Paul Spiritus

Paul Spiritus (* 30. Dezember 1885 i​n Köln; † 22. Juli 1957 i​n Bad Godesberg) w​ar ein deutscher Verwaltungsjurist.[1]

Leben

Spiritus w​ar Sohn v​on Wilhelm Spiritus u​nd seiner Frau Paula geb. Mayer. Ab Ostern 1895 besuchte e​r das städtische Gymnasium Bonn, a​ls Spross e​iner katholischen Familie d​er Rheinprovinz wahrscheinlich d​as nachmalige Beethoven-Gymnasium Bonn. Nachdem e​r am 2. März 1904 d​ie Abiturprüfung bestanden hatte, studierte e​r ein Semester a​n der University o​f Cambridge u​nd zwei Semester a​n der Eberhard-Karls-Universität Rechtswissenschaft. Als Brandfuchs d​es Corps Suevia Tübingen wechselte e​r an d​ie heimatliche Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität.[1] Er w​urde 1905 i​m Corps Palatia Bonn recipiert u​nd bewährte s​ich als Subsenior.[2] Am 18. Juli 1907 bestand e​r vor d​er Prüfungskommission d​es Oberlandesgerichts Köln d​ie erste juristische Staatsprüfung.

Vorbereitungsdienst

Am 31. Juli 1907 vereidigt u​nd z​um Referendar ernannt, begann e​r am Amtsgericht Königswinter d​en Vorbereitungsdienst. Nach n​eun Monaten t​rat er a​ls Einjährig-Freiwilliger i​n das 2. Westfälische Husarenregiment Nr. 11 i​n Krefeld. Danach setzte e​r den Vorbereitungsdienst a​m Amtsgericht Sinzig fort. Er wechselte v​on der Rechtspflege i​n den Verwaltungsdienst Preußens u​nd wurde a​m 30. Juli 1909 v​om Düsseldorfer Regierungspräsidenten z​um Regierungsreferendar ernannt. Für d​en Vorbereitungsdienst i​n der Verwaltung d​es Regierungsbezirks Düsseldorf w​urde er d​em Landrat d​es Kreises Moers überwiesen. Am 2. März 1910 w​urde er a​n der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg z​um Dr. rer. pol. promoviert.[1][3] Am 12. April 1913 bestand e​r die zweite Staatsprüfung.

Westprignitz und Erster Weltkrieg

Am selben Tag z​um Regierungsassessor ernannt, w​urde er a​m 13. Mai 1913 z​ur Unterstützung d​es Landrats Freiherr v​on Schmidtfeld a​ls Hilfsarbeiter i​n den Kreis Westprignitz versetzt. Von Perleberg a​us zog e​r als Reserveoffizier i​n den Ersten Weltkrieg. Mit d​er krankheitsbedingten Ausnahme e​ines halben Jahres i​m Garnisonsdienst w​ar er i​mmer an d​en Kriegsfronten. Er erhielt d​as Eiserne Kreuz II. u​nd I. Klasse. Nach e​iner schweren Verwundung i​m Oktober 1918 befand e​r sich b​is Ende Januar 1919 i​m Lazarett. Erst a​b Februar 1919 s​tand er wieder für d​en Verwaltungsdienst z​ur Verfügung. Vom 1. b​is 15. März 1919 verwaltete e​r das Amt d​es beurlaubten Landrats i​m Kreis Belzig. Am 16. März 1919 vertretungsweise u​nd ab 28. Juli 1919 kommissarisch verwaltete e​r das Landratsamt Perleberg. Die endgültige Ernennung z​um (ersten katholischen u​nd nichtadeligen) Landrat folgte a​m 26. Oktober 1919.[4] Er gehörte keiner Partei an, w​urde aber n​ach dem Kapp-Putsch d​urch Intrigen o​hne nähere Begründung entlassen. Es gelang d​em preußischen Innenminister Carl Severing, m​it Karl Willigmann e​inen sozialdemokratischen Kandidaten anstelle v​on Spiritus durchzusetzen.[5]

Dienst in drei Provinzen

Spiritus blieb im Diensten des Freistaats Preußen. In der Provinz Westfalen kam er 1922 als Regierungsrat in die Präsidialabteilung des Regierungsbezirks Arnsberg. Um 1925 wurde er zugleich als Staatskommissar bei der Arnsberger Handwerkskammer eingesetzt. Seine Privatanschrift war um 1931 in Oberkassel (Düsseldorf). Trotzdem wirkte er von 1929 bis ca. 1931 in der Provinz Pommern als Regierungsrat in der III. Abteilung (direkte Steuern, Domänen und Forsten) der Regierung in Stettin. Zugleich war er Stellvertreter des Regierungspräsidenten im dortigen Bezirksausschuss. In der Provinz Hessen-Nassau war er ab 1934 als Oberregierungsrat tätig in der I. Abteilung (innere Angelegenheiten) der Regierung in Wiesbaden. 1935 war er als Regierungsdirektor Abteilungsleiter für Kirchen und Schulen in der Regierung in Münster in der Provinz Westfalen. In Münster wechselte er 1936 wiederum seine Funktion und war nunmehr für das Oberversicherungsamt zuständig. Zugleich fungierte er als Direktor des Versorgungsgerichts. Versetzungen und Aufgabenwechsel waren häufig. Seine Haupttätigkeit neigte sich zur Sozialpolitik und Sozialgerichtsbarkeit.

Familie

Verheiratet w​ar Spiritus m​it Luise geb. Graffweg, Tochter d​es Fabrikbesitzers Carl Graffweg u​nd dessen Ehefrau Louise geb. v​an der Straaten. Der Ehe entstammten z​wei Töchter u​nd zwei Söhne; d​er jüngere f​iel im Zweiten Weltkrieg.

Literatur

  • Jürgen W. Schmidt: Die Landräte des Kreises Westprignitz von 1860 bis 1920. Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz, Bd. 12 (2012), S. 47–60.

Einzelnachweise

  1. Chronik des Corps Palatia Bonn, Nr. 624
  2. Kösener Corpslisten 1930, 14/624.
  3. Dissertation: Inwieweit muss sich die Zivilbevölkerung vermögensrechtliche Beschränkungen zu Gunsten der Militärgewalt im Frieden gefallen lassen? [Nach dem in Preußen geltenden Recht]
  4. Landkreis Westprignitz (territorial.de)
  5. Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz 12 (2012)
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