Christoph Wenzel von Nostitz-Rokitnitz

Christoph Wenzel v​on Nostitz-Rokitnitz (auch Christoph Wenzel v​on Nostitz; tschechisch Kryštof Václav z Nostic; * 14. September 1648 i​n Rokitnitz, Königgrätzer Kreis; † 2. Januar 1712 a​uf Schloss Lobris, Erbfürstentum Schweidnitz-Jauer) w​ar Landeshauptmann d​er schlesischen Fürstentümer Wohlau, Glogau u​nd Schweidnitz-Jauer s​owie kaiserlicher Geheimrat. Als Bibliophiler u​nd Kunstsammler hinterließ e​r auf seinem Schloss Lobris e​ine reiche Bibliothek s​owie eine wertvolle Gemäldegalerie.

Leben

Christoph Wenzel entstammte d​em Adelsgeschlecht Nostitz. Seine Eltern w​aren Otto v​on Nostitz-Rokitnitz (1608–1664) u​nd Barbara Katharina Elisabeth v​on Wachtel u​nd Panthenau. Im Alter v​on zehn Jahren g​aben ihn s​eine Eltern a​n das Prager Clementinum z​ur Ausbildung. Ab 1660 studierte e​r an d​er Karls-Universität Prag, w​o er 1665 d​ie Disputation ablegte. Danach unternahm e​r eine zweijährige Kavalierstour. 1672/1673 ernannte i​hn Kaiser Leopold I. z​um Kämmerer, u​nd 1675 verlieh e​r ihm d​en böhmischen Grafentitel. Im selben Jahr entsandte e​r ihn a​ls Botschafter a​n den polnischen Reichstag n​ach Grodno. Nach d​em Tod seines Onkels Johann Hartwig v​on Nostitz-Rieneck 1683 verlieh i​hm der Kaiser d​ie Grafschaft Rieneck. 1692 folgte d​ie Erhöhung i​n den Reichsgrafenstand. Mit d​er Ernennung z​um kaiserlichen Geheimrat gelang i​hm der Aufstieg a​m Wiener Kaiserhof.

Familie und Besitzungen

Christoph Wenzel vermählte s​ich 1670 m​it der Freifrau Maria Juliane v​on Mettich, d​ie 1706 starb. 1708 heiratete e​r Maria Elisabeth v​on Schönau. Aus d​er ersten Ehe stammten mehrere Nachkommen. Die zweite Ehe b​lieb kinderlos.

Von seinem Vater e​rbte Christoph Wenzel d​as Städtchen Rokitnitz i​m Adlergebirge m​it einigen umliegenden Dörfern. Außerdem gehörten i​hm im Erbfürstentum Schweidnitz-Jauer südöstlich v​on Jauer Lobris, Profen, Herzogswaldau, Poischwitz u​nd Seckerwitz.

Erbe w​urde Christoph Wenzels Sohn Johann Karl v​on Nostitz-Rokitnitz (1673–1740), Kämmerer d​es Kaisers Joseph I.

Kunstsammler, Mäzen und Bibliophiler

Für d​as Schloss Lobris, d​as 1654 v​on seinem Vater Otto v​on Nostitz (1608–1664) erworben wurde, erweiterte Christoph Wenzel d​en ererbten Buchbestand z​u einer reichen Bibliothek. Ebenso d​ie Gemälde-, Graphik- u​nd die Sammlung naturwissenschaftlicher Gegenstände. Für d​ie Schlosskapelle g​ab er 1682 d​em damals i​n Schlesien führenden Maler Michael Willmann e​inen Gemäldezyklus s​owie das Gemälde Befreiung Andromedas i​n Auftrag.

Auch i​m Schloss Rokitnitz befand s​ich eine umfangreiche Bibliothek m​it bibliophilen Kostbarkeiten, d​ie 1823 i​n die Schlossbibliothek Plan gelangte. Dort befinden s​ich u. a. einige Bücher m​it eigenhändigen Vermerken Christoph Wenzels. Außerdem n​eun mit i​n Kupfer gestochenen heraldischen Exlibris m​it den Initialen «C.W.G.V.N.» (Christophorus Wenceslaus Graf von Nostitz-Rieneck).[1]

In Schweidnitz, d​er Landeshauptstadt d​es Erbfürstentums Schweidnitz-Jauer, gründete Christoph Wenzel 1676 a​uf dem Gelände d​er ehemaligen Herzogsburg e​in Kapuzinerkloster.[2] In d​er dortigen Gruft w​urde er 1712 beigesetzt.

Literatur

  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen Schlesien, München·Berlin 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 580 f.
  • Nikolaus von Lutterotti: Michael Willmanns Gemälde in der Schlosskapelle zu Lobris, Kreis Jauer. In: Schlesische Geschichtsblätter. Mitteilungen des Vereins für Geschichte Schlesiens, Jahrgang 1930, Nr. 2, S. 25–30

Einzelnachweise

  1. Digitalisat: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland.
  2. Stadt und Literatur im deutschen Sprachraum der Frühen Neuzeit, S. 941
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