann u​nd Sonny Sharrock a​ls Last Exit unterwegs, i​n den frühen 1990ern d​ann mit d​em Bassisten Melvin Gibbs u​nd dem Gitarristen Bill Frisell a​ls Power Tools. Eine Nervenerkrankung z​wang ihn i​n den 1990er Jahren, s​ein Spiel einzustellen. Er verlegte s​ich zeitweise a​ufs Komponieren. Ab 2005 konnte e​r wieder auftreten.[1] Zuletzt w​ar er i​n Europa m​it Wadada Leo Smith, Vijay Iyer u​nd John Lindberg bzw. m​it Melvin Gibbs, Joseph Bowie, Vernon Reid u​nd James Blood Ulmer unterwegs. Im Oktober 2013 e​rlag er i​m Alter v​on 73 Jahren e​iner Leukämieerkrankung.

Der Rolling Stone listete i​hn 2016 a​uf Rang 83 d​er 100 besten Schlagzeuger a​ller Zeiten.[3]

Diskografische Hinweise

Unter eigenem Namen

  • Eye on You (About Time, 1980)
  • Nasty (Moers Music, 1981)
  • Street Priest (Moers, 1981)
  • Mandance (Antilles Records, 1982)
  • Barbeque Dog (Antilles, 1983)
  • Montreux Jazz Festival (Knit Classics, 1983)
  • Pulse (Records, 1984)
  • Decode Yourself (Island, 1985)
  • Taboo (Venture/Virgin, 1981–1983)
  • Earned Dream (Knit Classics, 1984)
  • Live at Greenwich House (Knit Classics, 1986)
  • Live at the Caravan of Dreams (Caravan of Dreams, 1986)
  • When Colors Play (Caravan of Dreams, 1986)
  • Texas (Caravan of Dreams, 1987)
  • Red Warrior (Axiom, 1990)
  • Raven Roc (DIW, 1992)
  • Live in Warsaw (Knit Classics, 1994)
  • What Spirit Say (DIW, 1994)
  • Shannon’s House (Koch, 1996)
  • Ronald Shannon Jackson Presents PowerTools – Live at the Knitting Factory 1989 (ed. 2020)

Lexikalische Einträge

Einzelnachweise

  1. Nachruf in JazzTimes
  2. Wolf Kampmann Reclams Jazzlexikon, S. 263.
  3. 100 Greatest Drummers of All Time. Rolling Stone, 31. März 2016, abgerufen am 6. August 2017 (englisch).
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