Bojanovice u Prahy

Bojanovice (deutsch Bojanowitz) i​st eine Gemeinde i​n Tschechien. Sie l​iegt 26 Kilometer südlich d​es Stadtzentrums v​on Prag u​nd gehört z​um Okres Praha-západ.

Bojanovice
Bojanovice u Prahy (Tschechien)
Basisdaten
Staat: Tschechien Tschechien
Region: Středočeský kraj
Bezirk: Praha-západ
Fläche: 1097,2161[1] ha
Geographische Lage: 49° 51′ N, 14° 21′ O
Höhe: 330 m n.m.
Einwohner: 491 (1. Jan. 2021)[2]
Postleitzahl: 252 06
Kfz-Kennzeichen: S
Verkehr
Straße: Mníšek pod BrdyŠtěchovice
Bahnanschluss: Dobříš–Praha-Modřany
Nächster int. Flughafen: Flughafen Prag
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 3
Verwaltung
Bürgermeister: Helena Dufková (Stand: 2013)
Adresse: Bojanovice 12
252 06 Davle
Gemeindenummer: 539104
Website: www.obecbojanovice.cz
Lage von Bojanovice im Bezirk Praha-západ
Kapelle des hl. Franziskus Seraphin
Kocábadurchbruch bei Malá Lečice
Kapelle in Senešnice

Geographie

Bojanovice befindet s​ich auf e​iner Hochfläche zwischen d​en Tälern d​es Baches Bojovský p​otok und d​er Kocába i​n den nordöstlichen Ausläufern d​er Brdská vrchovina. Nördlich erhebt s​ich die Babka (397 m), i​m Nordosten d​er Žižkův v​rch (382 m) u​nd die Chlumka (406 m), südöstlich d​ie Homole (394 m) u​nd der Ploch (392 m), i​m Süden d​er Havran (385 m), westlich d​er Vršek (414 m) u​nd der Horní v​rch (439 m) s​owie im Nordwesten d​er Velký Budín (422 m). Im Ort entspringt d​er Kocába-Zufluss Bojanovický potok. Nordwestlich verläuft i​m Tal d​es Bojovský p​otok die Bahnstrecke Dobříš–Praha-Modřany; d​ie Bahnstation Bojanovice l​iegt in Bojov.

Nachbarorte s​ind Bojov u​nd Hvozdnice i​m Norden, Hvozdy, Mandát, Šlemín u​nd Hradištko i​m Nordosten, Rajchardov, Brunšov u​nd Štěchovice u​nd Masečín i​m Osten, Slapy i​m Südosten, U Kocáby, Falkův Mlýn, Porostliny, Královky, Nové Dvory u​nd Malá Lečice i​m Süden, Bratřínov u​nd Senešnice i​m Südwesten, Zahořany u​nd Rymaně i​m Westen s​owie Čisovice i​m Nordwesten.

Geschichte

Die erste schriftliche Erwähnung von Bojanovice erfolgte 1107, als Herzog Svatopluk II. das Dorf dem Benediktinerkloster Insula schenkte. Am 17. Jänner 1205 bestätigte König Ottokar I. Přemysl dem Kloster die Schenkung. Im Jahre 1278 fielen während der Machtkämpfe nach dem Tode Ottokar II. Přemysls brandenburgische Truppen Ottos IV. mordend in die Gegend ein und plünderten das Kloster und dessen 24 umliegende Dörfer. Die Hungersnot von 1282 ließ die Gegend veröden. Mit dem Aussterben der Přemysliden setzte erneut ein Kampf um die Macht in Böhmen ein, dabei wurde Hvozdnice 1309, wie die ganze Gegend zwischen Zbraslav und Slapy durch bayerische Truppen verwüstet. Während der Hussitenkriege eroberten, plünderten und zerstörten die vom Priester Václav Koranda angeführten Hussiten am 14. August 1420 das Kloster. 1421 bemächtigte sich der Vladike Jakoubek von Řitka der Dörfer Bojanovice, Davle, Hvozdnice, Slapy, Sloup und Zahořany. König Sigismund überließ ihm Bojanovice 1436 als Pfand. Das Kloster Insula erholte sich nie wieder. 1517 verließen die letzten Benediktiner das ruinöse Kloster und übersiedelten in das Tochterkloster St. Johann unter dem Felsen. 1657 kaufte der Abt des Klosters St. Johann unter dem Felsen, Matthäus Ferdinand Sobek von Bilenberg, Bojanovice zusammen mit weiteren Dörfern von der Familie von Řitka zurück. Die Klostergüter fielen nach der Aufhebung des Klosters St. Johann unter dem Felsen 1785 dem Religionsfond zu. Am 3. Jänner 1825 ersteigerte Karl Korb Ritter von Weidenheim (Karel Bedřich Srb) das Gut Davle mit allem Zubehör und vereinigte es mit dem zugleich erworbenen Gut Slapy zur Herrschaft Slapy. Im Jahre 1845 bestand das im Berauner Kreis gelegene Dorf Bojanowitz bzw. Boganowitz aus 34 Häusern mit 271 Einwohnern, darunter einer jüdischen Familie. Pfarrort war St. Kilian (Kilián)[3]. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieb Bojanowitz dem an die Herrschaft Schlapp angeschlossenen Gut Dawle untertänig.

Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Bojanovice / Bojanowitz mit dem Ortsteil Bratřínov eine Gemeinde im Gerichtsbezirk Zbraslav. Ab 1868 gehörte die Gemeinde zum Bezirk Smichow. Der Ortsteil Bratřínov löste sich 1890 los und bildete eine eigene Gemeinde. Im Jahre 1891 verkauften die Korb von Weidenheim den Großgrundbesitz an Friedrich Graf von Westphalen zu Fürstenberg. Im Jahre 1899 lebten in Bojanovice 338 Menschen. Die Freiwillige Feuerwehr gründete sich 1902. Im Jahre 1906 wurde ein neues Schulgebäude errichtet. 1927 wurde Bojanovice dem Okres Praha-venkov zugeordnet. 1928 hatte das Dorf 390 Einwohner. Im Jahre 1932 lebten in Bojanovice 518 Personen. 1942 wurde die Gemeinde Teil des Okres Praha-venkov-jih. 1949 wurde Bojanovice dem Okres Praha-jih zugeordnet, seit 1960 gehört sie zum Okres Praha-západ. im Jahre 1950 hatte Bojanovice 244 Einwohner, 1970 waren es 271. Der Schulunterricht in Bojanovice wurde 1978 eingestellt. Bratřínov, Malá Lečice und Senešnice wurden am 1. Jänner 1980 eingemeindet. Am 24. November 1990 wurde Bratřínov wieder eigenständig, Malá Lečice und Senešnice wurden dadurch zu einer Exklave. Bojanovice ist heute ein Erholungsort; auf dem Kataster Bojanovice befinden sich neben 109 Wohnhäusern auch 206 Erholungsobjekte.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Bojanovice besteht a​us den Ortsteilen Bojanovice (Bojanowitz), Malá Lečice (Klein Letschitz) u​nd Senešnice (Seneschnitz)[4], d​ie zugleich a​uch Katastralbezirke bilden[5]. Bojanovice gliedert s​ich in d​ie Grundsiedlungseinheiten Bojanovice, Malá Lečice, Pod Dešinami u​nd Senešnice[6].

Sehenswürdigkeiten

Einzelnachweise

  1. http://www.uir.cz/obec/539104/Bojanovice
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2021 (PDF; 349 kB)
  3. Johann Gottfried Sommer Das Königreich Böhmen, Bd. 16 Berauner Kreis, 1849, S. 64
  4. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/539104/Obec-Bojanovice
  5. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/539104/Obec-Bojanovice
  6. http://www.uir.cz/zsj-obec/539104/Obec-Bojanovice
Commons: Bojanovice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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