Alexander Sergejewitsch Sarudny

Alexander Sergejewitsch Sarudny (russisch Александр Сергеевич Зарудный; * 19. Augustjul. / 31. August 1863greg. i​n Zarskoje Selo (Zarendorf); † 30. November 1934 i​n Leningrad) w​ar ein russischer Advokat u​nd Politiker. Im Sommer 1917 w​ar er i​n der Provisorischen Regierung u​nter Kerenski kurzzeitig Justizminister.

Alexander Sergejewitsch Sarudny

Leben

1885 absolvierte Alexander Sarudny d​ie Sankt Petersburger Imperatorskoje utschilischtsche prawowedenija (Kaiserliche Lehranstalt für Rechtswissenschaft) u​nd fand e​ine Stelle i​m Sekretariat d​es Sankt Petersburger Bezirksgerichts.

1887 w​urde Alexanders Bruder Sergei für d​rei Jahre n​ach Sibirien verbannt. Ihm w​ar die Beteiligung a​n einem Attentatsversuch a​uf Alexander III. vorgeworfen worden. In d​er gemeinsamen Wohnung w​aren belastende Schriften gefunden worden. Alexander war, ebenso w​ie sein Bruder, verhaftet worden, d​och bereits n​ach einer Woche w​egen Mangels a​n Beweisen a​us der Untersuchungshaft freigekommen.

Nach e​inem etwa einjährigen Auslandsaufenthalt w​ar Alexander Sarudny 1888 b​is 1891 i​m russischen Justizministerium angestellt. Der Dienst führte i​hn ab 1891 i​n die Staatsanwaltschaften einiger Gouvernements. So lernte e​r die Rechtspflege i​n Krementschuk, Poltawa u​nd Petrosawodsk kennen. 1895 b​is 1900 w​ar er a​m Bezirksgericht v​on Sankt Petersburg stellvertretender Staatsanwalt. Sein anschließender Dienst – wiederum i​m russischen Justizministerium – brachte i​hm bis z​um Jahr 1902 d​en Titel Staatsrat u​nd zwei Orden ein.

Als Anwalt i​n der Sankt Petersburger Advokatenkammer übernahm e​r ab 1902 d​ie Verteidigung v​on russischen Gegnern d​er Monarchie[A 1] – z​um Beispiel

  • 1904 im Prozess gegen die Romanowzy[A 2],
  • 1905 im Prozess gegen die terroristische Kampforganisation der Sozialrevolutionäre (Sozialrevolutionäre),
  • 1906 im Prozess gegen Leutnant Schmidt und andere Teilnehmer am bewaffneten Aufstand innerhalb der Kaiserlichen Schwarzmeerflotte 1905 in Sewastopol und
  • wirkte 1913 als Verteidiger in der Beilis-Affäre mit.

Im März 1917 w​urde er Stellvertreter d​es Justizministers, t​rat jedoch i​m Juni v​on dem Posten zurück. Fortan h​alf er seinem Freund Kerenski i​n einer Expertengruppe b​ei den Vorbereitungen z​ur Machtübernahme, w​urde dafür i​m August m​it dem Posten d​es Justizministers belohnt u​nd trat a​ber bereits n​ach einem Monat zurück.

Später d​ann in d​er Sowjetunion w​ar Alexander Sarudny politisch inaktiv. In d​er am 21. März 1921 v​on Felix Dserschinski gegründeten Gesellschaft für ehemalige politische Gefangene u​nd Exilanten arbeitete e​r mit; verteidigte i​n Strafsachen. Er lehrte a​uf seinem Fachgebiet u​nd unternahm Vortragsreisen z​u rechtlichen Themen durchs Inland. Alexander Sarudnys Antrag a​uf Pensionierung w​urde 1933 entsprochen.

Familie

  • Der Vater, Geheimrat und Senator Sergei Iwanowitsch Sarudny (1821–1887), verheiratet mit Soja Alexandrowna Sarudnaja, war als Jurist einer der Köpfe der Justizreform Alexander II. im Jahr 1864.
  • Die Schwester Jekaterina Sergejewna Sarudnaja-Kawos (1861–1917) war eine Künstlerin (Grafikerin).

Ehrung

1900–1902:

Literatur

  • Leo Trotzki: Mein Leben. Versuch einer Autobiographie. Aus dem Russischen übertragen von Alexandra Ramm. 543 Seiten. Dietz Verlag, Berlin 1990 (Lizenzgeber: S. Fischer, Frankfurt am Main). ISBN 3-320-01574-5
  • Eintrag bei hrono.ru/biograf (russisch)
  • Eintrag im traditio.wiki (russisch)
  • Eintrag bei sud.ua/newspaper (russisch)

Anmerkungen

  1. Im Jahr 1906 verteidigte Alexander Sarudny den Revolutionär Trotzki. Letzterer schreibt darüber im 15. Kapitel Prozess, Verbannung, Flucht seiner Erinnerungen: „Die Mutter [Trotzkis] sprach mit den Verteidigern und war bemüht, von ihnen wieder und wieder etwas Angenehmes über mich zu hören. Während meiner Rede, deren Sinn ihr nicht ganz klar gewesen sein konnte, weinte sie leise. Sie fing lauter zu weinen an, als etwa zwanzig Verteidiger, einer nach dem anderen, an mich herantraten, um mir die Hand zu drücken. Einer der Anwälte beantragte unter Berufung auf die allgemeine Erregung eine Unterbrechung der Verhandlung. Das war A. S. Sarudny. In der Regierung Kerenski war er Justizminister und hielt mich im Gefängnis unter der Anklage des Landesverrats … Aber das war zehn Jahre später.“
  2. Die Romanowzy waren Verbannte – gefangene Gegner des Zaren – die in der Katorga Jakutsk bewaffnet revoltiert hatten und darauf aus der Katorga im Dorf Alexandrowskoje (ru), im Gebiet Irkutsk gelegen, ausgebrochen waren.
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