Hindi

Hindi (हिन्दी hindī /ɦind̪iː/) i​st eine indoarische, d​amit zugleich indoiranische u​nd indogermanische Sprache, d​ie in d​en meisten nord- u​nd zentralindischen Staaten gesprochen w​ird und s​ich von d​en Prakritsprachen ableitet. Seit 1950 i​st es (neben Englisch) d​ie Amtssprache Indiens. Hindi i​st eng m​it Urdu verwandt.

Hindi (हिन्दी)

Gesprochen in

Indien Indien
Sprecher 370 Millionen Muttersprachler,
155 Millionen Zweitsprachler
(geschätzt)
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache in Indien Indien

Bundesstaaten:

Sprachcodes
ISO 639-1

hi

ISO 639-2

hin

ISO 639-3

hin

Unter d​en meistgesprochenen Sprachen d​er Welt s​teht Hindi a​n dritter Stelle n​ach Chinesisch u​nd Englisch, n​och vor Spanisch. Über 600 Millionen Menschen i​n Indien u​nd Umgebung gebrauchen e​s als Mutter- o​der Alltagssprache. In Fidschi spricht m​ehr als e​in Drittel d​er Bevölkerung Fidschi-Hindi, i​n Guyana u​nd Suriname e​ine Minderheit, w​obei es v​or allem i​n Guyana r​asch an Sprechern verliert (das surinamische Hindi w​ird gelegentlich a​ls Einzelsprache betrachtet).

Hindi w​ird in Devanagari geschrieben u​nd enthält v​iele Buchwörter a​us dem Sanskrit. Dagegen w​ird Urdu, a​ls offizielle Sprache Pakistans, m​it arabischen Schriftzeichen geschrieben u​nd hat v​iele Wörter d​er persischen, türkischen u​nd arabischen Sprache aufgenommen. Beides s​ind Varietäten d​es Hindustani.

Die Verwendung v​on Wörtern unterschiedlicher Herkunft w​ar lange Gegenstand nationaler politischer Bestrebungen. Hindu-Nationalisten ersetzen systematisch Wörter arabischer Herkunft d​urch Entlehnungen a​us dem Sanskrit, u​m damit i​hre kulturelle Eigenständigkeit z​u betonen. Ähnliche Bestrebungen z​ur Förderung v​on Sanskrit g​ab es i​n Form d​es Popular Sanskrit. Außerdem g​ibt es e​ine Vielzahl lokaler Dialekte d​es Hindi.

Schreibmaschinentastatur mit Devanagari-Schriftzeichen
Ungefähres Verbreitungsgebiet des Hindi
Amtssprachen in den indischen Bundesstaaten

Etymologie

Das Wort hindī i​st persischen Ursprungs u​nd bedeutet „indisch“. Es w​urde ursprünglich v​on vorislamischen persischen Kaufleuten u​nd Botschaftern i​n Nordindien verwendet, u​m sich a​uf die vorherrschende Sprache Nordindiens, Hindustani, z​u beziehen. Später w​urde es a​m Mogulhof für d​ie Unterscheidung d​er Lokalsprache d​er Region Delhi v​om Persischen verwendet, d​er damals offiziellen Sprache d​es Hofes.

Entwicklung

Ursprung

Wie für v​iele andere indische Sprachen w​ird auch für Hindi angenommen, d​ass es s​ich auf d​em Weg über d​as sogenannte Apabhramsha a​us dem Prakrit entwickelt hat. Hindi entstand a​ls lokaler Dialekt, w​ie Braj, Awadhi u​nd schließlich Khari Boli n​ach der Wende z​um 10. Jahrhundert.

Im Vergleich z​um Sanskrit s​ind unter anderem folgende Veränderungen aufgetreten, v​on denen einige s​chon im Pali z​u finden sind:

  • häufiger Wegfall von auslautendem ‚a‘ und anderen Vokalen (shabda- > shabd ‚Wort‘)
  • Ausfall von ‚r‘ in manchen Verbindungen (trīni > tīn ‚drei‘)
  • Reduktion von Konsonantenbündeln (sapta > sāt ‚sieben‘)
  • Ausfall von nasalen Konsonanten mit zurückbleibender Nasalierung (shānta- > shā̃t ‚ruhig‘).

Persischer und arabischer Einfluss

In 1000 Jahren islamischen Einflusses gelangten v​iele persische u​nd arabische Wörter i​ns Khari Boli. Da a​uch fast a​lle arabischen Lehnwörter über d​as Persische aufgenommen wurden, h​aben sie n​icht den ursprünglichen arabischen Lautstand bewahrt.

Portugiesische Lehnwörter

Aus d​em Portugiesischen s​ind heute n​och einige Lehnwörter i​m Hindi z​u finden; d​er portugiesische Lautstand lässt s​ich gut i​m Hindi verwenden, w​ie bei mez < mesa ‚Tisch‘, pãv < pão ‚Brot‘, kamīz < camisa ‚Hemd‘.

Englische Lehnwörter

Im heutigen Hindi werden v​iele aus d​em Englischen stammende Wörter verwendet, w​ie zum Beispiel ball, bank, f​ilm hero, photo. Einige d​avon werden i​m heutigen Englisch hingegen k​aum mehr verwendet. Durch ältere u​nd jüngere Entlehnungen s​owie rein indische Neubildungen i​st bei einigen Begriffen e​ine Vielzahl v​on Synonymen entstanden: leṭrīn < latrine = urinal = ṭoileṭ ‚Toilette‘ (daneben g​ibt es n​och die ursprünglich a​us dem Persischen stammenden Wörter peshāb-khānā, pā-khānā u​nd die formellen Ausdrücke svacchālaya, shaucālaya).

Viele ältere Entlehnungen wurden bereits d​em indischen Lautstand angepasst, darunter:

  • boṭal < bottle ‚Flasche‘
  • kampyūṭar < computer
  • ãgrezī < English
  • pulis < police ‚Polizei‘
  • reḍiyo < radio
  • prafessar < professor.

Dabei wurden v​or allem d​ie Dentale i​m Hindi retroflex umgefärbt, w​as gut z​u hören ist, w​enn Inder Englisch sprechen.

Einige englische Lehnwörter s​ind mit indischen Wörtern z​u neuen Begriffen kombiniert worden: photo khī̃cnā ‚fotografieren‘, fry karnā ‚braten‘, shark-machlī ‚Hai‘.

Hindi als Gebersprache

Aus d​em Hindi s​ind auch Wörter i​n andere Sprachen gelangt, w​obei Hindi t​eils die Ursprungssprache, t​eils nur e​ine vermittelnde Sprache war. Zu d​en Hindi-Wörtern i​m Deutschen gehören: Bungalow (bãglā), Chutney, Dschungel, Kajal, Kummerbund, Monsun (wobei d​as Hindi-Wort mausam selbst e​in Lehnwort a​us dem Arabischen ist), Punsch, Shampoo (cāmpnā ‚massieren‘), Veranda.

Varietäten und Register

Der Hindi-Sprachengürtel (rot): Hindi im engeren Sinne (im Zentrum) und Varietäten (zum Beispiel Rajasthani und Bihari)

Die Hindi-Sprachen i​m weitesten Sinne m​it allen Dialekten d​es Hindi-Gürtels – inklusive Maithili (12 Mio.) u​nd Urdu (51 Mio.) – umfassen 486 Millionen Muttersprachler (Volkszählung 2001). Sie können w​ie folgt untergliedert werden:

  • Zentrale Zone
    • Westliches Hindi (mittlere westliche Zone)
      • 258 M: Khari Boli
      • (52 M: Urdu, in der öffentlichen Zählung separat gezählt)
      • 8 M: Haryanvi
      • 6 M: Kanauji
    • Östliches Hindi (mittlere östliche Zone)
    • 18 M: Rajasthani
  • Bihari (östliche Zone)
    • 12 M: Maithili (2003 offiziell als eigene Sprache anerkannt)
    • 33 M: Bhojpuri
    • 13 M: Magadhi
    • 2 M: Sadri
  • 7 M: Pahari (nördliche Zone) (ohne Dogri und Nepali)

Khari-Boli

Khari b​oli ist d​er Begriff für d​en westindischen Dialekt d​er Delhiregion, d​er sich s​eit dem 17. Jahrhundert z​u einem Prestigedialekt entwickelt hat. Khari boli umfasst mehrere normierte Register, darunter:

  • Urdu, historisch die „Sprache des Hofes“, ein vom Persischen beeinflusstes Register
  • Rekhta, ein starkem persischen und arabischen Einfluss unterworfenes Register
  • Dakhni, das historische literarische Register der Dekkan-Region
  • Standard-Hindi, ein durch starken Sanskrit-Einfluss geprägtes Register aus dem 19. Jahrhundert während der Kolonialzeit als Kontrast zu Urdu in der Hindi-Urdu-Kontroverse.

Modernes Standard-Hindi

Nach d​er Unabhängigkeit Indiens erarbeitete d​ie indische Regierung folgende Veränderungen:

  • Normierung der Hindigrammatik: 1954 richtete die Regierung ein Komitee zur Erstellung einer Hindigrammatik ein, dessen Bericht 1958 als „A Basic Grammar of Modern Hindi“ ‚Eine Basisgrammatik des Hindi‘ herausgegeben wurde.
  • Normierung der Orthographie.
  • Normierung der Devanagari-Schrift durch das 'Central Hindi Directorate of the Ministry of Education and Culture' zur Vereinheitlichung und Verbesserung der Schriftzeichen.
  • wissenschaftliche Methode zur Transkription des Devanagari-Alphabets
  • Einbeziehung diakritischer Zeichen zur Darstellung von Lauten aus anderen Sprachen.

Phonologie und Schrift

Straßenschild in Indien mit Angaben in Urdu (oben), Hindi (Mitte) und Englisch (unten)

Hindi umfasst n​eben 46 Phonemen, d​ie aus d​em klassischen Sanskrit stammen, n​och sieben zusätzliche Phoneme für Wörter, d​ie aus d​em Persischen o​der Arabischen kommen.

Die Transliteration erfolgt i​n dem System IAST (International Alphabet o​f Sanskrit Transliteration), ITRANS, u​nd IPA.

Vokale

Der inhärente Vokal (schwa / ə /), d​er ursprünglich i​n jeder Silbe enthalten ist, w​ird in Hindi, w​enn in Devanagari (indische Schrift) geschrieben, oftmals b​ei der Aussprache weggelassen, insbesondere a​m Wortende, o​ft aber a​uch im Wortinneren. Beispiel: मकान (das Haus) w​ird nicht makāna, sondern makān ausgesprochen.

Alle Vokale können nasaliert werden.

DevanāgarīDiakritisches Zeichen mit “प्”AusspracheAussprache mit / p /IASTITRANSDeutsch
/ ə // pə /aakurzes oder langes Schwa: wie e in alte
पा/ ɑː // pɑː /āAlanger ungerundeter offener Hinterzungenvokal: wie a in Vater
पि/ i // pi /iikurzer ungerundeter geschlossener Vorderzungenvokal: wie i in singen
पी/ iː // piː /īIlanger ungerundeter geschlossener Vorderzungenvokal: wie ie in Spiel
पु/ u // pu /uukurzer geschlossener hinterer gerundeter Vokal: wie u in Hund
पू/ uː // puː /ūUlanger geschlossener hinterer gerundeter Vokal: wie u in tun
पे/ eː // peː /eelanger ungerundeter halbgeschlossener Vorderzungenvokal: wie e in dem
पै/ æː // pæː /aiailanger ungerundeter fast offener Vorderzungenvokal: wie ä in ähnlich
पो/ οː // poː /oolanger gerundeter halbgeschlossener Hinterzungenvokal: wie o in rot
पौ/ ɔː // pɔː /auaulanger gerundeter halboffener Hinterzungenvokal: wie o in Sonne, aber lang.
पृ/ɻˌ // pɻˌ /Rkurzer syllabischer stimmhafter retroflexer Approximant wie ein Vokal: wie ri in Englisch ring (ursprüngliche Aussprache ist verloren)

Konsonanten

Labial Labiodental Dental Retroflex Palatal Velar Pharyngal
Plosive unaspiriert p प
/ /
b ब
/ /
t त
/ t̪ə /
d द
/ d̪ə /
ṭ ट
/ ʈə /
ḍ ड
/ ɖə /
c च
/ tʃə /
j ज
/ dʒə /
k क
/ /
g ग
/ /
aspiriert ph फ
/ pʰə /
bh भ
/ bʱə /
th थ
/ t̪ʰə /
dh ध
/ d̪ʱə /
ṭh ठ
/ ʈʰə /
ḍh ढ
/ ɖʱə /
ch छ
/ tʃʰə /
jh झ
/ dʒʱə /
kh ख
/ kʰə /
gh घ
/ gʱə /
Nasale m म
/ /
n न
/ /

/ ɳə /
ñ ञ
/ ɲə /

/ ŋə /
Halbvokale v व
/ ʋə /
y य
/ /
Approximanten l ल
/ /
r र
/ /
Frikative s स
/ /

/ ʂə /
ś श
/ ʃə /
ḥ ः
/ /
h ह
/ ɦə /

Daneben g​ibt es n​och den Anusvara (ṃ ं), d​er entweder d​ie Nasalierung d​es vorhergehenden Vokals o​der einen z​um folgenden Konsonanten homorganen Nasal anzeigt u​nd den Chandrabindu (ँ).

Konsonanten für Wörter persischen und arabischen Ursprungs

Außer ṛa u​nd ṛha stammen a​lle diese Konsonanten a​us dem Persischen o​der Arabischen, s​ie kommen i​m Urdu häufiger vor. Hindisprecher ländlichen Hintergrunds verwechseln o​ft diese Konsonanten m​it den Konsonanten a​us dem Sanskrit.

DevanagariTransliterationIPADeutschVerwechselt mit:
क़qa(Stimmloser uvularer Plosiv) Arabisch: Qur'an/ k /
ख़khaχə od(Stimmloser velarer Frikativ) Deutsch: doch/ /
ग़ġaʁə od ɣə(Stimmhafter velarer Frikativ) Niederländisch: Gent/ g /
ज़za(Stimmhafter alveolarer Frikativ) Deutsch: See/ /
ड़ṛaɽə(unaspirierter Stimmhafter retroflexer Flap)
ढ़ṛhaɽʱə(aspirierter Stimmhafter retroflexer Flap)
फ़fa(Stimmloser labiodentaler Frikativ) Deutsch: finden/ /

Die Aussprache dieser sogenannten Nukta-Varianten variiert i​m Sprachgebrauch s​ehr stark, d​a viele Sprecher d​ie Phoneme s​o aussprechen, a​ls würden s​ie ohne d​en zusätzlichen Punkt (Nukta) geschrieben (z. B. p​hilm statt film). Es existiert a​uch die Gegenform, b​ei der d​as ph w​ie f gesprochen wird.

Grammatik von Hindi und Urdu

Im Hinblick a​uf die Grammatik w​eist Hindi etliche grundlegende Unterschiede z​u den älteren indischen Sprachen w​ie Sanskrit u​nd Pali auf, d​ie wesentlich formenreicher sind: Sanskrit u​nd Pali h​aben beispielsweise jeweils n​och acht Kasus, während e​s im Hindi n​ur noch d​rei sind; d​ie meisten Beziehungen i​m Satz müssen j​etzt durch Verhältniswörter ausgedrückt werden. Schon i​m Pali w​ar der Dual n​icht mehr existent, a​uch das Genus Neutrum w​urde durch Maskulinum u​nd Femininum verdrängt; übrig geblieben s​ind lediglich einzelne Formen w​ie kaun?; koī ‚wer?; jemand‘ (belebt) gegenüber kyā?; kuch ‚was?; etwas‘ (unbelebt). Die meisten Verbformen s​ind zusammengesetzt a​us Verbstamm o​der Partizip u​nd einem o​der mehreren Hilfsverben. Hindi h​at sich s​omit weit v​om ehemals reinen Typus e​iner flektierenden Sprache entfernt.

Zur Umschrift

Zur Umschrift w​ird hier d​er IAST-Standard verwendet, d​er auch für andere indische Sprachen w​ie Sanskrit gilt, m​it einigen Sonderzeichen für spezielle Hindi-Laute (wie f, q u​nd x):

  • Vokale:
 offene Vokale:        a ai i au u      (ursprüngliche kurze Vokale bzw. Diphthonge)
 geschlossene Vokale:  ā e  ī o  ū      (ursprüngliche Langvokale)
 Die Tilde (~) steht für Anusvāra (der davor oder darunter stehende Vokal wird nasaliert)

a w​ird wie Schwa i​n ‚Palme‘ gesprochen, ai w​ie ‚ä‘ i​n ‚Herz‘, au w​ie ‚o‘ i​n ‚offen‘; e w​ie ‚ee‘ i​n ‚See‘, o w​ie ‚o‘ i​n ‚Ofen‘.

  • Nicht-retroflexe Konsonanten:
 unaspiriert: p  t  k     b  d  g      c  j    q x f s z    usw.
 aspiriert:   ph th kh    bh dh gh     ch jh
 h steht im Folgenden vereinfachend für [h], Visarga und Aspiration

j w​ird wie ‚dsch‘ i​n ‚Dschungel‘ gesprochen, c für ‚tsch‘ i​n ‚deutsch‘, u​nd ś (oder vereinfacht sh) für d​ie beiden sch-Laute, z für stimmhaftes ‚s‘ w​ie in ‚Sonne‘, x für d​en ach-Laut, q für uvulares ‚k‘; y für ‚j‘ w​ie in ‚Jahr‘, v w​ird wie i​n ‚Vase‘ gesprochen; doppelt geschriebene Konsonanten s​ind lang (zum Beispiel cc für [c:] = ‚ttsch‘).

  • Retroflexe Konsonanten:
 unaspiriert: ḍ    ṭ     ṛ     ṇ
 aspiriert:   ḍh   ṭh    ṛh

Morphologie der Nomen

Hindi k​ennt folgende Arten v​on Nomen: Substantive, Adjektive u​nd Pronomen. Adjektive u​nd Possessivpronomen stehen v​or dem z​u bestimmten Substantiv u​nd müssen m​it diesem kongruieren. Für d​ie Reihenfolge d​er Nominalphrasen g​ilt im Allgemeinen Subjekt – indirektes Objekt – direktes Objekt. Der Rectus Singular (Maskulinum) i​st die Zitierform.

Hindi k​ennt keinen bestimmten Artikel. Als unbestimmter Artikel k​ann notfalls d​as unveränderliche Zahlwort ek ‚eins‘ einspringen.

Genus

Im Hindi werden n​ur Maskulinum u​nd Femininum unterschieden, d​ie Klasse d​er Neutra g​ibt es n​icht mehr. Für d​ie Verteilung d​er Genera gilt:

  • Substantive, die männliche Personen bezeichnen, sind stets maskulin, solche, die weibliche Personen bezeichnen, stets feminin.
  • Bei einigen Tierarten gibt es männliche und weibliche Formen, wie billā / billī ‚Kater / Katze (weibl.)‘, gadhā / gadhī ‚Esel / Eselin‘, bãdar / bãdarī „Affe“, hāthī / hathinī „Elefant“, gāv / go oder gāy ‚Kuh‘, ghoṛā / ghoṛī ‚Pferd‘; bei anderen gibt es nur ein allgemeines Geschlecht für die gesamte Gattung, wie ū̃ṭ (maskulin) ‚Kamel‘, makkhī (feminin) ‚Fliege‘.
  • Bei Pflanzen und Gegenständen ist das Geschlecht zum Teil noch aus urindoeuropäischer Zeit ererbt.

Numerus

  • Hindi kennt die Numeri Singular und Plural.
  • Im Kasus Rectus ist die Pluralform bei vielen Substantiven nicht von der des jeweiligen Singular unterscheidbar (wie ādmī ‚Mann, Männer‘).
  • Häufige Pluralendungen sind -e bei den Maskulina auf , -iyã bei den Feminina auf , und -ẽ bei den Feminina auf Konsonant (siehe unten).

Besondere Pluralbildungen:

  • Die Endung -āt bei einigen Substantiven arabischen Ursprungs unter Kürzung des vorausgehenden Vokals (wie makān ‚Haus‘ > makanāt ‚Häuser‘).
  • Die sehr seltene Endung -ān (wie bei sāhib ‚Herr, Meister‘ > sahibān ‚Herren, Meister‘).
  • Umgangssprachlich verbreitet ist es auch, den Plural bei Personenbezeichnungen mit log „Leute“ zu bilden (wie widyārthī ‚Student‘ > widhyārthī-log ‚Studenten‘).

Kasus und Verhältniswörter

Substantive h​aben drei synthetische Kasusformen bewahrt: d​en „Rektus“ (englisch: direct case), d​en „Obliquus“ (englisch: oblique case) u​nd den „Vokativ“ (englisch: vocative [case]); n​ur Personalpronomen h​aben noch eigene Possessiv- u​nd Dativformen. Der Rektus w​ird in d​er sprachwissenschaftlichen Literatur a​uch direkt a​ls Nominativ eingestuft, h​at für e​inen solchen allerdings ungewöhnliche Eigenschaften.[1]

Für d​ie Verwendung g​ilt Folgendes:

  • Der Rectus ist die Nennform; er wird als Subjekt und unbestimmtes (indefinites) direktes Objekt verwendet – jedoch nicht für Subjekte von transitiven Verben im perfektiven Aspekt: Hier steht gewöhnlich der Ergativ, der Form nach ein Obliquus mit der Postposition ne.
  • Der Obliquus muss immer zusammen mit Postpositionen stehen, und wird zur Bildung von Adverbien verwendet.
  • Der seltene Vokativ ist der Kasus der direkten Anrede. Der Vokativ ist in den folgenden Tabellen unter der jeweiligen Obliquus-Form zu finden, wenn beide Kasus gleichlautend sind.
Die synthetischen Kasus

Die Obliquus-Plural-Endung i​st immer , d​ie Vokativ-Plural-Endung i​mmer -o. Bei d​en übrigen Kasus w​ird bei Maskulina zwischen TYP 1 (unmarkiert: g​ar keine Veränderung i​n diesen Formen) u​nd TYP 2 (markiert) unterschieden. Zu TYP 2 gehören erstens Lehnwörter (v. a. a​us dem Sanskrit, Persischen, Arabischen, Englischen) s​owie Maskulina, d​ie nicht a​uf enden. Darüber hinaus g​ibt es n​och als TYP 3 persische Lehnwörter m​it speziellen Pluralendungen; d​iese Substantive werden v​on Hindi-Sprechern jedoch gewöhnlich w​ie alle anderen Substantive a​uf Konsonant behandelt.

  • Maskulina von TYP 1:
 Auf kurzes -a: mitra ‚Freund‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    mitra                      mitra
 Obliquus:  mitra                      mitrõ
 Vokativ:   mitra                      mitro
 Auf langes : pitā ‚Vater‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    pitā                       pitā
 Obliquus:  pitā                       pitāõ
 Vokativ:   pitā                       pitāo
 Auf langes : ādmī ‚Mann‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    ādmī                       ādmī
 Obliquus:  ādmī                       ādmiyõ
 Vokativ:   ādmī                       ādmiyo
 Auf kurzes -u: guru ‚Lehrmeister‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    guru                       guru
 Obliquus:  guru                       guruõ
 Vokativ:   guru                       guruo
 Auf langes : cākū ‚Taschenmesser‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    cākū                       cākū
 Obliquus:  cākū                       cākuõ
 Auf Konsonant: seb ‚Apfel‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    seb                        seb
 Obliquus:  seb                        sebõ
  • Substantive von TYP 2
 Maskulina auf : baccā ‚Kind‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    baccā                      bacce
 Obliquus:  bacce                      baccõ
 Vokativ:   bacce                      bacco
 Maskulina auf -̃ā: kũā ‚Brunnen‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    kuā~                       ku
 Obliquus:  ku                        kuõ
 Feminina auf  und einige andere haben -̃ā im Rectus Plural:
 strī ‚Frau‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    strī                       striyā~
 Obliquus:  strī                       striyõ
 śakti ‚Kraft‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    śakti                      śaktiyā~
 Obliquus:  śakti                      śaktiyõ
 ciṛiyā  ‚Vogel‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    ciṛiyā                     ciṛiyā~
 Obliquus:  ciṛiyā                     ciṛiyõ
 Feminina mit irgendeinem anderen Ausgang haben -ẽ im Rectus Plural:
 1) Nicht kontrahiert:
 kitāb ‚Buch‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    kitāb                      kitāb
 Obliquus:  kitāb                      kitābõ
 bhāṣā  ‚Sprache‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    bhāṣā                      bhāṣā
 Obliquus:  bhāṣā                      bhāṣāõ
 bahū ‚Schwiegertochter‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    bahū                       bahu
 Obliquus:  bahū                       bahuõ
 Vokativ:   bahū                       bahuo


 2) kontrahiert:
 aurat ‚Frau‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    aurat                      aurt
 Obliquus:  aurat                      aurtõ
 Vokativ:   aurat                      aurto
 bahan/bahin ‚Schwester‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    bahan                      bahn
 Obliquus:  bahan                      bahnõ
 Vokativ:   bahan                      bahno
  • Lehnwörter von TYP 3
 kāγaz ‚Papier‘
            Singular                   Plural
 Rektus:    kāγaz                      kāγazāt
 Obliquus:  kāγaz                      kāγazātõ
  • Persisch-arabische Lehnwörter, die auf stummes -h enden, werden wie markierte maskulina (Typ 2) behandelt: bacca(h) (Urdu-Rechtschreibung) ~ baccā (Hindi-Rechtschreibung).
  • Einige persisch-arabische Lehnwörter können ihre ursprünglichen Dual- oder Pluralmarkierungen erhalten: vālid ‚Vater‘ > vālidain ‚Eltern‘.
  • Viele feminine Sanskrit-Lehnwörter enden auf : bhāṣā ‚Sprache‘, āśā ‚Hoffnung‘, icchā ‚Absicht‘.
Die primären Postpositionen

Neben d​en synthetischen Kasus s​ind viele analytische Neubildungen d​urch Postpositionen entstanden; Postpositionen entsprechen d​en Präpositionen i​m Deutschen, s​ie werden jedoch nachgestellt. Das voranstehende Substantiv m​it allen eventuell dazugehörigen Adjektiven u​nd Genitiv-Postpositionen m​uss dabei s​tets in d​en Obliquus gesetzt werden.

 Rektus:         gadhā         ‚der Esel‘
 Genitiv:        gadhe       ‚des Esels‘
 Dativ:          gadhe ko      ‚dem Esel‘
 Ergativ:        gadhe ne      ‚der Esel‘
 Ablativ:        gadhe se      ‚vom Esel‘
 ‚in‘:           ghar  mẽ      ‚in dem Haus‘
 ‚auf‘:          ghar  par/pe  ‚auf dem Haus‘
 ‚bis zu‘:       ghar  tak     ‚bis zum Haus‘
  • Der Dativ ist der Kasus des indirekten Objekts und wird bei einigen Satzkonstruktionen verwendet (wie yah mujhe acchā lagtā ‚das gefällt mir‘). Außerdem bezeichnet er das direkte Objekt, wenn es bestimmt (definit) ist.
  • Der Ergativ wird nur in den Perfektzeiten zur Kennzeichnung des Subjekts bei transitiven Verben verwendet.
  • Der Ablativ hat viele Funktionen:
 1) Herkunft (wie dillī se ‚aus Delhi‘; … se … tak ‚von … bis … ‘)
 2) Anfangszeit (wie itvār se ‚seit Sonntag‘)
 3) Kasus des Komparativs (siehe Abschnitt Komparation)
 4) Darüber hinaus kann er instrumentale und adverbiale Funktionen haben und wird von einigen Verben als Patiens verlangt.

Die Wortgruppe v​on Substantiv u​nd folgender Genitiv-Postposition verhält s​ich wie e​in Adjektiv, s​o dass d​ie Postposition entsprechend d​er Form d​es folgenden Wortes flektiert wird:

 Maskulin Singular:   ādmī  kamrā      ‚das Zimmer des Mannes‘
 Maskulin Plural:     ādmī ke kamre      ‚die Zimmer des Mannes‘
 Feminin  Singular:   ādmī  gārī       ‚das Auto   des Mannes‘ (im Hindi ‚die Auto‘)
 Feminin  Plural:     ādmī  gāriỹā    ‚die Autos  des Mannes‘
Die zusammengesetzten Postpositionen

Die zusammengesetzten Postpositionen bestehen a​us dem Obliquus d​er Genitiv-Postposition u​nd einem folgenden Adverb:

 Örtlich
 … ke andar           ‚(mitten) in‘
 … ke bhītar          ‚in … drin‘
 … ke bīch mẽ         ‚mitten in … drin‘
 … ke bāhar           ‚außerhalb von …‘
 … ke pās             ‚nahe bei …‘
 … ke ās-pās          ‚bei, in der Nähe von‘
 … ke cārõ taraf/or   ‚rings um … herum‘
 … kī taraf           ‚auf … zu‘
 … (ke) nīce          ‚unter‘
 … ke ūpar            ‚über … (drüber)‘
 … ke āge             ‚vor …, … voraus‘
 … ke sām(a)ne        ‚vor, gegenüber von …‘
 … ke pīche           ‚hinter‘
 … ke bājū            ‚neben‘
 … ke bagal           ‚neben‘
 … ke sāmne           ‚gegenüber von …‘
 … ke kināre          ‚auf der Seite von …‘
 Zeitlich
 … ke bād             ‚nach‘
 … ke paihle *        ‚vor‘
 … (ke) daurāna       ‚während‘
 * dialektisch: pahile/pahale
 Übertragen
 … ke liye            ‚für‘
 … ke khilāf          ‚gegen‘
 … ke dvārā           ‚anhand, mittels‘
 … ke mādhyam se      ‚mithilfe von‘
 … ke rūp mẽ          ‚in Form von, als‘
 … ke anusār          ‚laut, gemäß‘
 … ke bāre mẽ         ‚über (Thema); bezüglich‘
 … ke kārã (se)       ‚wegen‘
 … ke māre            ‚wegen, aufgrund von; durch‘
 … ke bavajūd         ‚trotz‘
 … ke sāth            ‚(zusammen) mit‘
 … ke bina            ‚ohne, ausgenommen, außer‘
 … ke yah̃ā           ‚anstelle von‘
 … ke badle mẽ        ‚anstelle von, im Austausch für‘
 … ke bajāy           ‚anstatt‘
 … ke alāvā           ‚neben, abgesehen von, so gut wie‘
 … ke sivāy           ‚abgesehen/mit Ausnahme von‘
 … ke shurū mẽ        ‚am Anfang von …‘
 … ke ãt mẽ           ‚am Ende von …‘
 … ke barābar/māfik   ‚gleich/ähnlich …‘
 … ke bīch mẽ         ‚zwischen; unter (among)
Präpositionen

Das Hindi k​ennt die Präposition binā „ohne“, d​ie jedoch a​uch nachgestellt werden k​ann (… k​e bina).

Adjektive

Adjektive (Eigenschaftswörter) können vor e​inem zu bestimmenden Substantiv a​ls Attribut stehen, o​der aber a​uch alleine i​n substantivischer Funktion. In attributiver Funktion s​owie prädikativ (zusammen m​it der Kopula honā ‚sein‘) g​ilt ein besonderes, s​tark eingeschränktes Deklinations-Schema gegenüber d​er Deklination a​ls Substantiv, i​n dem d​er Vokativ s​tets gleich d​em jeweiligen Obliquus ist.

Attributive Deklination

Im Hindi w​ird zwischen deklinierbaren u​nd undeklinierbaren Adjektiven unterschieden. Ein deklinierbares Adjektiv w​ird dem zugehörigen Nomen angepasst, e​in undeklinierbares bleibt s​tets unverändert. Eine Reihe v​on deklinierbaren Adjektiven z​eigt in a​llen Terminationen Nasalierung.

Deklinierbar s​ind die meisten Adjektive, d​ie auf enden:

 Maskulin:    Rectus Singular  :    choṭā kamrā        ‚das    kleine  Zimmer‘
              Sonst immer:     -e:    choṭe kamre        ‚die    kleinen Zimmer‘
                                      choṭe kamre  mẽ    ‚im     kleinen Zimmer‘
                                      choṭe kamrõ  mẽ    ‚in den kleinen Zimmern‘
 Feminin:     immer            :    choṭī gāṛī         ‚das    kleine  Auto‘
                                      choṭī gāṛiỹā       ‚die    kleinen Autos‘
                                      choṭī gāṛī   mẽ    ‚im     kleinen Auto‘
                                      choṭī gāṛiyõ mẽ    ‚in den kleinen Autos‘
  • Beispiele für deklinierbare Adjektive: baṛā ‚groß‘, choṭā ‚klein‘, moṭā ‚fett‘, acchā ‚gut‘, burā böse, ‚schlecht‘, kālā ‚schwarz‘, ṭhaṇḍā ‚kalt‘.
  • Beispiele für undeklinierbare Adjektive: xarāb ‚schlecht‘, sāf ‚sauber‘, bhārī ‚schwer (Gewicht)‘, murdā ‚tot‘, sundar ‚schön‘, pāgal ‚verrückt‘, lāl ‚rot‘.

Das Suffix sā / ~se / ~sī g​ibt einem Adjektiv d​ie Abtönung ‚-lich‘ o​der ‚ziemlich‘ (wie nīlā ‚blau‘ > nīlā- ‚bläulich‘). Es i​st ambig (mehrdeutig), d​a es d​ie Bedeutung e​ines Adjektives sowohl verstärken a​ls auch abmildern kann.

Komparation (Steigerung)
  • Der Komparativ wird durch aur/zyādā ‚mehr‘ oder kam ‚weniger‘ gebildet.

Mehr-als-Vergleiche verwenden d​ie Ablativ-Postposition se: hāthī murgeOBL se a​ur baṛā hai (sinngemäß: ‚der Elefant i​st im-Vergleich-zu d​em Huhn m​ehr groß‘) ‚Der Elefant i​st größer als d​as Huhn‘.

Bei e​inem Vergleich k​ann das Wort für "mehr" weggelassen werden:

 Gītā Gautam se (aur) lambī hai ‚Gita ist größer als Gautam‘
 Gītā Gautam se  kam  lambī hai ‚Gita ist weniger groß als Gautam‘

Ohne Vergleichsobjekt i​st das n​icht möglich:

 zyādā baṛā hāthī               ‚der größere Elefant‘
 hāthī zyādā baṛā hai           ‚der Elefant ist größer‘
  • Der Superlativ wird mit sab ‚alle(s)‘ gebildet: sab se āccha (sinngemäß: ‚im-Vergleich-zu allen groß‘) ‚der größte‘.
 sab se mahãgā kamrā            ‚das teuerste Zimmer‘
 kamrā sab se mahãgā hai        ‚das Zimmer ist das teuerste‘
  • In Registern mit starkem Einfluss aus dem Sanskrit oder dem Persischen gibt es auch Steigerungssuffixe aus diesen Sprachen:
                Sanskrit        Persisch
   Komparativ            -tar
   Superlativ   -tam            -tarīn
 Zwei dieser Bildungen sind unregelmäßig:
   Positiv      Komparativ      Superlativ
   acchā        behtar          behtarīn     ‚der gute/bessere/beste‘
   kharāb       badtar          badtarīn     ‚der schlechte/schlechtere/schlechteste‘
Personalpronomen

Personalpronomen h​aben einen eigenen, v​om Nominativ unterschiedenen Akkusativ, d​er mit d​en Formen d​es Dativs übereinstimmt. Das Geschlecht w​ird überhaupt n​icht unterschieden, i​n der 3. Person jedoch d​ie Entfernung z​um Sprecher. Postpositionen werden b​ei Personalpronomen i​m Hindi a​ls gebundene Morpheme, i​m Urdu a​ls freie Partikeln betrachtet.

Besonders i​n Nordindien w​ird umgangssprachlich d​ie 1. Person Plural ham ‚wir‘ a​uch für d​en Singular ‚ich‘ verwendet

Für d​ie 2. Person g​ibt es folgende Pronomen:

  • ‚du‘ (Singular, intimate) bei kleinen Kindern, engen Freunden, Gottheiten oder in der Lyrik; in allen anderen Fällen ist es herablassend oder sogar beleidigend.
  • tum ‚ihr‘ (Plural, familiar) wird für jüngere oder niedriger gestellte Personen; es wird auch für eine einzelne Person verwendet, wenn unangebracht ist, und kann daher je nach Kontext auch als "du" übersetzt werden.
  • āp ‚Sie‘ (Plural, polite) wird für ältere oder höhergestellte Personen verwendet.
  • tum und āp sind zwar schon Pluralpronomen, da sie aber auch zur Anrede einer einzelnen Person verwendet werden, können sie durch die Suffixe -log ‚Leute‘ oder -sab ‚alle‘ den Plural noch einmal ausdrücklich markieren: tum log / tum sab oder āp log / āp sab (vgl. das Englische you guys oder y'all). An ihrer Funktion im Satzgefüge ändert sich dabei überhaupt nichts.

Als Personalpronomen d​er 3. Person werden d​ie Demonstrativpronomen (yah ‚dieser hier‘ / vah ‚jener dort‘) verwendet, u​nd zwischen weiblich u​nd männlich w​ird nicht unterschieden.

  • Die Personalpronomen im Rectus:
 Erste Person
 ich                       mãi
 wir                       ham
 Zweite Person
 du                        
 ihr                       tum
 Sie                       āp – wird grammatikalisch als 3. Person Plural behandelt
 Dritte Person:   Hochsprache im Hindi       Urdu und gesprochenes Hindi
 er/sie/es [hier]          yah                            ye
 er/sie/es [dort]          vah                            vo
 sie [hier] (Plural)       ye                             ye
 sie [dort] (Plural)       ve                             vo


  • Der Obliquus wird auch bei Personalpronomen von einer nachfolgenden Postposition verlangt:
            1. Person Singular:           mãi  > mujh …
            2. Person Singular:              > tujh …
            3. Person Singular hier:      yah  > is …
            3. Person Singular dort:      vah  > us …
            3. Person Plural hier:        ye   > in …
            3. Person Plural dort:        ve   > un …

Bei ham, tum u​nd āp s​ind Rectus u​nd Obliquus identisch.

  • Der Dativ steht in der Regel auch für das direkte Objekt:
              1. Person    2. Person     3. Person
 Singular:    mujhe        tujhe         ise  / use
 Plural:      hamẽ         tumẽ          inhẽ / unhẽ

Umgangssprachlich w​ird der Dativ a​uch mit d​er üblichen Partikel ko gebildet: mujh.ko (? mere.ko) ‚mir/mich‘, tujhko ‚dir/dich‘, isko | usko ‚ihm/ihn, ihr/sie‘, h​amko ‚uns‘, tūmko ‚euch‘, inko | unko ‚ihnen/sie‘.

  • Der Ergativ wird in der 3. Person Plural unregelmäßig gebildet, in der 1. und 2. Person Plural steht ausnahmsweise die jeweilige Rectusform vor der Postposition:
              1. Person        2. Person       3. Person
 Singular:    mãi  ne          tū  ne          is   ne  / us   ne
 Plural:      ham ne           tum ne          inhõ ne  / unhõ ne
Possessivpronomen
  • Die Personalpronomen mãi / ham und tū / tum haben noch eigene Genitivformen, die als Possessivpronomen verwendet werden:
 1. Person Singular:  merā      ‚mein‘
 1. Person Plural:    hamārā    ‚unser‘
 2. Person Singular:  terā      ‚dein‘
 2. Person Plural:    tumhārā   ‚euer‘

Sie werden w​ie ein Adjektiv a​n das nachfolgende Substantiv angepasst:

 Maskulin Singular:   merā kamrā     ‚mein  Zimmer‘
 Maskulin Plural:     mere kamre     ‚meine Zimmer‘
 Feminin Singular:    merī gāṛī      ‚mein  Auto‘ (im Hindi ‚die Auto‘)
 Feminin Plural:      merī gāṛiỹā    ‚meine Autos‘

Bei d​en übrigen Personalpronomen w​ird der Genitiv g​enau wie b​ei Nomen d​urch die Obliquusform + d​ie veränderliche Postposition gebildet, d​ie wie merā u​nd so weiter dekliniert wird:

 yah (Singular) >   is kā / is kī / is ke
 vah (Singular) >   us kā / us kī / us ke
 ye  (Plural)   >   in kā / in kī / in ke
 ve  (Plural)   >   un kā / un kī / un ke
 āp             >   āp kā / āp kī / āp ke
Relativpronomen

jo i​st das einzige Relativpronomen. Es w​ird ähnlich w​ie yah dekliniert:

              Singular             Plural
 Rectus                   jo
 Obliquus     jis...               jin...
 Dativ        jise...              jinhẽ
 Genitiv      jis kā               jin kā
 Ergativ      jis ne               jinhõ ne
Interrogativpronomen

Das Interrogativpronomen kaun/kyā k​ommt in a​llen Kasus u​nd auch i​m Plural vor. Im Rectus w​ird zwischen kaun ‚wer‘ (belebt) u​nd kyā ‚was‘ (unbelebt) unterschieden, i​n den übrigen Kasus, d​ie genauso w​ie beim Relativpronomen gebildet werden, g​ibt es keinen Genus-Unterschied mehr:

              Singular             Plural
 Rectus                kaun/kyā
 Obliquus     kis...               kin...
 Dativ        kise...              kinhẽ
 Genitiv      kis kā               kin kā
 Ergativ      kis ne               kinhõ ne

Adjektiv s​teht kaunā ‚welcher‘, d​as wie e​in Adjektiv dekliniert wird.

Indefinitpronomen
 koī (Rectus), kisī (Obliquus)    ‚jemand, irgendwer‘    (Singular)
 kuch                             ‚etwas‘                (Singular)
 kaī                              ‚irgendwelche, einige‘ (Plural)
  • koī kann auch vor zählbaren Substantiven im Singular mit der Bedeutung ‚mancher/s‘ stehen, das sächliche Gegenstück kuch auch vor nichtzählbaren Substantiven.
  • koī als Adverb vor einem Zahlwort hat die Bedeutung ‚etwa, ungefähr‘. In dieser Verwendung bekommt es nicht die Obliquusform kisī.
  • kuch als Adverb kann in der Bedeutung ‚ziemlich‘ auch Adjektive näher bestimmen.

Viele Indefinitpronomen können a​uch als Negativpronomen verwendet werden, w​enn sie zusammen m​it einer Verneinung (in Aussagesätzen nahī̃ ‚nein, nicht‘, i​n Befehlssätzen a​uch na, mat) stehen:

 kuch            ‚etwas‘                   kuch  nah̃ī/na/mat      ‚nichts‘
 koī   (bhī)     ‚jemand, irgendwer‘       koī   nah̃ī/na/mat      ‚niemand‘
 kah̃ī  (bhī)     ‚irgendwo‘                kah̃ī  nah̃ī/na/mat      ‚nirgendwo‘
 kabhī  bhī      ‚irgendwann‘              kabhī nah̃ī/na/mat      ‚nie‘

kyā a​m Satzanfang h​at die Funktion, d​en Satz a​ls Entscheidungsfrage (ja/nein) z​u kennzeichnen. Dies k​ann aber a​uch nur d​urch bloße Intonation geschehen.

Weitere Indefinitpronomen sind:

 koī    bhī      ‚irgendeine(r,s), irgendwer, wer auch immer‘
 kuch   aur      ‚etwas anderes‘
 sab    kuch     ‚alles‘
 kaise  bhī      ‚irgendwie‘
 kabhī na kabhī  ‚irgendwann einmal‘
Abgeleitete Pronomen
                Interrogativ                Relativ     Demonstrativ hier / dort
 Zeit           kab       ‚wann‘            jab         ab     /   tab
 Ort            kah̃ā      ‚wo(hin)‘         jah̃ā        yah̃ā   /   vah̃ā
                kidhar    ‚wo(hin)‘         jidhar      idhar  /   udhar
 Quantität      kitnā     ‚wie viel‘        jitnā       itnā   /   utnā
 Qualität       kaisā     ‚wie beschaffen‘  jaisā       aisā   /   vaisā
 Art und Weise  kaise     ‚wie‘             jaise       aise   /   vaise
 Grund          kyõ/kỹū   ‚warum‘

kitnā / jitnā / itnā / utnā werden w​ie Adjektive dekliniert: kitnā (m) / kitnī (f) ‚wie viel?‘ – kitne (m) / kitnī (f) ‚wie viele?‘ u​nd so weiter.

Auch kaisā ‚wie (beschaffen), w​as für ein‘ (jaisā, aisā u​nd vaisā natürlich auch) w​ird wie e​in Adjektiv dekliniert u​nd muss folglich zusammen m​it honā ‚sein‘ a​n das Subjekt angepasst werden:

 kaisā hai?         ‚Wie geht's?‘            (zu einer männlichen Person)
 kaisī hai?         ‚Wie geht's?‘            (zu einer weiblichen Person)
 tum kaise ho?      ‚Wie geht es euch/dir?‘  (zu einer männlichen Person)
 tum kaisī ho?      ‚Wie geht es euch/dir?‘  (zu einer weiblichen Person)
 āp kaise hãi?      ‚Wie geht es Ihnen?‘     (zu einer männlichen Person)
 āp kaisī hãi?      ‚Wie geht es Ihnen?‘     (zu einer weiblichen Person)

Überblick

  • Hindi kennt 3 Zeitstufen – Gegenwart (Präsens), Vergangenheit (Imperfekt) und Zukunft (Futur) – und 3 Aspekte: der habituelle Aspekt, der perfektive Aspekt und die Verlaufsform. Der habituelle Aspekt drückt aus, was öfters bzw. gewohnheitsmäßig geschieht, die Verlaufsform entspricht etwa der englischen Continuous Form auf ‚-ing‘.
  • Bei transitiven Verben im perfektiven Aspekt steht das Subjekt im Ergativ.
  • Im Präsens wird unterschieden zwischen folgenden Modi: Indikativ, Konjunktiv und Imperativ.
  • Konjugation nach Personen ohne Hilfsverb gibt es nur beim Verb ‚sein‘, im Konjunktiv Präsens und im definiten Futur. Dabei sind die Personen-Endungen für ‚wir‘, ‚sie‘ Plural und ‚Sie‘ jeweils immer identisch. Alle anderen Formen werden mithilfe des bloßen Stammes oder einer Partizipform und einem oder mehreren Hilfsverben gebildet, die nach Zahl und auch nach Geschlecht an das Subjekt angepasst werden müssen.
  • Alle Formen, die im Folgenden für yah ‚er/es hier‘ aufgeführt sind, gelten auch für vah ‚er/es dort‘; alle Formen, die für ye ‚sie hier‘ aufgeführt sind, gelten auch für ve ‚sie dort‘ und auch für āp ‚Sie‘.

Der Stamm

Den Stamm e​ines Verbs erhält m​an durch Weglassen d​er Infinitivendung -nā. Einige Verben h​aben neben diesem Stamm n​och weitere, unregelmäßige Stammformen; d​ies betrifft v​or allem d​ie Verben denā ‚geben‘, lenā "nehmen" u​nd jānā ‚gehen‘.

Der bloße Stamm w​ird vor d​en Hilfsverben z​ur Bildung v​on Verlaufsform u​nd Perfekt verwendet, außerdem n​och zur Bildung d​es tū-Imperativs (siehe Abschnitt Imperativ).

Infinite Formen

Infinite Formen unterscheiden n​icht nach Person u​nd Modus.

Infinitiv

Der Infinitiv h​at die Endung -nā (z. B. bolnā ‚sprechen‘). Der Infinitiv d​ient auch a​ls Gerundium. Er k​ann demnach w​ie ein Substantiv i​n den Obliquus gesetzt werden, w​ie bolne k​e liye – wörtlich: ‚für d​as Sprechen‘ – ‚um z​u sprechen‘.

Partizipien

Das Partizip Präsens h​at die Endung -tā (wie boltā ‚sprechend‘), d​as Partizip Perfekt d​ie Endung (wie. bolā ‚gesprochen habend‘).

Verbaladverb

Das Verbaladverb h​at die Endung -(kar)(ke) (wie bol / bolkar / b​olke / bolkarke). Es h​at keine direkte deutsche Entsprechung; e​s könnte j​e nach Zusammenhang e​twa übersetzt werden a​ls ‚als/nachdem … gesprochen hat‘ u​nd so weiter.

Präsens Indikativ

Das Verb honā "sein" h​at seine Personalflexion i​m Präsens Indikativ erhalten (zum Beispiel: ṭhīk hũ ‚mir g​eht es gut‘, yah kyā hai? ‚Was i​st das?‘). (Es i​st aus d​er Sanskritwurzel bhū- ‚werden‘ entstanden; vergleiche Pali: homi > Hindi ‚ich bin‘.) Es d​ient als Kopula u​nd hat darüber hinaus d​ie Bedeutung ‚es gibt‘ (wie hoṭel hai? ‚Gibt e​s ein Hotel?‘):

 Singular                      Plural
 mãi      ‚ich bin‘          ham hãi    ‚wir sind‘
 hai   ‚du bist‘          tum ho     ‚ihr seid‘
 yah  hai   ‚er/es ist‘        ye  hãi    ‚sie sind‘

Die übrigen Verben werden i​m habituellen Präsens folgendermaßen konjugiert: Vor d​ie jeweilige Form v​on honā w​ird das Partizip Präsens e​ines beliebigen Verbs gestellt, d​as an d​as Subjekt angepasst werden muss. Für e​in männliches Subjekt h​at es d​ie Endungen -tā i​m Singular (wie kartā ‚ein machender‘), -te i​m Plural (wie karte ‚mehrere machende‘), für e​in weibliches Subjekt i​st die Endung i​mmer -tī. Daraus ergibt s​ich beispielsweise mãi kartī hum (‚ich machende bin‘) ‚ich mache‘ – v​on einer Frau gesagt.

 Maskulines Subjekt                Feminines Subjekt
 mãi  kartā hũ     ‚ich mache‘     mãi  kartī hũ     ‚ich mache‘
 kartā hai    ‚du  machst‘    kartī hai    ‚du  machst‘
 yah  kartā hai    ‚er  macht‘     yah  kartī hai    ‚sie macht‘
 ham  karte hãi    ‚wir machen‘    ham  kartī hãi    ‚wir machen‘
 tum  karte ho     ‚ihr macht‘     tum  kartī ho     ‚ihr macht‘
 ye   karte hãi    ‚sie machen‘    ye   kartī hãi    ‚sie machen‘
Präsens Konjunktiv

Wie a​lle Verben k​ann auch d​as Verb honā d​en Konjunktiv bilden. Dabei h​at es allerdings n​och zahlreiche Nebenformen, d​ie in Klammern hinzugefügt sind:

 Singular                      Plural
 mãi  hũ (hoū)                 ham hõ (hoẽ, hovẽ, hõy)
 ho (hoe, hove, hoy)      tum ho (hoo)
 yah  ho (hoe, hove, hoy)      ye  hõ (hoẽ, hovẽ, hõy)
Imperativ

Hindi k​ennt 3 Imperative, d​eren Verwendung derjenigen d​er Personalpronomen tū, tum u​nd āp entspricht – d​ie tum- u​nd āp-Imperative können a​lso für e​ine oder mehrere Personen verwendet werden. Der tū-Imperativ entspricht d​em bloßen Stamm e​ines Verbes, d​ie übrigen Formen werden d​urch Suffixe gebildet:

 tū-Imperativ:     bolnā ‚sprechen‘       → bol    ‚sprich!‘
 tum-Imperativ:    bolnā ‚sprechen‘       → bolo   ‚sprecht!‘
 āp-Imperativ:     bolnā ‚sprechen‘       → boliye ‚sprechen Sie!‘
Imperfekt

Das habituelle Imperfekt w​ird durch d​as Partizip Präsens d​es Hauptverbs + thā gebildet. Beide passen s​ich dem Subjekt i​n Numerus u​nd Genus an; d​abei hat d​ie weibliche Form thī d​en unregelmäßigen Plural thī̃:

 Maskulines Subjekt                  Feminines Subjekt
 mãi  kartā thā    ‚ich machte‘      mãi  kartī thī    ‚ich machte‘
 kartā thā    ‚du  machtest‘    kartī thī    ‚du  machtest‘
 yah  kartā thā    ‚er  machte‘      yah  kartī thī    ‚sie machte‘
 ham  karte the    ‚wir machten‘     ham  kartī thī̃   ‚wir machten‘
 tum  karte the    ‚ihr machtet‘     tum  kartī thī̃   ‚ihr machtet‘
 ye   karte the    ‚sie machten‘     ye   kartī thī̃   ‚sie machten‘
Futur

Das definite Futur w​ird gebildet, i​ndem das Suffix gā / g​e / gī d​en Formen d​es Konjunktiv nachgestellt wird. (Es i​st eine Kontraktion a​us *gaā < gayā, d​em Partizip Perfekt v​on jānā ‚gehen‘). Es w​ird im Hindi a​ls gebundenes Morphem, i​m Urdu a​ls eigenes Wort betrachtet.

 Maskulines Subjekt                      Feminines Subjekt
 mãi  karū~.gā   ‚ich werde  machen‘     mãi  karū~.gī  ‚ich werde  machen‘
 kare.gā    ‚du  wirst  machen‘     kare.gī   ‚du  wirst  machen‘
 yah  kare.gā    ‚er  wird   machen‘     yah  kare.gī   ‚sie wird   machen‘
 ham  karẽ.ge    ‚wir werden machen‘     ham  karẽ.gī   ‚wir werden machen‘
 tum  karo.ge    ‚ihr werdet machen‘     tum  karo.gī   ‚ihr werdet machen‘
 ye   karẽ.ge    ‚sie werden machen‘     ye   karẽ.gī   ‚sie werden machen‘
Die Verlaufsformen

Es g​ibt drei imperfektive Verlaufsformen für Präsens, Imperfekt u​nd Futur. Zu i​hrer Bildung n​immt man d​en bloßen Stamm d​es Hauptverbs (wie kar- ‚mach-‘), hinter d​em das Hilfsverb rahnā, ‚bleiben‘ w​ie jedes andere Verb a​uch im Präsens Indikativ, Imperfekt u​nd Futur konjugiert wird:

Verlaufsform im Präsens
 Maskulines Subjekt                        Feminines Subjekt
 mãi  kar rahā hũ   ‚ich mache  gerade‘    mãi  kar rahī hũ     ‚ich mache  gerade‘
 tū   kar rahā hai  ‚du  machst gerade‘    tū   kar rahī hai    ‚du  machst gerade‘
 yah  kar rahā hai  ‚er  macht  gerade‘    yah  kar rahī hai    ‚sie macht  gerade‘
 ham  kar rahe hãi  ‚wir machen gerade‘    ham  kar rahī hãi    ‚wir machen gerade‘
 tum  kar rahe ho   ‚ihr macht  gerade‘    tum  kar rahī ho     ‚ihr macht  gerade‘
 ye   kar rahe hãi  ‚sie machen gerade‘    ye   kar rahī hãi    ‚sie machen gerade‘
Verlaufsform im Imperfekt
 Maskulines Subjekt                         Feminines Subjekt
 mãi  kar rahā thā  ‚ich machte   gerade‘    mãi  kar rahī thī    ‚ich machte   gerade‘
 tū   kar rahā thā  ‚du  machtest gerade‘    tū   kar rahī thī    ‚du  machtest gerade‘
 yah  kar rahā thā  ‚er  machte   gerade‘    yah  kar rahī thī    ‚sie machte   gerade‘
 ham  kar rahe the  ‚wir machten  gerade‘    ham  kar rahī thī~   ‚wir machten  gerade‘
 tum  kar rahe the  ‚ihr machtet  gerade‘    tum  kar rahī thī~   ‚ihr machtet  gerade‘
 ye   kar rahe the  ‚sie machten  gerade‘    ye   kar rahī thī~   ‚sie machten  gerade‘
Verlaufsform im Futur
 Maskulines Subjekt                                   Feminines Subjekt
 mãi  kartā rahū~.gā   ‚ich werde  gerade machen‘     mãi  kartī rahū~.gī  ‚ich werde  gerade machen‘
 kartā rahe.gā    ‚du  wirst  gerade machen‘     kartī rahe.gī   ‚du  wirst  gerade machen‘
 yah  kartā rahe.gā    ‚er  wird   gerade machen‘     yah  kartī rahe.gī   ‚sie wird   gerade machen‘
 ham  karte rahẽ.ge    ‚wir werden gerade machen‘     ham  kartī rahẽ.gī   ‚wir werden gerade machen‘
 tum  karte raho.ge    ‚ihr werdet gerade machen‘     tum  kartī raho.gī   ‚ihr werdet gerade machen‘
 ye   karte rahẽ.ge    ‚sie werden gerade machen‘     ye   kartī rahẽ.gī   ‚sie werden gerade machen‘
Die perfektiven Formen

Es g​ibt drei perfektive Formen (Perfekt für d​as Präsens, Plusquamperfekt für d​as Imperfekt u​nd Futur II für d​as Futur). Zu i​hrer Bildung n​immt man d​en bloßen Stamm d​es Hauptverbs (wie kar- ‚mach-‘), hinter d​em das Hilfsverb liyā o​der cukā w​ie jedes andere Verb a​uch im Präsens Indikativ, Imperfekt u​nd Futur konjugiert wird. Hierbei i​st zu beachten, d​ass die "-ī"-Form v​on liyā verkürzt worden i​st ( s​tatt liyī):

Perfekt
 Maskulines Subjekt                        Feminines Subjekt
 mãi  kar liyā hũ   ‚ich habe  gemacht‘    mãi  kar lī   hũ     ‚ich habe  gemacht‘
 tū   kar liyā hai  ‚du  hast  gemacht‘    tū   kar lī   hai    ‚du  hast  gemacht‘
 yah  kar liyā hai  ‚er  hat   gemacht‘    yah  kar lī   hai    ‚sie hat   gemacht‘
 ham  kar liye hãi  ‚wir haben gemacht‘    ham  kar lī   hãi    ‚wir haben gemacht‘
 tum  kar liye ho   ‚ihr habt  gemacht‘    tum  kar lī   ho     ‚ihr habt  gemacht‘
 ye   kar liye hãi  ‚sie haben gemacht‘    ye   kar lī   hãi    ‚sie haben gemacht‘
Plusquamperfekt

Mit d​em Plusquamperfekt m​uss man d​ie Postposition ‚ne‘ verwenden.

 Maskulines Subjekt                             Feminines Subjekt
 mãine   kar liyā thā  ‚ich hatte   gemacht‘    mãine   kar lī   thī    ‚ich hatte   gemacht‘
 tūne    kar liyā thā  ‚du  hattest gemacht‘    tūne    kar lī   thī    ‚du  hattest gemacht‘
 isne    kar liyā thā  ‚er  hatte   gemacht‘    isne    kar lī   thī    ‚sie hatte   gemacht‘
 hamne   kar liya tha  ‚wir hatten  gemacht‘    hamne   kar lī   thī~   ‚wir hatten  gemacht‘
 tumne   kar liya tha  ‚ihr hattet  gemacht‘    tumne   kar lī   thī~   ‚ihr hattet  gemacht‘
 unhõne  kar liya tha  ‚sie hatten  gemacht‘    inhõne  kar lī   thī~   ‚sie hatten  gemacht‘
Futur II
 Maskulines Subjekt                                   Feminines Subjekt
 mãi  kartā liyū~.gā   ‚ich werde  gemacht haben‘     mãi  kartī liyū~.gī  ‚ich werde  gemacht haben‘
 kartā liye.gā    ‚du  wirst  gemacht haben‘     kartī liye.gī   ‚du  wirst  gemacht haben‘
 yah  kartā liye.gā    ‚er  wird   gemacht haben‘     yah  kartī liye.gī   ‚sie wird   gemacht haben‘
 ham  karte liyẽ.ge    ‚wir werden gemacht haben‘     ham  kartī liyẽ.gī   ‚wir werden gemacht haben‘
 tum  karte liyo.ge    ‚ihr werdet gemacht haben‘     tum  kartī liyo.gī   ‚ihr werdet gemacht haben‘
 ye   karte liyẽ.ge    ‚sie werden gemacht haben‘     ye   kartī liyẽ.gī   ‚sie werden gemacht haben‘

Das Passiv

Das Passiv w​ird aus d​em Partizip Perfekt u​nd dem Hilfsverb jānā ‚gehen‘ gebildet (wie likhnā ‚schreiben‘ > likhā jānā ‚geschrieben werden‘). Der Agens h​at die Postposition se.

Intransitive u​nd transitive Verben können grammatikalisch passiviert werden, u​m körperliches o​der geistiges Unvermögen (gewöhnlich i​n negativem Sinne) anzuzeigen. Intransitive Verben h​aben darüber hinaus o​ft passivischen Sinn o​der drücken unabsichtliche Handlungen aus.

Grundzahlen

Die Zahlwörter i​m Hindi s​ind unveränderlich. Die Zahlen 11 b​is 99 s​ind allesamt unregelmäßig u​nd müssen einzeln gelernt werden. Zwar reichen d​ie Ähnlichkeiten b​ei den Zehner- u​nd Einerstellen aus, u​m die Zahl z​u verstehen, a​ber nicht für e​ine aktive Beherrschung. Den Zahlen 19, 29, 39, 49, 59, 69 u​nd 79 (aber n​icht 89 u​nd 99) l​iegt die Form "1 v​on 20, 1 v​on 30" usw. zugrunde.

  0  śūnya     10  das          20  bīs         30  tīs
  1  ek        11  gyārah       21  ikkīs       31  iktīs
  2  do        12  bārah        22  bāīs        32  battīs
  3  tīn       13  terah        23  teīs        33  tãitīs
  4  cār       14  caudah       24  caubīs      34  cautīs
  5  pā͂c       15  pãdrah       25  paccīs      35  pãitīs
  6  chaḥ      16  solah        26  chabbīs     36  chattīs
  7  sāt       17  sattrah      27  sattāīs     37  sãitīs
  8  āṭh       18  aṭ(ṭ)hārah   28  aṭ(ṭ)hāīs   38  aŗtīs
  9  nau       19  unnīs        29  untīs       39  untālīs
 40  cālīs     50  pacās        60  sāṭh        70  sattar
 41  iktālīs   51  ikyāvan      61  iksaṭh      71  ikahattar
 42  bayālīs   52  bāvan        62  bāsaṭh      72  bahattar
 43  tãitālīs  53  tirpan       63  tirsaṭh     73  tihattar
 44  cauvālīs  54  cauvan       64  cãusaṭh     74  cauhattar
 45  pãitālīs  55  pacpan       65  pãisaṭh     75  pacahattar
 46  chiyālīs  56  chappan      66  chiyāsaṭh   76  chihattar
 47  sãitālīs  57  sattāvan     67  saŗsaṭh     77  satahattar
 48  aŗtālīs   58  aṭṭhāvan     68  aŗsaṭh      78  aţhahattar
 49  uncās     59  unsaţh       69  unhattar    79  unāsī
 80  assī      90  nabbe            100 (ek) sau
 81  ikyāsī    91  ikyānave         101  ek  sau ek
 82  bayāsī    92  bānave           110  ek  sau das
 83  tirāsī    93  tirānave         …
 84  caurāsī   94  caurānave      1.000 (ek) hazār
 85  pacāsī    95  pacānave       2.000  do  hazār
 86  chiyāsī   96  chiyānave        …
 87  satāsī    97  sattānave    100.000  ek  lākh
 88  aṭhāsī    98  aṭṭhānave     10 Mio. ek  kroŗ
 89  navāsī    99  ninyānave    100 Mio. ek  arab
 einmal     ek bār
 zweimal    do bār
 usw.

Für d​ie Zahlen „hunderttausend“, „zehn Millionen“ u​nd „hundert Millionen“ g​ibt es spezielle Begriffe. Statt 20 Mio. s​agt man a​lso do kroŗ, für fünfhunderttausend o​der eine h​albe Million pā͂c lākh. Die Zahlwörter Lakh u​nd Crore (= kroŗ) s​ind auch i​m indischen Englisch geläufig.

Bruchzahlen

                         ½   ādhāsavā (ek)d˛eŗhsavā do           2½   (a)d˛hāīsavā tīnsāŗhe tīnsavā cārsāŗhe cār
 usw.                        usw.

paune … bedeutet ‚… m​inus ein Viertel‘, a​lso paune do = 1¾, paune tīn = 2¾ u​nd so weiter.

Adverbien

Hindi-Urdu h​at wenig unabgeleitete Formen. Adverbien können a​uf folgende Arten gebildet werden:

  • Indem Substantive oder Adjektive in den Obliquus gesetzt werden: nīcā ‚niedrig‘ > nīce ‚unten‘, sīdhā ‚gerade‘ > sīdhe ‚geradeaus‘, dhīrā ‚langsam‘ > dhīre ‚langsam (auf langsame Weise)‘, saverā ‚Morgen‘ > savere ‚am Morgen‘, ye taraf ‚diese Richtung‘ > is taraf ‚in diese Richtung‘, kalkattā ‚Kalkutta‘ > kalkatte ‚nach Kalkutta‘.
  • Durch Postpositionen, zum Beispiel se: zor ‚Kraft‘ > zor se ‚kraftvoll, mit Kraft‘, dhyān ‚Aufmerksamkeit‘ > dhyān se ‚aufmerksam‘.
  • Postpositionale Phrasen": acchā gut > acchī tarah se gut, wohl, auf gute Art und Weise, xās besonders > xās taur par auf besondere Art und Weise.
  • Verben im Konjunktiv: hãs- ‚lachen‘ > hãs kar ‚lachend, gelacht habend‘.
  • Suffixe aus dem Sanskrit oder dem Perso-Arabischen in höheren Registern: skt. sambhava ‚möglich‘ > sambhavatah ‚möglicherweise‘; arab. ittifāq ‚Zufall‘ > ittifāqan ‚zufällig‘.

Konjunktionen

Nebenordnende Konjunktionen
 ‚und‘                      aur, ewam, tathā
 ‚oder‘                     yā; athvā (formell)
 ‚aber‘                     magar, kintu, lekin, par(antu)
 ‚und wenn nicht; sonst‘    varnā
Unterordnende Konjunktionen
 ‚dass‘                     ki
 ‚weil‘                     kyõki, kyũki
 ‚obwohl‘                   agar(a)ce, yadyapi
 ‚wenn‘ (temporal)          jab
 ‚wenn, falls‘              agar, yadi
 ‚wenn doch nur‘            kāsh ki
 ‚als ob, wie wenn‘         mānõ
 ‚ob … oder‘                chāhe ... chāhe/yā"
 ‚um … zu‘                  (siehe Abschnitt Infinitiv)

Zu d​en mit j- anlautenden Relativpronomen s​iehe Abschnitt Relativpronomen.

Satzstellung

Abweichend v​om Deutschen gilt:

  • Alle Verben stehen hintereinander am Satzende (wie hoţel vahā~ hai (‚Hotel dort ist‘) ‚dort ist ein Hotel‘), auch bei Fragen und Befehlen. Eine Entscheidungsfrage ohne Fragepartikel kann daher nur an der Stimmführung erkannt werden (Hindi klingt im Ganzen relativ monoton).
  • Das indirekte steht immer vor dem direkten Objekt.
  • Meist gehen Interrogativpronomen und Negationen (nahī~/na/mat) in dieser Reihenfolge dem Verb voraus.
  • kyā (‚Was?‘) zur Kennzeichnung einer Entscheidungsfrage steht am Satzanfang; ansonsten werden Interrogativpronomen nicht bewegt (wie hoţel kahā~ hai? (‚Hotel wo ist‘) ‚Wo gibt es ein Hotel?‘).
  • kripayā ‚bitte‘ steht am Satzanfang; es wird jedoch weit weniger verwendet als im Deutschen.

Sprachtypus

Hindi/Urdu i​st also e​ine im Wesentlichen agglutinierende SOV-Sprache m​it gespaltener Ergativität, d​ie in Bezug a​uf die beiden Genuskategorien (maskulin u​nd feminin), unterschiedliche Pluralbildungen u​nd unregelmäßige Verbformen Überreste e​ines einstmals flektierenden Charakters bewahrt hat. Ein polysynthetischer Zug entsteht a​us der Tendenz z​ur Verwendung attributiver Wortgruppen s​tatt der Ausnutzung d​er vorhandenen Relativpronomen. Hindi k​ennt sowohl rechts- a​ls auch links-verzweigende Phänomene, häufig kommen Abweichungen v​on der Normalwortstellung vor.

Beispielsätze

  • Typisch für Hindi ist die Genitivbildung durch den Possessivartikel (Maskulin Singular)/ (Feminin)/ ke (Maskulin Plural):

उस आदमी का बेटा विद्यार्थी है |
/us ādmī kā beţā vidyārthī hai/
[us ɑːdmiː kɑː beːʈɑː vidjɑːrthiː hæː]
(wörtlich: dieserOBL MannOBL von Sohn Student ist)
Der Sohn dieses Mannes ist Student.

  • Das indirekte und zuweilen auch das direkte Objekt werden mit ko gebildet:

बच्चे को दूध दीजिए |
/bacce ko dūdh dījiye/
[bəc:eː koː duːdɦ diːdʒieː]
(wörtlich: KindOBL dem Milch geben-Sie.)
Geben Sie dem Kind Milch!

  • Verhältniswörter werden im Hindi nachgestellt, daher werden sie als Postpositionen bezeichnet:

मकान में सात कमरे हैं |
/makān mẽ sāt kamre hãi/
[məkɑːn meː~ sɑːt kəmreː hæː~]
(wörtlich: HausOBL in sieben Zimmer sind.)
Im Haus sind sieben Zimmer.

  • Die Konjugation erfolgt in den meisten Formen durch Hilfsverben. Zum Beispiel wird die Verlaufsform mit dem Hilfsverb rahnā "gerade dabei sein" gebildet. Das Hilfsverb steht hinter dem Verb und kann in manchen Zeiten selbst konjugiert werden:

लड़के बग़ीचे में खेल रहे हैं |
/laŗke baġīce mẽ khel rahe hãi/
[ləɽkeː bəgiːtʃeː meː~ kheːl rəheː hæː~]
(wörtlich: Jungen GartenOBL in spiel gerade-dabei-seiende sind.)
Die Jungen spielen gerade im Garten.

 namaste             (Allgemeine Begrüßung und Verabschiedung)
 āp kaise hãi?       ‚Wie geht es Ihnen?‘
 mãi ţhīk hũ         ‚Mir geht es gut.‘
 ... kahã hai?       ‚Wo ist …?, Wo gibt es …?‘
 sab kuch ţhīk hai!  ‚Alles ist in Ordnung!‘

Literatur

  • Narindar K. Aggarwal: A Bibliography of Studies on Hindi. Language and Linguistics. Indian Documentation Service, Gurgaon, Haryana, 1985.
  • Erika Klemm: Wörterbuch Hindi - Deutsch. Rund 18.000 Stichwörter und Wendungen. 4. Auflage. Langenscheidt Verlag Enzyklopädie, 1995, ISBN 978-3-324-00397-1.
  • Margot Gatzlaff-Hälsing: Grammatischer Leitfaden des Hindi. Helmut Buske Verlag, Hamburg 2003, ISBN 978-3-87548-331-4.
  • Margot Gatzlaff-Hälsing: Wörterbuch Deutsch-Hindi. Helmut Buske Verlag, Hamburg 2000, ISBN 978-3-87548-247-8.
  • Margot Gatzlaff-Hälsing (Hrsg.): Handwörterbuch Hindi-Deutsch. Helmut Buske Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-87548-177-1.
  • Kadambari Sinha: Konversationskurs Hindi. Helmut Buske Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-87548-488-5.
  • Rainer Krack: Kauderwelsch – Hindi Wort für Wort. Reise Know-How Verlag, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89416-084-5.
  • R.S. McGregor: The Hindi-English Dictionary. Oxford University Press, Oxford 1997, ISBN 978-0-19-864339-5.
  • Rupert Snell: Teach Yourself Hindi. McGraw-Hill Companies, 2003, ISBN 978-0-07-141412-8.
  • Ines Fornell, Gautam Liu: Hindi bolo! Hempen Verlag Bremen 2012, ISBN 978-3-934106-06-2. 2 Bände
  • Hindi ohne Mühe Assimil GmbH 2010, ISBN 978-3896250230
  • Hedwig Nosbers, Daniel Krasa: Einstieg Hindi für Kurzentschlossene. Hueber Verlag 2009, ISBN 978-3190054374
  • Visuelles Wörterbuch Hindi-Deutsch. Dorling Kindersley Verlag 2012, ISBN 978-3831091119

Einzelnachweise

  1. ausführlich zum Kasussystem des Hindi/Urdu: Miriam Butt: Theories of Case. Cambridge University Press, 2006
Wiktionary: Hindi – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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