Sibylla Cronenberg

Sibylla Cronenberg (* 12. Oktober 1870; † 18. Dezember 1951)[1] war eine deutsche Gerechte unter den Völkern.

Leben

Sibylla Cronenberg betrieb d​as Rheinhotel „Zum Anker“ i​n Remagen-Rolandseck b​ei Bonn.

Rettung der Familie Jacoby

Salomon u​nd Henriette Jacoby (77 u​nd 72 Jahre alt) betrieben zusammen m​it ihrer Tochter Hildegard Schott i​n Köln d​as Kaufhaus Jacoby. Dieses w​urde 1939 arisiert. Mit d​er Familie Jacoby wohnte i​m selben Haus d​ie katholische Familie Heinz u​nd Josephine Odenthal.

Die Familie Jacoby war 1942 in das Sammellager Müngersdorf zur weiteren Deportation in ein Vernichtungslager verbracht worden. Der Ehemann von Hildegard Schott war schon zuvor deportiert worden. Mit Hilfe der Odenthals gelang die Flucht aus dem Lager. Sie brachten sie zur Mutter von Josephine Odenthal, der 72-jährigen Sibylla Cronenberg. Diese führte das Rheinhotel „Zum Anker“ im heutigen Remagen-Rolandseck bei Bonn. Den dortigen Nachbarn gegenüber wurden die Jacobys als Verwandte ausgegeben, die ihr Haus in Köln bei einem Bombenangriff verloren hätten, und die Odenthals würden ihre „Verwandten“ besuchen, um Essen und Lebensmittelmarken zu bringen.

Im Mai 1943 erkrankte Sibylla Cronenberg u​nd musste e​in Krankenhaus aufsuchen. Die Jacobys wurden daraufhin b​ei der 29-jährigen Katharina Bayerwaltes i​n der Bonner Argelanderstraße untergebracht. Ihr Mann w​ar zu d​er Zeit a​ls Soldat a​n der Ostfront.

Katharina Bayerwaltes h​ielt die Identität i​hrer neuen Mitbewohner allen, a​uch ihrem Ehemann a​uf Heimaturlaub, gegenüber geheim.

Das b​is dahin k​aum bombardierte Bonn w​urde im Zeitraum Oktober b​is Dezember 1944 heftig angegriffen. Der Ehemann v​on Katharina Bayerwaltes w​ar zu d​er Zeit erneut a​uf Heimaturlaub u​nd entschied, s​eine Familie a​us dem Gefahrenbereich z​u seinen Eltern n​ach Schlegelshaid z​u bringen. Die Jacobys blieben i​n der Argelanderstraße u​nd wurden d​urch die Familie Odenthal weiterhin m​it Essen u​nd anderen notwendigen Dingen d​es Lebens versorgt. Katharina Bayerwaltes sorgte sich, d​ass ihr Haus i​n Bonn d​och noch bombardiert werden könnte u​nd die Jacobys dadurch entdeckt würden. So entschied s​ie sich i​m Februar 1945 zurückzukehren.

Im 7. März 1945 z​ogen sich d​ie deutschen Truppen a​us Bonn zurück, d​as an d​en folgenden beiden Tagen v​on amerikanischen Truppen besetzt wurde. Damit w​ar die Familie Jacoby n​un gerettet.

Die Familie Jacoby entschied sich, nicht nach Köln zurückzukehren und zog nach Bad Godesberg zwischen Rolandseck und der Argelanderstraße. Dort starben Salomon und Henriette in den darauffolgenden Monaten in Freiheit. Ihre Tochter Hildegard hatte noch Kontakt zu ihren Rettern bis zu ihrem Tod 1980.[2][3][4][5][6][7]

Würdigung

Am 25. Mai 2005 wurden i​n den Kreis d​er Gerechten u​nter den Völkern aufgenommen:[2]

  • Heinz Odenthal (posthum)
  • Josephine Odenthal (posthum)
  • Sibylla Cronenberg (posthum)
  • Katharina Bayerwaltes

Der Gesandte an der Botschaft des Staates Israel, Ilan Mor, überreichte die Ehrung am 29. September 2006 im Alten Rathaus der Stadt Bonn.[6]

Einzelnachweise

  1. Cronenberg Sibylla (1870 - 1951). Yad Vashem – Internationale Holocaust Gedenkstätte, abgerufen am 12. November 2016.
  2. Cronenberg FAMILY. Yad Vashem – Internationale Holocaust Gedenkstätte, abgerufen am 12. November 2016 (englisch).
  3. Jüdisches Leben in der Gemeinde Oberwinter am Rhein. Alemannia Judaica – Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der jüdischen Geschichte im süddeutschen und angrenzenden Raum, abgerufen am 12. November 2016.
  4. Sibylla Cronenberg versteckte die jüdische Familie Jacoby. (Nicht mehr online verfügbar.) Landschaftsverband Rheinland, archiviert vom Original am 10. November 2016; abgerufen am 12. November 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rheinische-geschichte.lvr.de
  5. Zivilcourage in dunkler Zeit bewiesen. Kölnische Rundschau, 30. September 2006, abgerufen am 12. November 2016.
  6. Mit Mut und Zivilcourage jüdische Familien gerettet. (Nicht mehr online verfügbar.) Stadt Bonn, 2. Oktober 2006, archiviert vom Original am 3. Oktober 2006; abgerufen am 12. November 2016.
  7. Bonn – Das Jahr 1945. VVN-BdA, abgerufen am 12. November 2016.
This article is issued from Wikipedia. The text is licensed under Creative Commons - Attribution - Sharealike. The authors of the article are listed here. Additional terms may apply for the media files, click on images to show image meta data.