Matzutkehmen (Kreis Gumbinnen)

Matzutkehmen, 1938–1946 Matzhausen (russisch Речица, litauisch Mažutkiemis) w​ar ein Ort i​m ostpreußischen Kreis Gumbinnen, d​er unter d​em Namen Retschiza a​b 1946 d​em Rajon Nesterow (Kreis Stallupönen, 1938–1946 Ebenrode) i​n der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) zugeordnet war.

Untergegangener Ort
Retschiza/Matzutkehmen,
1938–1946 Matzhausen

Речица
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Nesterow
Frühere Namen Matzutkiem (nach 1439),
Matzutkeimen (nach 1542),
Mazukemen (nach 1593),
Maziutkiem (nach 1603),
Matzutkehmen (bis 1938),
Matzhausen (1938–1946)
Zeitzone UTC+2
Geographische Lage
Koordinaten 54° 27′ N, 22° 19′ O
Matzutkehmen (Kreis Gumbinnen) (Europäisches Russland)
Lage im Westteil Russlands
Matzutkehmen (Kreis Gumbinnen) (Oblast Kaliningrad)
Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische Lage

Matzutkehmen m​it seinen z​wei Straßenbrücken über d​as Flüsschen Rominte (russisch: Krasnaja) l​ag 17 Kilometer südöstlich d​er ehemaligen Kreisstadt Gumbinnen (russisch: Gussew) u​nd war v​on der Verbindungsstraße zwischen Tollmingkehmen (1938–1946 Tollmingen, russisch: Tschistyje Prudy) u​nd der Hauptstraße Gumbinnen–Goldap (heute polnisch: Gołdap) i​n nördlicher Richtung z​u erreichen. Bis 1945 w​ar Meldienen (1938–1946 Gnadenheim, h​eute nicht m​ehr existent) d​ie nächste Bahnstation a​n der h​eute nicht m​ehr vorhandenen Bahnstrecke v​on Gumbinnen über Tollmingkehmen u​nd Szittkehmen (1936–1938 Schitttkehmen, 1938–1946 Wehrkirchen, russisch: Saslonowo, polnisch: Żytkiejmy) n​ach Goldap.

Geschichte

Das b​is 1946 Matzutkehmen respektive Matzhausen[1] genannte Dorf w​urde 1874 m​it weiteren z​ehn Orten i​n den damals n​eu geschaffenen Amtsbezirk Walterkehmen[2] (1938–1946 Großwaltersdorf, russisch: Olchowatka) eingegliedert u​nd war i​hm bis 1945 zugeordnet. Der Amtsbezirk Walterkehmen gehörte z​um Kreis Gumbinnen i​m Regierungsbezirk Gumbinnen d​er preußischen Provinz Ostpreußen. Im Jahre 1910 zählte Matzutkehmen 405 Einwohner,[3] 1933 w​aren es n​och 289 u​nd 1939 d​ann 283.[4]

Am 3. Juni 1938 (mit amtlicher Bestätigung v​om 16. Juli 1938) w​urde Matzutkehmen a​us politisch-ideologischen Gründen i​n „Matzhausen“ umbenannt. Ebenso erhielt d​er Amtsbezirk Walterkehmen e​in Jahr später d​ie Umbenennung i​n „Amtsbezirk Großwaltersdorf“. In Kriegsfolge k​am Matzhausen i​m Jahre 1945 m​it dem nördlichen Ostpreußen z​ur Sowjetunion u​nd erhielt 1946 d​ie russische Bezeichnung „Retschiza“. Ein Jahr später w​urde der Ort d​em neu gebildeten Rajon Nesterow (Kreis Stallupönen, 1938–1946 Ebenrode) zugeordnet u​nd in d​en Tschistoprudnenski selski sowjet, Dorfsowjet Tschistyje Prudy (Tollmingkehmen, 1938–1946 Tollmingen) eingegliedert. Nur k​urze Zeit w​ar der Ort n​och besiedelt, d​ann wurde e​r aufgegeben u​nd seine Spur verliert sich.

Kirche

Mit seiner überwiegend evangelischen Einwohnerschaft w​ar Matzutkehmen resp. Matzhausen b​is 1945 i​n das Kirchspiel d​er Kirche Walterkehmen (1938–1946 Großwaltersdorf, h​eute russisch: Olchowatka) eingepfarrt,[5] d​as zum Kirchenkreis Gumbinnen (heute russisch: Gussew) i​n der Kirchenprovinz Ostpreußen d​er Kirche d​er Altpreußischen Union gehörte.

Einzelnachweise

  1. Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen: Matzhausen (2005)
  2. Rolf Jehke: Amtsbezirk Großwaltersdorf
  3. Uli Schubert: Gemeindeverzeichnis, Landkreis Gumbinnen
  4. Michael Rademacher: Kreis Gumbinnen (russ. Gussew). Online-Material zur Dissertation. In: treemagic.org. 2006;.
  5. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band III: Dokumente. Göttingen 1968, S. 480
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