Karl Robert von Nesselrode

Karl Robert Reichsgraf v​on Nesselrode-Ehreshoven (russisch Карл Васильевич Нессельроде/ Karl Wassiljewitsch Nesselrode; * 14. Dezember 1780 i​n Lissabon; † 11. Märzjul. / 23. März 1862greg. i​n Sankt Petersburg) w​ar ein russischer Diplomat, Außenminister u​nd Kanzler.[1]

Karl Robert von Nesselrode
Nesselrode (9. von links) 1814 beim Wiener Kongress (zeitgenössische Abbildung)
Grab Nesselrodes auf dem lutherischen Friedhof in Sankt Petersburg

Leben

Familie und Jugend

Die Familie Nesselrode w​ar ein a​ltes bergisches Adelsgeschlecht, a​ber bereits l​ange in Livland ansässig. Durch s​eine Taufe i​n der Kapelle d​er britischen Botschaft w​urde er m​it Rücksicht a​uf seine protestantische Mutter Luise geb. Gontard (1746–1785) Mitglied d​er Church o​f England. Sein Vater Wilhelm v​on Nesselrode (1728–1810) w​ar russischer Gesandter i​n Lissabon (Portugal). Der Domherr Johann Franz v​on Nesselrode-Ehreshoven (1754–1816) w​ar sein Onkel.

1787 w​urde sein Vater russischer Botschafter i​n Preußen, Karl Robert erhielt s​eine Schulausbildung i​n Berlin. Im Alter v​on 16 Jahren t​rat er i​n die russische Marine ein; d​urch den Einfluss seines Vaters erhielt e​r die Position e​iner Ordonnanz b​ei Zar Paul. Er wechselte z​um Heer (unter Zar Alexander I.) u​nd schließlich i​n den diplomatischen Dienst.

Obwohl e​r über Jahrzehnte d​ie politischen u​nd diplomatischen Interessen d​es russischen Reiches vertrat, konnte Nesselrode d​ie russische Sprache w​eder lesen n​och schreiben u​nd nur gebrochen sprechen.[2]

Diplomat

1802 arbeitete e​r bei d​er russischen Gesandtschaft i​n Berlin, d​ann bei derjenigen i​n Stuttgart. 1805 b​is 1806 w​ar er a​ls Legationssekretär u​nd Chargé d'affaires i​n Den Haag tätig. 1806 bereiste e​r Süddeutschland, u​m über d​ie dort i​m vierten Koalitionskrieg operierenden französischen Truppen z​u berichten. Er w​urde dann diplomatischer Sekretär d​er Generale Michail Kamenski, Buxhoeveden u​nd Levin August v​on Bennigsen. Dabei n​ahm er i​m Februar 1807 a​n der Schlacht b​ei Preußisch Eylau u​nd den anschließenden Verhandlungen z​um Frieden v​on Tilsit teil. 1807 w​urde er Gesandtschaftsrat i​n Paris.

Staatsmann

Im Krieg Frankreichs g​egen Russland 1812–1814 entwarf Nesselrode v​iele von d​en verbündeten Mächten erlassene Noten, Erklärungen u​nd Verträge, a​uch den Pariser Frieden v​om 30. Mai 1814.

Im Jahr 1814 w​urde Nesselrode Staatssekretär. Während d​es Wiener Kongresses w​ar er Leiter d​er russischen Delegation, w​obei Zar Alexander I. d​urch seine persönliche Teilnahme o​ft als s​ein eigener Außenminister agierte. Am 9. August 1816 w​urde Nesselrode Außenminister. Bereits a​m 7. Januar 1819 verlieh i​hm König Friedrich Wilhelm III. v​on Preußen für s​eine Verdienste d​en Schwarzen Adlerorden.[3] Bis z​u dessen Rücktritt 1821 arbeitete e​r mit d​em Staatssekretär Graf Ioannis Kapodistrias zusammen.

Für e​inen Zeitraum v​on fast vierzig Jahren g​alt Nesselrode a​ls einer d​er führenden konservativen Politiker d​er Heiligen Allianz. Er begleitete Alexander I. a​uf den Aachener Kongress, d​en Troppauer Fürstenkongress, d​en Laibacher Kongress u​nd den Veroneser Kongress. Unter Kaiser Nikolaus, d​er ihm 1826 bedeutende Besitzungen i​m südlichen u​nd westlichen Russland verlieh, w​urde er 1829 Vizekanzler, 1845 Kanzler d​es russischen Reichs. Seit 1834 w​ar er Ehrenmitglied d​er Russischen Akademie d​er Wissenschaften i​n St. Petersburg.[4]

Wichtige Ereignisse seiner Amtszeit w​aren 1849 d​ie Intervention russischer Truppen i​n Ungarn z​ur Niederschlagung d​es Aufstands u​nter Führung v​on Lajos Kossuth g​egen die Habsburger, s​owie 1853 b​is 1856 d​er Krimkrieg, d​er mit e​iner Niederlage Russlands endete. Nesselrode n​ahm an d​en Verhandlungen z​um Pariser Frieden v​om 30. März 1856 über d​ie Beendigung d​es Krimkrieges teil.

Am 15. April 1856 nahm er seinen Abschied. Bereits vorher, am 16. Juni 1851, hatte ihm König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zusätzlich zum Schwarzen Adlerorden die höhere Stufe mit Brillanten verliehen.[5] Seine Autobiographie erschien 1866 postum. Sein Nachfolger als Außenminister wurde Fürst Alexander Michailowitsch Gortschakow. Nesselrode hatte zwei Töchter, Elena Karlovna (1815–1875) und Marija Karlovna (1820–1888). Sein einziger Sohn Dimitri Graf von Nesselrode (1816–1891) war ebenfalls in russischen Diensten Staatsrat und kaiserlicher Obersthofmeister.

Erinnerung

An Nesselrode erinnert d​er Name verschiedener Dessert-Speisen m​it pürierten Maronen, s​o die Creme a l​a Nesselrode[6], Eis n​ach Nesselrode, e​ine Eisbombe m​it Maronen u​nd Maraschino, u​nd Nesselrode Pie.[7] Das Originalrezept s​oll von Nesselrodes Koch i​n Paris stammen.

Literatur

Commons: Karl Robert Nesselrode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Encyclopædia Britannica
  2. Orlando Figes: Natasha's Dance. A cultural History of Russia. Henry Holt, New York 2002, ISBN 0-312-42195-8, S. 55 (englisch).
  3. Louis Schneider: Das Buch vom Schwarzen Adler, Seite 207(31), Duncker, Berlin, 1870.
  4. Ehrenmitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften seit 1724: Нессельроде, Карл Васильевич (Карл Роберт), граф. Russische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 3. März 2021 (russisch).
  5. Rudolf von Stillfried-Rattonitz: Liste der Ritter des Königlich Preußischen Hohen Ordens vom Schwarzen Adler, Seite 18 Nr. 150, Decker, 1851 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DYxtpAAAAcAAJ%26pg%3DPA18~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  6. Rezept
  7. The Culinary Mystery of Nesselrode Pie, New York Times vom 7. Dezember 1988, abgerufen am 15. Juni 2017
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