Dianshan Hu

Der Dianshan Hu (chinesisch 淀山湖 / 淀山湖, Pinyin Diànshān Hú, „seichter See mit Berg“), früher Xuedian Hu (chinesisch 薛淀湖 / 薛淀湖, Pinyin Xuēdiàn Hú, „von Wasserlinsen überwucherter, seichter See“) genannt,[1] ist mit 62 km² das größte Süßwasserreservoir Shanghais. Er liegt im Westen der eigentlichen Stadt, etwa 60 km vom Zentrum entfernt, und 18 km vom Stadtbezirk Qingpu, der, zusammen mit der kreisfreien Stadt Kunshan, wasserwirtschaftlich für den See zuständig ist.

Dianshan Hu
Xuedian Hu
Wanderweg am Ufer des Dianshan Hu
Geographische Lage Qingpu (Shanghai) und Kunshan (Suzhou, Jiangsu), VR China
Abfluss Dianpu He und Lanlu Gang, beide → Huangpu Jiang
Daten
Koordinaten 31° 6′ 33″ N, 120° 58′ 32″ O
Dianshan Hu (Shanghai)
Fläche 62 km²
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Der Dianshan Hu gehört zum Seensystem des Tai Hu, in ihm entspringen der Dianpu He (淀浦河) sowie der Lanlu Gang (拦路港), die beide in den Huangpu Jiang münden, also letztendlich ins Gelbe Meer bzw. das Ostchinesische Meer. Daher ist der Dianshan Hu seit der Song-Dynastie (960–1279) ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für den Wassertransport zwischen Anhui, Suzhou, Huzhou, Jiaxing, Songjiang und dem Meer. Damals befand sich im See noch ein Berg bzw. Hügel, der aber im Laufe der Zeit erodierte, was zu einer Versandung der Uferbereiche führte, die dann nach und nach in von kleinen Dämmen umgebene Reisfelder (围田) umgewandelt wurden.[2] Heute lebt dieser Hügel nur noch in der modernen Bezeichnung des Sees sowie den Namen von zwei Dörfern am Südostufer fort: Dianfeng (淀峰, Pinyin Diànfēng) bedeutet „Gipfel im seichten See“, Shanwan (山湾, Pinyin Shānwān) bedeutet „Bucht am Berg“.

Der Dianshan Hu i​st tatsächlich s​ehr seicht; d​ie offiziellen Fahrrinnen a​uf dem See s​ind nur für Boote m​it einem Tiefgang v​on maximal 1 m geeignet. Schon i​n der Kaiserzeit stellte d​ie geringe Wassertiefe d​es Sees, d​ie über d​ie gesamte Fläche m​ehr oder weniger gleich ist, e​in Problem für d​ie Binnenschifffahrt dar. Deswegen wurden i​n den Jahren 1190–1194, 1328 u​nd 1523 größere Ausbaggerungsarbeiten durchgeführt. Nach 1949 wurden d​ann insgesamt dreimal Uferdämme w​ie im nebenstehenden Bild errichtet u​nd repariert s​owie zweimal d​ie Fahrrinnen ausgebaggert. Hierbei w​urde im Jahr 1959 e​ine große Anzahl v​on Steinmessern, steinernen Pflugscharen, steinernen Spinnwirteln s​owie Scherben v​on Tongefäßen d​er Stempeltöpfereikultur a​us der Shang-Dynastie (18.–11. Jhd. v. Chr.) v​om Seegrund z​u Tage gefördert.

Schon seit der Song-Dynastie war der Dianshan Hu ein beliebtes Ausflugsziel der gebildeten Oberschicht. So wurde er von dem Kaiserlichen Archivar Wei Jing (1159–1226) aus Qiandeng in dem Gedicht "Der seichte See" verewigt; Yang Weizhen (1296–1370), Landrat von Tiantai, schrieb anlässlich eines Besuches das Gedicht "Seichter See mit Berg", und der Kaiserliche Großsekretär Wang Chang (1724–1806) aus Zhujiajiao verfasste "Nach dem Regen den Berg besteigen und auf den mit Wasserlinsen bedeckten See hinausblicken".[3] 1979 wurde dann eine Landzunge am Südwestufer des Sees als Landschaftsschutzgebiet (淀山湖风景区, Pinyin Diànshān Hú Fēngjǐngqū) ausgewiesen, 1984 wurde etwas nördlich davon der Aussichtsgarten Qingpu (青浦大观园, Pinyin Qīngpǔ Dàguānyuán) mit einer Fläche von 87 ha eröffnet. 1991 wurde dieser dem in dem Qing-zeitlichen Roman "Der Traum der Roten Kammer" beschriebenen Aussichtsgarten nachempfundene Park auf 100 ha erweitert und in "Aussichtsgarten Shanghai" (上海大观园, Pinyin Shànghǎi Dàguānyuán) umbenannt.[4]

Einzelnachweise

  1. 林尹,高明 (主编): 中文大辭典. 第八册. 中國文化大學出版部, 台北 1971 (九版), S. 139.
  2. 罗竹风(主编):汉语大词典. 第三卷. 汉语大词典出版社, 上海 1994(第二次印刷), S. 650f.
  3. Alle drei Männer waren Jinshi (进士), was dem heutigen Dr. Phil. entspricht.
  4. 上海市地方志办公室. In: shtong.gov.cn. 10. April 2002, abgerufen am 7. Oktober 2018 (chinesisch).
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