Konstantin Höhlbaum

Konstantin Johann Matthias Höhlbaum (* 26. Septemberjul. / 8. Oktober 1849greg.[1] i​n Reval; † 2. Mai 1904 i​n Gießen) w​ar Kölner Archivar, Historiker i​n Gießen u​nd Mitarbeiter d​es Hansischen Urkundenbuches.

Konstantin Höhlbaum

Leben

Höhlbaum promovierte 1873 a​ls Schüler v​on Georg Waitz i​n Göttingen m​it einer Arbeit z​ur livländischen Quellenkunde d​es 14. Jahrhunderts. Wegen seiner Kenntnisse i​n der Geschichte d​er Hanse w​urde er 1880 a​ls Nachfolger v​on Leonard Ennen z​um Stadtarchivar a​m Historischen Archiv d​er Stadt Köln berufen, w​o er b​is 1890 blieb. 1882 machte e​r sich u​m die Einrichtung d​er „Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde“ verdient; 1888 t​rug er maßgeblich z​ur Gründung d​es Kölnischen Stadtmuseums bei. Er redigierte d​ie „Mitteilungen a​us dem Stadtarchiv v​on Köln“ u​nd Teile d​es Hansischen Urkundenbuchs. Sein Opus magnum sollte 1886 d​ie Teiledition d​er Aufzeichnungen d​es Kölner Advokaten Hermann v​on Weinsberg (1518–1597) werden; abschließen konnte e​r es jedoch nicht, d​a er 1890 a​uf eine Professur n​ach Gießen berufen wurde, d​ie er b​is zu seinem Tode innehatte. 1889 w​urde er z​um korrespondierenden Mitglied d​er Göttinger Akademie d​er Wissenschaften gewählt.[2] Er gehörte d​em ersten Denkmalrat an, d​er aufgrund d​es 1902 i​m Großherzogtum Hessen erlassenen n​euen Denkmalschutzgesetzes, d​es ersten modernen Denkmalschutzgesetzes i​n Deutschland, zusammentrat.[3]

Wirken

Die Phase seiner Forschungsarbeit war auf die Quellen seiner baltischen Heimat gerichtet. Er versuchte, die in keiner Handschrift mehr überlieferte Reimchronik des Deutschordensbruders Bartholomäus Hoeneke zu rekonstruieren. Grundlage war die indirekte Überlieferung durch die Chronik des bremischen Notars und Historiographen Johann Renner, der etwa um 1583 verstarb. Höhlbaum hat diese Chronik nach der zweiten Redaktion von 1582 nach der Handschrift der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen Ms. a. 17 zusammen mit Richard Hausmann herausgegeben und dabei in der Einleitung ausführlich auf die darin enthaltene Quellenschrift des Bartholomäus Hoeneke verwiesen. Später wandte Höhlbaum sich der Hansischen und Kölnischen Geschichte zu. Wenn auch seine Rekonstruktion der Hoeneke-Chronik weitgehend spekulativ war und mit manchen Fragezeichen behaftet ist, war Höhlbaum ohne Zweifel mit der seinerzeit modernsten Methodik der Quellenkritik vertraut und hat sich große Verdienste um die Erschließung von Quellen des Spätmittelalters und des 16. Jahrhunderts erworben.

Schriften

  • „Joh. Renner's livländische Historien und die jüngere livländische Reimchronik“, Inaugural-Dissertation zur Erlangung der philosophischen Doctorwürde an der Universität Göttingen, von Johann Matthias Konstantin Höhlbaum, Göttingen 1872
  • „Die jüngere livländische Reimchronik des Bartholomäus Hoeneke“, Leipzig 1872
  • „Beiträge zur Quellenkunde Alt-Livlands“, Dorpat 1873
  • „Johann Renners Livländische Historien“, hg. v. Richard Hausmann und Konstantin Höhlbaum, Göttingen 1876
  • „Analecten zur preußischen Geschichte des 14. Jahrhunderts“, in: Altpreußische Monatsschrift 16 (1879), S. 301–313
  • „Die Annalen von Dünamünde“, in: Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 8 (1883), S. 612–615
  • „Handschriftliches zur Geschichte Kölns“, in: Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 9 (1884), S. 221–224
  • „Vicelin und seine Biographen“, in: Forschungen zur Deutschen Geschichte 17 (1877), S. 209–229
  • „Die zwölf Artikel des Bauern von 1525 niederdeutsch“, in: Forschungen zur Deutschen Geschichte 17 (1877), S. 345–351
  • „Hoeneke, Bartholomäus“, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 13, Leipzig 1881, S. 70.
  • „Aussagen und Urtheile über den Kölner Aufruhr von 1525“, in: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln 21 (1892), S. 45–64
  • „Das Buch Weinsberg. Kölner Denkwürdigkeiten aus dem 16. Jahrhundert“, Erster Band, bearb. von K. Höhlbaum (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 3) Leipzig 1886 (Nachdruck Düsseldorf 2000)
  • „Inventare hansischer Archive des 16. Jahrhunderts. 1. Kölner Inventar“, Bd. 1–2, Köln 1896–1903
  • „Der Kurverein von Rense i. J. 1338“, vorgelegt in der Sitzung vom 31. October 1903, Berlin: 1903 (Abhandlungen der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Philol.-hist. Klasse. N.F. 7,3)
  • „Regesten der Erzbischöfe von Mainz“, 1897

Literatur

  • Meyers Lexikon 7. Aufl., Bd. 5, Leipzig 1926, Sp. 1690
Wikisource: Konstantin Hoehlbaum – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Eintrag im Taufregister der Nikolaikirche zu Reval (estnisch: Tallinna Niguliste kirik)
  2. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 117.
  3. Bekanntmachung, die Bestellung des Denkmalrats betreffend vom 10. Februar 1903. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt – Beilage 4 vom 2. März 1903, S. 49f.
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