Hans Bastian II. von Zehmen

Hans Bastian II. v​on Zehmen (* 24. März 1629 a​uf Rittergut Neumühl; † 8. April 1702 a​uf Rittergut Markersdorf, Berga/Elster) w​ar ein sächsisch-naumburgischer Hof-, Justiz- u​nd Geheimer Rat s​owie Deputierter a​uf kursächsischen Landtagen i​n Dresden u​nd Direktor d​es Weiteren Ausschusses.

Bild Hans Bastian II von Zehmen

Leben und Wirken

Er studierte ab 1647 Jura an der Universität Jena, seine juristische Dissertation wurde 1654 in Jena veröffentlicht. Am 24. August 1657 wurde er Hof- und Justizrat von Herzog Moritz zu Sachsen-Zeitz in Naumburg. Im selben Jahr entsandte das Amt Weida im Neustädtischen Kreis Hans-Bastian von Zehmen als Deputierten auf dem Dresdner Landtag, wo er sich der Allgemeinen Ritterschaft vorstellte. Von 1661 bis 1666 vertrat er Herzog Moritz, den Statthalter der Ballei Thüringen[1] auf Lebenszeit, im Engeren Ausschuss[2] auf den Kursächsischen Landständeversammlungen und den Ausschusstagen.[3] Am 1. Januar 1662 wurde er Obersteuereinnehmer des Leipziger Kreises und am 2. April zum Hofmeister bei der Herzogin Dorothea Maria von Sachsen-Weimar berufen, auch wurde er im selben Jahr in den Palm-Orden[4] der Fruchtbringenden Gesellschaft als der „Hochberühmte“[5] aufgenommen.[6] 1671/1672 war Hans-Bastian v.Z. als Inhaber einer Minor-Präbende[7] des Erzstifts Magdeburg Domherr im dortigen Domkapitel in der Regierungszeit des Administrators Herzog August von Sachsen-Weißenfels.[8] Bereits am 28. Oktober 1666 bekam er außerdem den Posten des herzoglichen Hofmeisters in Naumburg/Zeitz. Die Stelle als Appellationsrat am herzoglichen Hof lehnte Hans Bastian jedoch ab. Ab dem 12. März 1671 war er Hauptmann des Neustädtischen Kreises und bezog am 26. Mai die Osterburg zu Weida. Beide Ämter hatte er bis 1686 inne, um sich danach auf sein Gut Markersdorf zurückzuziehen. Während seiner Tätigkeit in Weida hatte er auch engeren Kontakt zum Graf Heinrich I Reuß zu Obergreiz ältere Linie, Vater von Heinrich VI.[9] Als August der Starke vom 18. November 1694 bis zum 31. März 1695 seinen ersten Landtag abhielt,[10] fungierte Zehmen als Direktor der Weiteren Ausschusses. Diese Funktion hatte er auch auf dem Ausschusstag 1696 inne.[11] 1699 wird er als Kurfürstl. Sächs. Naumburg. Geheimer Rat[12] und 1702 als Kgl. Poln. Sächs. Geheimer Rat erwähnt.[13] Er rief die „Fabian-Sebastian-Stiftung“ für Bedürftige ins Leben, aus deren Zinsen bis 1945 sozial Schwache eine Zuwendung erhielten. Ferner stiftete er auf eigene Kosten 1657 den Bau der Kirche in Clodra, dem Ort wo er unter anderem seiner Kindheit verbracht hatte. Des Weiteren legte er in seinem Testament ein Legat für die Geistlichen und Armen in seinem erworbenen Rittergut Silbitz fest.[14]

Familie

Hans Bastian II. v​on Zehmen stammte a​us dem meißnisch-sächsischen Geschlecht d​er von Zehmen m​it dem gleichnamigen Stammhaus Zehmen, nördlich v​on Böhlen i​n Sachsen. Sein Vater w​ar Hans Bastian I. v​on Zehmen (1598–1638), Oberst d​es Leibregiments, d​er 1635 d​as Kommando über d​rei Regimenter erhielt u​nd 1636 Kommandant v​on Magdeburg wurde. Seine Mutter w​ar Maria Salome von Bottfeld (1600–1670). Er h​atte mehrere Geschwister, u​nter anderem Katharine Sophie, August u​nd Helene Dorothea. Verheiratet w​ar Hans Bastian II. m​it Magdalene Schicke (1648–1685/gestorben a​n den Blattern), vermählt a​m 24. November 1663 z​u Quetz. Am 18. Mai 1686 heiratete e​r Elisabeth Eleonore Schlegel (1656–1726). Insgesamt h​atte er 9 Kinder, u​nter anderem Johanne Marie, Mölbis, Hans Georg, Geheimer Rat i​n Dresden, Eleonore Sophie u​nd Elisabeth Christiane, b​eide begraben i​n Clodra, Johanne Marie, Hans Bastian III. v​on Zehmen (1691–1763), Hof-, Justiz- u​nd Appellations-Rat s​owie Moritz Christoph v​on Zehmen (1693–1765), Kammerherr u​nd Deputierter a​uf 9 Landtagen.

Literatur

  • H.M. von Zehmen: Genealogische Nachrichten über das Meißnische Uradelsgeschlecht von Zehmen, 1206 bis 1906. Dresden, Druck von Wilhelm Baensch, 1906.
  • Henriette Joseph, Haik Thomas Poroda: Das nördliche Vogtland um Greiz, Landschaften in Deutschland, Band 68, Böhlau Verlag GmbH & Cie., Köln, Weimar, Wien 2006, ISBN 978-3-412-09003-6, Erläuterungen zu Hans Bastian II. von Zehmen und die Fabian-Sebastian-Stiftung, S. 141

Einzelnachweise

  1. Karl Heinrich Ludwig Pöltiz: Die Regierung Augusts Friedrich von Sachsen, Verlag der J:C: Hinrichschen Buchhandlung, Leipzig 1830, S. 54, Informationen über die Ballei Thüringen
  2. Axel Flügel, Hrsg. Uwe Israel und Josef Matzerath: Anatomie einer Ritterkurie, Landtagsbesuch und Landtagskarrieren im kursächsischen Landtag (1694-1749), Studien und Schriften zur Geschichte der Sächsischen Landtage, Band 2, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2017, ISBN 978-3-7995-8461-6, S. 169
  3. Sächsisches Staatsarchiv: Lanstage, Ausschusstage, Deputationstage
  4. Philatelie: Sonderbriefmarke "400 Jahre Fruchtbringende Gesellschaft"
  5. Fruchtbringende Gesellschaft: Hans-Bastian von Zehmen
  6. Deutschlandfunk: Fruchtbringende Gesellschaft
  7. Landesarchiv Sachsen-Anhalt: H 40, Nr. 115 Überlassung der Minor-Präbende des Erzstifts Magdeburg von Hans-Bastian von Zehmen
  8. Erich Schwanneke: Die Wirkungen des Dreißigjährigen Krieges im Erzstift Magdeburg (Holzkreis), Druck und Verlag C.A. Kämmerer & Co., Halle an der Saale 1913, S. 50
  9. Herbert Hüllemann: Die Geschichte des Rittergüter in Reuß ältere Linie, Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte Thüringen, Band II, Verlag G. Fischer, Jena – 1939, S. 800, 806, Erwähnung Hans-Bastian von Zehmen als Freund und Kreditgeber gegenüber dem Landesherren
  10. Sächsischer Landtag: Ständeversammlung (1438 - 1831)
  11. Josef Matzerath, Hrsg. Sächsischer Landtag: Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte - Die Mitglieder der (kur-)sächsischen Landstände (1694-1749), Lausitzer Druckhaus, Dresden 2015, S. 28–30 und 214, Informationen über Hans-Bastian von Zehmen
  12. Archiv Markersdorf, Abschrift Verkaufsvertrag, III, W, Nr. 10,1
  13. Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena: Leichenpredigt Hans-Bastian von Zehmen
  14. Landesarchiv Sachsen-Anhalt: Legat von dem Geheimen Rat Hans Bastian von Zehmen für die Geistlichen und Armen zu Silbitz
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