Willi Nix

Willi Nix (* 14. Januar 1906 i​n Solingen; † 27. September 1988) w​ar ein deutscher angeblicher Arzt u​nd katholisch-konservativer Gegner d​es Nationalsozialismus.

Leben

Willy Nix w​uchs bei seinem Großvater väterlicherseits a​uf und w​ar nach Beendigung d​er Volksschule i​n der Landwirtschaft tätig. Die Zeit v​om 16. b​is zum 21. Lebensjahr verbrachte e​r in d​er Erziehungsanstalt Benninghof. Anschließend t​rat er i​n die KPD ein, für d​ie er b​is 1931 a​ktiv war. Nix f​and dann Anschluss a​n katholisch-konservativ-rechte Kreise u​nd konvertierte z​um Katholizismus.

In der ersten Hälfte der 1930er Jahre war Willi Nix in Hamm als Journalist tätig. Er wurde am 26. Juni 1935 von der Gestapo in Münster vernommen und war von 1935 bis 1937 im KZ Esterwegen inhaftiert.

1937 emigrierte e​r in d​ie Niederlande, später n​ach Österreich u​nd beim Anschluss Österreichs n​ach Rom. Hier g​ab er s​ich als Arzt aus. Seit 1941 w​ar Nix Hausarzt d​er Pallottiner u​nd Addolorata-Schwestern i​n Rom. Da e​r 1940 v​om Deutschen Reich ausgebürgert worden war, musste e​r sich b​ei der deutschen Besetzung Italiens i​m extraterritorialen Konvent d​er Addolorata-Schwestern verstecken. 1944 gehörte e​r neben d​em Regisseur Karl B. Todd, d​em Kunsthistoriker Wolfgang Fritz Volbach, d​em Kirchenhistoriker Karl Werth, d​em Priester Albert Münch (* 25. Februar 1905 i​n Mainz; † 1980), d​em Volkswirt Ludwig Muckermann, d​em Grafiker Rudolf Schott (* 1892 i​n Mainz), d​em Buchhändler Heinrich Ohlenmacher (* 12. Oktober 1900), Lebensgefährte v​on Dinah Nelken, d​em Journalisten u​nd Literaturkritiker Erich Stock, d​em Bildhauer Toni Fiedler (* 1899; † 1977) u​nd dem Journalisten Anton Marstaller z​u den Gründern d​er Deutschen Antinazistischen Vereinigung (DAV) i​n Rom. Einige Gründungsmitglieder w​aren längere Zeit i​m KZ Esterwegen u​nd im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Von 1944 b​is 1946 leitete Nix d​as Zentralbüro für Deutsche i​n Italien, e​ine nicht offizielle Institution.[1]

Bis Februar 1947 stellte das Zentralbüro für Deutsche in Italien Italien Ausweise als Kennkarte aus.[2] 1947 behauptete Vincent La Vista vom Counter Intelligence Corps in Rom in einem Bericht an das Außenministeriums der Vereinigten Staaten, bei Willi Nix handele es sich um einen bekannten Nazi-Schmuggler, der mit dem Wohlwollen des Vatikans gehandelt habe, er sei in den Vatikan mit den italienischen Behörden auf den Fersen geflohen.[3] Nix stellte 1984 nicht in Abrede, dass seine Organisation in den Nachkriegsjahren als Anlaufstelle für „Flüchtlinge jeder Rasse und Religion“ fungierte, die in Rom neue Ausweispapiere brauchten. Selbst die Alliierten hätten „lastwagenweise“ Flüchtlinge zur DAV gekarrt.[4] Im Archiv des Instituts für Zeitgeschichte befindet sich ein Bestand von Dokumenten von und zu Willi Nix, der bis 2018 gesperrt war.[5]

Veröffentlichungen

  • Die erste Tat. Die nationale Regierung verhindert die Stillegung der Zeche Sachsen. Hamm 1933
  • Verfall der Hochschulen im Dritten Reich. In: Deutsche Zukunft 1 (1934) Nr. 3 vom 4. August 1934, S. 6
  • Jugend in Revolution. In: Deutsche Zukunft 1 (1934) Nr. 8 vom 8. September 1934, S. 2
  • Der Arbeitsdienst als Weg zur neuen Volksgemeinschaft und zur neuen Hochschule. In: Westdeutsche Akademische Rundschau 4, 1934, Nr. 1, S. 5–6
  • Eredità e destino. In: La difesa della razza 3, Nr. 13, 5. Mai 1940, S. 14–16. Notizie

Einzelnachweise

  1. Heinz Boberach, Ingrid Schulze-Bidlingmaier, Quellen zur deutschen politischen Emigration 1933-1945. K. G. Saur, München 1994, S. 199.
  2. Ulrike Bachhofer, Anglea Achi: Pragmatischer Umgang mit Vergangenheit? Kirche und Fluchthilfe. In: Rainer Bendel (Hrsg.): Kirche der Sünder - sündige Kirche? Beispiele für den Umgang mit Schuld nach 1945 (= Beiträge zu Theologie, Kirche und Gesellschaft im 20. Jahrhundert Band 1). Lit, Münster 2002, S. 28.
  3. Vincent La Vista report on illegal immigration in and through Italy; Vatican denial In: The Association of Jewish Refugees Information 39, Nr. 4, April 1984, S. 4 links oben (Digitalisat).
  4. Tod in Rom, In: Der Spiegel, 6. Februar 1984.
  5. Stefan Heid, Michael Matheus: Orte der Zuflucht und personeller Netzwerke. Der Campo Santo Teutonico und der Vatikan 1933–1955. Herder, Freiburg 2015, ISBN 978-3-451-30930-4, S. 15.
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