Nervus abducens

Der paarige Nervus abducens, a​uch sechster Hirnnerv, N. VI genannt, besteht vorwiegend a​us motorischen Fasern. Er innerviert d​en Musculus rectus lateralis („seitlicher gerader Muskel“) a​m Auge, d​er die Augenachse z​ur Seite bewegt (in d​er Fachsprache „abduziert“, d​aher der Name d​es Nerven). Bei Vögeln innerviert e​r auch d​ie Nickhautmuskeln (Musculus quadratus membranae nictitantis u​nd Musculus pyramidalis membranae nictitantis).

Nerven der Augengegend

Verlauf

Das Kerngebiet (Nucleus n​ervi abducentis) l​iegt im Tegmentum pontis (Brückenhaube). Er läuft über d​en Clivus d​es Hinterhauptbeins u​nd gelangt z​um Sinus cavernosus d​en er durchzieht u​m dann d​urch die Fissura orbitalis superior (bei Paarhufern: Foramen orbitorotundum, übrige Tiere: Fissura orbitalis) i​n die Orbita u​nd den Anulus tendineus communis z​u ziehen. Neben d​em Musculus rectus lateralis versorgt e​r auch d​en lateralen Anteil d​es Musculus retractor bulbi (nur b​ei Tieren).

Läsion

Eine Lähmung des Nervus abducens wird als Abduzensparese bezeichnet. Infolge des ungestörten Tonus des Musculus rectus medialis, dem Gegenspieler des Musculus rectus lateralis, kommt es zu einem Einwärtsschielen. Der Nervus abducens besitzt den längsten extraduralen Verlauf der Augennerven und kann deshalb leicht verletzt werden, wenn es zu einem Schädelbasisbruch kommt. Außerdem wird er auch geschädigt, wenn Blutungen im Subarachnoidalraum auftreten. Infolge einer Lumbalpunktion sinkt der Druck des Liquor cerebrospinalis im Schädelinneren, was zu einer Zugbelastung des Nervus abducens führen kann.

Literatur

  • Martin Trepel: Neuroanatomie. Struktur und Funktion. 3., neu bearbeitete Auflage. Urban & Fischer, München u. a. 2004, ISBN 3-437-41297-3.
  • Franz-Viktor Salomon: Nervensystem, Systema nervosum. In: Franz-Viktor Salomon, Hans Geyer, Uwe Gille (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke, Stuttgart 2005, ISBN 3-8304-1007-7, S. 464–577.
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