Altniederländische Sprache

Als altniederländische Sprache, d​ie auch a​ls altniederfränkische Sprache bekannt ist, bezeichnet m​an die älteste bekannte Sprachstufe d​es Niederländischen. Sie w​urde etwa v​on 500–600 b​is 1200 gesprochen u​nd ist n​ur bruchstückhaft überliefert worden.[1] Gleich i​hrer Nachfolgerin, d​er mittelniederländischen Sprache, w​ar sie k​eine Standardsprache i​m eigentlichen Sinn.

Altniederländisch und Altniederfränkisch

Die beiden Begriffe Altniederländisch u​nd Altniederfränkisch werden häufig gleichgesetzt, w​eil aus d​em Altniederfränkischen d​ie Dialekte Brabantisch u​nd Holländisch entstanden sind, d​ie später d​ie Grundlage für d​ie moderne niederländische Standardsprache bildeten.[2]

Gegen e​ine Gleichsetzung d​er Begriffe Altniederländisch u​nd Altniederfränkisch sprechen d​ie nordseegermanischen (oder nordseegermanisch beeinflussten) Dialekte i​m Westen d​es Sprachgebietes (Westflämisch, Holländisch), besonders i​n der altniederländischen Zeit.[3]

Sprachgebiet

Das Gebiet, in dem das Altniederländische gesprochen wurde, ist nicht identisch mit dem heutigen niederländischen Sprachgebiet: Im Raum Groningen und in Friesland sowie an der holländischen Küste sprach man Friesisch oder wenigstens nordseegermanische („ingwäonische“) Dialekte. Im Osten der heutigen Niederlande (Achterhoek, Overijssel, Drenthe) wurden altsächsische Dialekte gesprochen. Im Süden und Südosten war das damalige altniederländische Sprachgebiet etwas größer als heute das neuniederländische: Französisch-Flandern und ein Teil der Gegend zwischen der Provinz Limburg und dem Rhein gehörten damals noch zum niederländischen Sprachgebiet.[2]

Abgrenzungen

Abgrenzung gegenüber dem Mittelniederländischen

Obwohl es manchmal große Unterschiede gibt, gehen Altniederländisch und Mittelniederländisch fließend ineinander über. Die Grenze zwischen den beiden Sprachstufen ist kaum zu ziehen. Im Allgemeinen nimmt man 1150 oder 1200.

Der auffälligste Unterschied ist die Vokalreduktion: Im Altniederländischen gibt es volle Vokale in unbetonten Silben, im Mittelniederländischen werden die zu einem „Schwa[ə] reduziert.

Beispiele:

  • anl. vogala ‚Vogel‘ → mnl. vogele
  • anl. dago, daga ‚Tag‘ → mnl. daghe
  • anl. brecan ‚brechen‘ → mnl. breken
  • anl. gescrivona ‚geschrieben‘ → mnl. gheschreven

Die Beispiele stammen a​us dem Kapitel v​on A. Quak, in: Van d​en Toorn e.a. (1997) (siehe Literaturangaben).

Unterschiede gegenüber dem Altfriesischen

Ein charakteristischer Unterschied zum Friesischen der damaligen Zeit war das germanische au. Im Altniederländischen war das germanische au zu ō (also zu einem langen o) geworden, während es im Altfriesischen zu ā (zu einem langen a) geworden war. Beispiel: Der neuniederländische Ortsname Akersloot heißt in alten friesischen Urkunden Ekerslat.[2]

Unterschiede gegenüber dem Althochdeutschen

Der deutlichste Unterschied zwischen d​em Altniederländischen u​nd dem Althochdeutschen bestand darin, d​ass im Althochdeutschen d​ie zweite Lautverschiebung stattgefunden hatte, i​m Altniederländischen hingegen nicht.

Unterschiede gegenüber dem Altsächsischen

Es gibt, trotz aller Ähnlichkeiten, einige Unterschiede zwischen dem Altniederländischen und dem Altsächsischen. Beispiele:

  • Der germanische Laut hl (chl) am Anfang des Wortes ist im Altsächsischen erhalten geblieben, aber im Altniederländischen zu l vereinfacht.
  • Das Altsächsische hat beim Verb eine Einheitsform für 1., 2. und 3. Person Plural, während das Altniederländische dort drei unterschiedliche Formen hat (-on, -et/it und -unt).
    • Beispiel: anl. blīvon ‚wir bleiben‘ - blīvet ‚ihr bleibt‘ - blīvunt ‚sie bleiben‘ gegenüber asächs. bilīvad ‚wir/sie bleiben, ihr bleibt‘.
  • Das Altniederländische hat das germanische ō (das lange o) diphthongiert, das Altsächsische nicht. So steht anl. suocan ‚suchen‘ gegenüber asächs. sōkian.
  • Das Altsächsische hat beim Substantiv Mehrzahlendungen auf -as und -os, während das Altniederländische häufig -a hat.
  • Das Altniederländische hat schon früh eine Auslautverhärtung gehabt, also den Lautwandel von stimmhaften zu stimmlosen Konsonanten am Ende des Wortes.
    • Beispiel: anl. fluot ‚Flut‘ gegenüber asächs. flōd.[2]

Überlieferung

Vom Altniederländischen sind nur einige Texte und Fragmente erhalten. Diese Texte und Fragmente sind im Corpus van Middelnederlandse teksten (tot en met het jaar 1200) von Maurits Gysseling herausgegeben. Die schriftliche Überlieferung ist also wesentlich geringer als die von verwandten Sprachen, wie z. B. Altenglisch oder Althochdeutsch.

Bei den altniederländischen Textfragmenten ist nicht immer eindeutig feststellbar, ob es sich um Altniederländisch, Altsächsisch oder Altfriesisch handelt. Dies liegt an der dürftigen Überlieferung und an der Tatsache, dass die germanischen Sprachen (oder Dialekte) sich damals stärker ähnelten. Es gab ein Dialektkontinuum, d. h. fließende Übergänge zwischen verwandten Sprachen oder Dialekten.

Die Wachtendonckschen Psalmen

Die Wachtendonckschen Psalmen sind eine Psalmensammlung auf Altniederländisch. Sie sind benannt nach dem Besitzer Arnold Wachtendonck, einem Gelehrten aus Lüttich, der 1598 dem humanistischen Gelehrten Justus Lipsius eine Handschrift mit diesen Texten lieh. Lipsius untersuchte die Handschrift und schrieb einige Psalmen ab. Die Handschrift selber ist verschollen. Der ursprüngliche Text ist aus dem 9. oder 10. Jahrhundert.

Die Sprache des Textes ist altniederländisch, aber die Psalmen 1 bis 3 haben einen deutlichen mittelfränkischen Einschlag.[2] Allgemein wird die Auffassung vertreten, dass der überlieferte Text die altniederfränkische Bearbeitung einer mittelfränkischen Vorlage ist.[4]

Ungeklärt ist die Frage, wo der ursprüngliche Text entstanden ist. Willy Sanders nimmt auf Grund von sprachlichen Eigenschaften ein Gebiet am Niederrhein an.[3] H.K.J. Cowan nimmt hingegen einen Ort in der niederländischen oder belgischen Provinz Limburg an.[4]

Der Willeram

Der Leidener Willeram (auch Egmonder Williram genannt) ist der längste Text, der klar altniederländische Kennzeichen hat. Die Handschrift, die diesen Text enthält, befindet sich in der Universitätsbibliothek Leiden. Die Sprache des Textes ist eine Mischung aus Althochdeutsch und Altniederländisch. Der Text ist eine sprachlich oberflächliche Übersetzung eines Kommentares zum Hohelied aus der Bibel. Die Vorlage für diesen Text stammt von dem Mönch Williram von Ebersberg. Der altniederländische Text ist aus dem 11. Jahrhundert.

Die Rheinische Reimbibel

Die Rheinische Reimbibel (auch genannt: Mittelfränkische Reimbibel) ist eine Bibel in Reimform, die wahrscheinlich im 12. Jahrhundert im Raum Werden entstanden ist. Sie ist in verschiedenen Fragmenten erhalten.

Malbergische Glossen

Die malbergischen Glossen s​ind frühaltniederländische Einschübe i​m lateinischen Textumfeld i​n den ältesten Fassungen d​er Lex Salica, d​es fränkischen Stammesrechts.[5][6][7][8]

Der Name i​st neuzeitlich u​nd wurde v​on den Einleitungen dieser Einschübe entlehnt, d​ie durch e​in (in) malobergo = „im Gericht“ o​der „in d​er Gerichtssprache“ beginnen. Die Glossen s​ind Zusätze z​um lateinischen Gesetzestext, d​ie zu diesem i​n relativer Unabhängigkeit stehen. Die Gesetzestexte i​m „Pactus l​egis Salicae“ (6. Jahrhundert) u​nd in d​er „Lex Salica“ (8. Jahrhundert) enthalten Wörter, Redeteile u​nd kürze Sätze, d​ie der Spruchpraxis d​er Satzungen entstammen.

Der bekanntesten Satz dieser Glossen i​st eine Formel d​ie ausgesprochen w​urde beim Frei-Erklären e​ines Halbfreien:

Maltho thi afrio lito[9]
Ich sage dir: ich mache dich frei, Halbfreier

Hebban olla vogala 

Der berühmteste altniederländische Satz lautet:

Hebban olla vogala nestas hagunnan hinase hic
enda thu uuat unbidan uue nu
Alle Vögel haben Nester angefangen außer mir
und dir, worauf warten wir nun

Die übliche Erklärung geht dahin, dass es sich um einen Schreibversuch handelt, also ein Ausprobieren einer Schreibfeder (auf Latein probatio pennae). Der Text stammt nach dieser Erklärung von einem flämischen Mönch in einem englischen Kloster.

Dieser Satz befindet sich zwischen anderen Textfragmenten auf der Rückseite einer altenglischen Predigtenhandschrift. Bei diesen Fragmenten befindet sich auch eine lateinische Version dieses altniederländischen Satzes:

Abent omnes volucres nidos inceptos nisi ego et tu
quid expectamus nunc

Siehe Hauptartikel: Hebban o​lla vogala.

Lobesvers aus Munsterbilzen

Aus d​er Zeit u​m 1130 stammt d​er Satz a​us einem Frauenkloster i​n Munsterbilzen i​n Belgisch-Limburg.

Tesi samanunga vvas edele unde scona et omnium virtutum pleniter plena

Der e​rste Teil dieses Satzes i​st altniederländisch, d​er zweite Teil i​st lateinisch.

Weitere Quellen

  • Taufgelöbnisse
  • Beschwörungsformeln
  • Glossen (z. B. die Glossen zur Lex Salica)
  • Ortsnamen
  • Personennamen

Erforschung des Altniederländischen

2007 hat das Instituut voor Nederlandse Lexicologie (INL) das Oudnederlands Woordenboek ("Altniederländisches Wörterbuch") veröffentlicht. Es hat 4500 Wörterbuchartikel und ist über das Internet benutzbar.[10] Es deckt den Zeitraum bis 1200 ab. Spätere Texte sind im Vroegmiddelnederlands Woordenboek ("Frühmittelniederländisches Wörterbuch") aufgenommen.

Viele d​er altniederländischen Texte u​nd Textfragmente s​ind im Corpus v​an Middelnederlandse teksten (tot e​n met h​et jaar 1300), d​em so genannten Corpus Gysseling veröffentlicht.

Schreibung

Das Altniederländische w​urde mit d​em lateinischen Alphabet geschrieben. Da d​ie Missionare i​n den damaligen Niederlanden a​us dem altenglischen u​nd aus d​em althochdeutschen Sprachraum kamen, k​ann man b​ei altniederländischen Texten a​uch altenglische u​nd althochdeutsche Elemente annehmen.

th wird verwendet, um den germanischen þ-Laut wiederzugeben. Beispiel: thāhton ‚sie dachten‘. Siehe auch Stimmloser dentaler Frikativ und Þ.

dh wird verwendet, um den stimmhaften ð-Laut wiederzugeben. Siehe auch Stimmhafter dentaler Frikativ und Ð.

c wird für den k-Laut verwendet, und zwar am Anfang eines Wortes vor velaren („dunklen“) Vokalen. Beispiel: cuning ‚König‘ (nl. koning). Vor palatalen („hellen“) Vokalen steht k. Beispiel: kēron ‚kehren, wenden‘. In lateinischer und althochdeutscher Tradition wurde c vor palatalen Vokalen als [ts] ausgesprochen. In anderen Positionen als am Anfang eines Wortes konnten die Schreibweisen mit c und k wechseln: ic und ik ‚ich‘.

u steht für den Vokal u und für den Konsonanten v. Beispiel: uusso ‚Füchse‘ (Gen. Pl.). In diesem Beispiel steht das geschriebenen u erst für den Konsonanten v, dann für den Vokal u. Der w-Laut wird meistens uu wiedergegeben. Zwischen den heutigen Graphemen u und v wurde also noch nicht unterschieden, und ein w-Graphem gab es also noch nicht. Siehe auch V und W.

g wurde wahrscheinlich spirantisch ausgesprochen, also etwa wie im heutigen Niederländisch. Das folgert man aus dem Wechsel von uueh ‚Weg‘ (Akk.) und uuege (Dat.). Siehe auch Stimmhafter velarer Frikativ.

h steht für einen h-Laut (in etwa [h]) und für einen ch-Laut (in etwa [χ] oder [x]). Beispiele: holto ‚Holz‘, (Gen. Pl.), naht ‚Nacht‘.

i wird für den Vokal i und für den Konsonanten j verwendet. Beispiele: uuitton ‚wissen‘, iār ‚Jahr‘. Es wurde also noch nicht zwischen den heutigen Graphemen i und j unterschieden. Siehe auch J.

qu steht immer für kw. Beispiel: quāmon ‚sie kamen‘ (nl. zij kwamen).

z kommt nur selten vor und hat dann die Aussprache [ts]. Beispiel: quezzodos ‚du verletztest‘ (nl. jij kwetste).

Die Länge von Vokalen wird in der Regel nicht in der Schrift wiedergegeben. Beispiel: dag ‚Tag‘ (mit kurzem a), thahton ‚sie dachten‘ (mit langem a). Aus Gründen der Deutlichkeit sind hier die langen Vokale mit einem horizontalen Strich markiert: ā. In einzelnen Texten werden die langen Vokale doppelt geschrieben. Beispiele: Heembeke (der heutige Ortsname Hembeke), der Vorname Oodhelmus (beide aus Urkunden, aus den Jahren 941 bzw. 797).

Kennzeichen

Ein wichtiges Kennzeichen d​es Altniederländischen i​st das Vorkommen v​on vollen Vokalen i​n unbetonten Silben.

Die folgenden Beispiele zeigen e​rst das altniederländische Wort, dahinter d​ie deutsche u​nd die neuniederländische (nl.) Entsprechung:

vogala ‚Vogel‘ (nl. vogel), hebban ‚haben‘ (nl. hebben), geuon ‚geben‘ (nl. geven – i​n alten Texten w​urde nicht zwischen u u​nd v unterschieden), herro ‚Herr‘ (nl. heer), gesterkon ‚verstärken‘ (nl. versterken), geuuisso ‚gewiss‘ (nl. gewis), fardiligon ‚vertilgen‘ (nl. verdelgen).

Ein weiteres wichtiges Kennzeichen ist das häufige Vorkommen von grammatischen Fällen (Kasus). Auch das Mittelniederländische hat grammatische Fälle, aber die altniederländischen Formen sind deutlicher zu unterscheiden. Als Beispiel gilt das altniederländische Substantiv dag:

Einzahl:

dag (Nom.)
dages (Gen.)
dage (Dat.)
dag (Akk.)

Mehrzahl:

daga (Nom.)
dago (Gen.)
dagon (Dat.)
daga (Akk.)

Lautentwicklung

Monophthongierung

Die alten germanischen Diphthonge ai und au wurden im Altniederländischen zu den langen Monophthongen ē und ō. Beispiele: hēm ‚Heim‘, slōt ‚Graben‘ (nl. sloot ‚Wasserlauf gegraben‘).

Die gleiche Entwicklung g​ab es a​uch im Altsächsischen. Eine ähnliche Entwicklung f​and in d​en nordseegermanischen Sprachen Altfriesisch u​nd Altenglisch statt. Im Altfriesischen w​urde ai z​u ē (selten z​u ā), a​ber au w​urde zu ā; Beispiele: hēm (oder hām), slāt. Im Altenglischen w​urde ai z​u ā u​nd au z​u einem ēa-Diphthong; Beispiele: hām, slēat.

h im Anlaut verschwindet

Im Altniederländischen verschwindet der h-Laut am Anfang des Wortes im Laufe des 9. Jahrhunderts. So steht anl. ringis ‚Ring‘ (Gen.) gegenüber asächs. und aengl. hring.

Vokalreduktion

In den Wachtendonckschen Psalmen fallen in den unbetonten Silben die Vokale e und i zusammen, ebenso o und u. Das führt zu Varianten wie dagi und dage ‚Tag‘ (Dativ Singular) und zu Varianten wie tungon und tungun ‚Zunge; Sprache‘ (Genitiv, Dativ, Akkusativ Singular und Nominativ, Dativ, Akkusativ Plural). Ab dem 11. Jahrhundert sind die unbetonten Vokale wahrscheinlich nur noch ein Schwa [ə]. Dieser Laut wird nicht nur e, sondern auch a geschrieben (im Egmonder Williram).

Auslautverhärtung

Das Altniederländische hat bereits die Auslautverhärtung. Das bedeutet, dass stimmhafte Konsonanten am Ende eines Wortes stimmlos werden.

Beispiele:

  • uuort ‚Wort‘ (Nom.) gegenüber uuordes (Gen.)
  • gif ‚gib!‘ (Imperativ) gegenüber geuon (Infinitiv)
  • uueh ‚Weg‘ (Akk.) gegenüber uuege (Dat.)

Hinweise:

  • Das uu im ersten Beispiel entspricht dem heutigen w.
  • Das u im zweiten Beispiel (geuon) entspricht dem heutigen niederländischen v (z. B. in geven).
  • Das eh im letzten Beispiel ist kein langes e und das h ist auch kein Dehnungs-H. Das Wort uueh wurde in etwa [wɛç] oder [vɛχ] ausgesprochen.

hs wird zu s

Die Lautkombination hs, also ch+s, wurde im Altniederländischen zu einem (stimmlosen) s. Beispiel: anl. uusso ‚Füchse‘ (Gen. Pl.) gegenüber urgerm. *fuχsō̃ⁿ.

Die Schreibweise fuχs- für das urgermanische Wort bezeichnet kein langes u, sondern ein kurzes u gefolgt von einem ch [χ] wie in Bach. Dieser ch-Laut wird manchmal statt h auch χ geschrieben.

Im Deutschen u​nd im Englischen i​st die Lautkombination hs z​u [ks] geworden (dt. Fuchs, engl. fox).

h zwischen Vokalen verschwindet

Im Altniederländischen verschwindet d​er Laut h, w​enn er zwischen Vokalen steht.

Beispiele:

  • anl. thion ‚gedeihen‘ gegenüber ahd. dîhan
  • anl. (ge)sian ‚sehen‘ gegenüber ahd. sehan

Im Neuhochdeutschen wird das h zwischen Vokalen zwar geschrieben, aber nicht ausgesprochen. Im Althochdeutschen wurde dieses h tatsächlich gesprochen.

Lenisierung von f und s

Im Laufe der altniederländischen Sprachperiode wurden die stimmlosen Spiranten [f] und [s] stimmhaft, also zu [v] und [z], wenn sie am Anfang des Wortes standen. In den Wachtendonckschen Psalmen ist diese Entwicklung nur selten zu sehen. Bei den Ortsnamen im 10. und 11. Jahrhundert gibt es jedoch wechselnde Schreibweisen, was darauf hindeutet, dass sich die Aussprache in der Zeit änderte.

Siehe auch

Literatur

  • A. Quak und J. M. van der Horst, Inleiding Oudnederlands. Leuven: Universitaire Pers Leuven, 2002. (Ausführliche Literaturangaben: siehe dort)
  • Maurits Gysseling m.m.v. Willy Pijnenburg, Corpus van Middelnederlandse teksten (tot en met het jaar 1300) reeks II (literaire handschriften), deel 1: Fragmenten. 's-Gravenhage: Martinus Nijhoff, 1980.
  • M. Gysseling, "Prae-Nederlands, Oudnederlands, Vroegmiddelnederlands", in: Vierde Colloquium van hoogleraren en lectoren in de neerlandistiek aan buitenlandse universiteiten. Gent, 1970, S. 78–89.
  • M. C. van den Toorn, W. J. J. Pijnenburg, J. A. van Leuvensteijn, e.a., Geschiedenis van de Nederlandse taal. Amsterdam: Amsterdam University Press, 1997. (Besonders S. 37–42 und S. 69–74 für die Abgrenzung Anl. und Mnl.)

K.-P. Lange, "Zur Frühgeschichte d​es Niederländischen", in: 'Beiträge z​ur Geschichte d​er deutschen Sprache u​nd Literatur' 2003, S. 431–459.

Quellen und Anmerkungen

  1. A. Quak & J.M. van der Horst: Inleiding Oudnederlands. Löwen: Universitaire Pers, 2002, in Ancorae, nr. 16, S. 3–22.
  2. A. Quak, J.M. van der Horst, Inleiding Oudnederlands, Leuven 2002, ISBN 90-5867-207-7
  3. Herman Vekeman und Andreas Ecke, "Geschichte der niederländischen Sprache" (= Langs Germanistische Lehrbuchsammlung, Band 83), Peter Lang, Bern 1993, ISBN 3-906750-37-X
  4. Arend Quak, "Die altmittel- und altniederfränkischen Psalmen und Glossen" (= Amsterdamer Publikationen zur Sprache und Literatur, Band 47), Rodopi, Amsterdam 1981
  5. Jelle Stegeman: Grote geschiedenis van de Nederlandse taal, Amsterdam University Press, 2021. (Link)
  6. Frits van Oostrom: Stemmen op schrift. Geschiedenis van de Nederlandse literatuur vanaf het begin tot 1300. 7. Aufl., Bert Bakker, Amsterdam 2016, S. 55–6 (online)
  7. Riemer Reinsma: Hoe zongen ‘olla vogala’? Frits van Oostrom over het oudste Nederlands, in: Onze Taal. Jahrgang 75. Genootschap Onze Taal, Den Haag 2006 (online)
  8. Nicoline van der Sijs: Chronologisch woordenboek. De ouderdom en herkomst van onze woorden en betekenissen. 2. Aufl., Veen, Amsterdam / Antwerpen 2002, S. 107 (online)
  9. Nicoline van der Sijs: Chronologisch woordenboek. De ouderdom en herkomst van onze woorden en betekenissen. Veen, Amsterdam / Antwerpen 2002, S. 101–103.
  10. http://gtb.inl.nl/openlaszlo/my-apps/GTB/Productie/HuidigeVersie/src/inlgtb.html?owner=ONW
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