Îles Lavezzi
Die Îles Lavezzi sind eine aus etwa 100 kleinen Inseln und Felsenriffen, meist aus Granit, bestehende Inselgruppe in der Straße von Bonifacio zwischen Korsika und Sardinien. Sie liegt etwa vier Kilometer vom korsischen Festland entfernt.
Îles Lavezzi | ||
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Gewässer | Straße von Bonifacio, Tyrrhenisches Meer | |
Geographische Lage | 41° 20′ N, 9° 15′ O | |
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Anzahl der Inseln | 6 | |
Hauptinsel | Île de Cavallo | |
Gesamte Landfläche | 2 km² | |
Einwohner | unbewohnt |
Beschreibung
Zur Gruppe gehören unter anderem die Inseln Île de Cavallo, Piana, Ratino, Poraggia und Perduto. Mit Ausnahme der Insel Cavallo gehört die Inselgruppe zum Gemeindegebiet von Bonifacio. Seit dem Jahr 1982 ist der Archipel und dessen Gewässer als französisches Naturschutzgebiet Réserve Naturelle des Bouches de Bonifacio deklariert. Nur die Inseln Lavezzi, Cavallo und Piana dürfen von Urlaubern betreten werden.
Das Gewirr von Riffen sowie von kleinen und großen Inseln, teilweise unter der Wasseroberfläche versteckt, ist für die Schifffahrt ein schwieriges Revier. Im Frühjahr, Herbst und Winter entstehen aufgrund starker Winde und Stürme oft starke Strömungen zwischen den Inseln und Riffen. Seit 1874 erleichtert ein auf einem Felsen der Pointe Becchi errichteter Leuchtturm das Navigieren der Schiffe.
Im Umfeld der Lavezzi-Inseln existiert eine seltene Fauna und Flora. So lassen sich zum Beispiel seltene Korallenmöwen und unter Wasser Seesterne, Gorgonien (Hornkorallen), Skorpionfische, Zackenbarsche und Schwärme von Thunfischen beobachten. Zur artenreichen Inselvegetation gehören auch duftende Wildkräuter wie Lorbeer, Myrte und Ginster, aber auch Thymian und Schopflavendel.[1]
Auf den Lavezzi-Inseln befindet sich der südlichste Punkt Frankreichs in Europa.
Der Schiffbruch der Sémillante
1855 fand hier das größte Schiffsunglück eines französischen Schiffes im Mittelmeer statt, der Schiffbruch der Fregatte Sémillante:
Der Dreimaster war eines der letzten aus Holz gebauten Segelschiffe. Er lief unter Napoléon III. am 14. Februar 1855 mit insgesamt 702 Mann,[2] darunter der Generalstab, 301 Matrosen der Besatzung und 392 Soldaten als Nachschub für den Krimkrieg an Bord aus Toulon aus. Aus Zeitgründen entschloss man sich, nicht den langen Schlag um Sardinen, sondern durch die Straße von Bonifacio zu segeln. Durch Sturm und starken Nebel sowie wahrscheinlich den Verlust des Steuerrades zerschellte das Schiff am 15. Februar an den Riffen der Lavezzi-Inseln. Am 16. Februar wurden erste Gegenstände wie Degen und Kleidungsstücke bei Bonifacio an Land geschwemmt; am 18. wurde der erste Ertrunkene eine Seemeile von der Unglücksstelle entfernt gesichtet. Bis zum 20. März wurden an den Küsten von Korsika und Sardinien insgesamt 592 Leichen geborgen. Für die Bestattung wurden zwei Friedhöfe angelegt, einer auf Lavezzi, der andere in Nordsardinien. Beide Friedhöfe werden noch immer gepflegt. Allein der Kommandant Jugnan konnte an seinen Insignien und einer Verformung eines Fußes identifiziert werden. Die anderen Opfer blieben verschollen. Auf der Hauptinsel Lavezzi wurde zu Ehren der Schiffbrüchigen ein Denkmal errichtet.
Durch einen der im Jahr 1866 unter dem Titel Lettres de mon moulin publizierten „Briefe“ machte der französische Schriftsteller Alphonse Daudet (1840–1897) den Schiffbruch der Sémillante weltbekannt.
Im Jahr 2000 ließ die Stadt Bonifacio eine Ehrentafel zur Erinnerung an das Ereignis enthüllen. Noch heute ehren die Korsen die Opfer alljährlich durch eine Gedenkfeier.
Literatur
- Roger Beveraggi: Un naufrage célèbre, La Sémillante. Imprimerie Trèfle, Paris 2004, ISBN 2-84871-626-6.
Weblinks
Einzelnachweise
- Réserve Naturelle des Bouches de Bonifacio (französisch)
- Angabe der Präfektur