Sperrstelle Bözberg

Die Sperrstelle Bözberg w​ar eine Grenzbefestigung d​er Schweizer Armee. Sie erstreckt s​ich über d​en Tafeljura d​es Bözbergs s​owie rund u​m den Bözbergpass, gehörte z​ur Grenzbrigade 5 u​nd war Teil d​er vierten Verteidigungslinie hinter d​em Rhein.

 Karte mit allen Koordinaten: OSM | WikiMap
Infanteriebunker Sägemülital A 3951

Geschichte

Die zwei Maschinengewehrwerke, die 1936 bei der neuen Strassenbrücke Felsenau–Koblenz in den Widerlagern eingebaut wurden, waren die ersten schweren Waffenstände seit der Einstellung des Befestigungsbaus der Schweizer Armee am Ende des Ersten Weltkriegs. Damit begann ein intensiver Befestigungsbau an den Übergängen am und hinter dem Rhein (Grenzbefestigung), im Tafeljura und auf den Höhen südlich der Limmatstellung sowie entlang des Kettenjuras. Mit den Sperrstellen an den Juraübergängen (Aargauer Jurastellung) wurde der Kanton Aargau bis 1945 zu einem der dichtest befestigten Gebiete der Schweiz. Die Armeestellung 1939/40 (Limmatstellung, Fall Nord) sah den Ausbau des Hauensteingebietes und des Bözbergs zu Stützpunkten vor.

Die letzte Bauetappe w​ar Anfang d​er 1980er Jahre, a​ls zur artilleristischen Unterstützung d​er Sperrstellen überall i​n der Schweiz 12-cm-Festungsminenwerfer m​it einer Reichweite v​on 10 km a​ls Ersatz für d​ie ausgemusterten Artilleriewerke gebaut wurden.

Sperrstelle Bözberg/Oberzeihen

Um d​en südlichen Zugang z​um Bözberg z​u sperren, w​urde die Gegend d​es Eichwalds b​ei Oberzeihen m​it einer Sperrstelle versehen. Neben d​er Sperrstelle Eichwald wurden südlich d​es Hombergs z​wei kleinere Sperren b​ei Chillholz u​nd Fälmet errichtet.

Die i​m Jahre 1940 errichtete Sperrstelle Eichwald umfasst insgesamt 12 Infanteriebunker unterschiedlichster Bauart m​it verschiedenen Geländepanzerhindernissen (Tankmauer, BBB-Höcker (Büro für Befestigungsbauten), Drachenzähne, Schienenhindernisse). Die Bunker w​aren mit e​iner Tankbüchse bewaffnet u​nd mit e​iner Sperre (GPH o​der Sprengobjekt) geschützt. Die meisten Anlagen befinden s​ich auf d​em Gelände d​es Armeeschiessplatzes Eichwald.

Während d​es Zweiten Weltkrieges g​ab es i​m Raum Eichwald a​cht Geschützstellungen s​amt Unterständen für e​ine Schwere Feldhaubitzenabteilung. In diesen Raum konnte d​as Artilleriewerk Homberg A 3962 m​it seinen v​ier 12-cm-Haubitzen wirken.

  • Infanteriebunker «Sagemülitäli» A 3951, zweistöckiger Bau mit Kavernen und Naturstollen, 1940 durch Sap Kp III/5 und Füs Kp II/46 ohne Gegenwerk im Sagemülital (Gemeinde Linn) erbaut. Sie war auf eine Panzersperre gerichtet, deren Überreste 10 Meter unterhalb beim Bachbett sichtbar sind. [1][2]
  • Geländepanzerhindernis GPH Eichwald T 2113
  • Infanteriebunker A 3952 Eichwald Rütenen: 3 Leichte Maschinengewehre (Lmg)
  • Infanteriebunker A 3953 Eichwald 5: 1 Panzerabwehrkanone (Pak), 1 Maschinengewehr (Mg), 2 Lmg
  • Infanteriebunker A 3954 Eichwald 4: 1 Pak, 1 Mg, 2 Lmg
  • Infanteriebunker A 3955 Eichwald 3: 1 Tb, 1 Mg
  • Infanteriebunker AG xxxx
  • Infanteriebunker A 3956 Eichwald 6: 1 Tb, 2 Mg, 3 Lmg
  • Infanteriebunker A 3957 Eichwald 2: 1 Pak, 1 Mg, 1 Lmg
  • Infanteriebunker A 3958 Eichwald 1
  • Ik-Schild (Infanteriekanone) Eichwald Parkplatz A 3959
  • Ik-Schild Lochmatt A 3960
  • Ik-Schild Iberg A 3961
  • Infanteriebunker Chillholz A 3963
  • Infanteriebunker A 3964 Feldmatt Fälmet: 1 Tb, 1 Lmg
  • Infanteriebunker A 3965 Unterstand Eichwald
  • Panzersperre GPH Mauer Feldmatt-Fälmet
  • Sprengobjekt Chillholz M 1832

Artilleriewerk Homberg

AW Homberg Eingang West

Das Artilleriewerk Homberg (Armeebezeichnung A 3962) i​st ein Anfang 1940 a​uf dem Zeiher Homberg erbautes Stollensystem m​it zwei Eingängen für v​ier 8,4-cm-Feldkanonen 1884 u​nd ab 1948 v​ier 12-cm-Haubitzen a​uf Pivotlafetten. Truppenunterkunft befand s​ich in e​iner Baracke u​nd ab 1950er Jahren i​n zwei U12-Unterständen. Es w​urde 1971 ausgemustert u​nd durch Festungsminenwerfer ersetzt. [3]

Kommandoposten Grenzbrigade 5 Wallbach A 3966

Der Kommandoposten d​er Grenzbrigade 5 befand s​ich im Balmhübel i​n Wallbach, südlich d​er Gemeinde Villnachern. Er w​urde 1940 d​urch das Baubüro d​er Grenzbrigade 5 (Festungskreis 2 Kriens) gebaut u​nd 1943, 1961 u​nd 1977 erweitert. 1977 wurden VOBAG-Unterstände u​nd ein Atomschutzunterstand ASU angefügt. Mit d​er Armee 95 w​urde der Kommandotrakt überflüssig, d​ie Inneneinrichtung teilweise ausgebaut u​nd Eingänge u​nd Stollenzugänge verschlossen. Die Schaltstelle für d​as Brigadetelefonnetz w​urde 2014 stillgelegt. 2016 w​urde die Anlage v​om Verein Militär- u​nd Festungsmuseum Full-Reuenthal (VMFM) erworben. Im Aufenthalts-/Speiseraum d​es Kommandotrakts befindet s​ich die Wandmalerei «Kartoffelanbauschlacht» v​on René Villiger.

  • Brigadekommandoposten Wallbach A 3966, Militärzentrale «Telefonschaltstelle Wallbach» mit später angefügtem Kommandotrakt
  • Unterstand «VOBAG» F 5503
  • Richtstrahl ASU F 5514 [4][2]

Übermittlungszentrale Überthal A 3868

  • Übermittlungszentrale (Uem Zen) «Überthal» A 3868, 1940 durch Sap Kp II/5 und Füs Bat 57 erbaut, Übermittlungszentrale der 5. Division (Oberbözberg, Gemeinde Bözberg). Im Untergeschoss befinden sich eine Küche, ein Aufenthaltsraum und Pritschen für 6 bis 12 Mann. [2]

Kommandoposten Überthal/Riedacker A 3869

  • Regimentskommandoposten «Überthal/Rüedacker» A 3869: 1940 durch die Arb Kp 204 «La compagnie jurasienne» erbaut, diente als Kommandoposten des Inf Rgt 23 sowie der Feld Art Abt 13 (Gemeinde Bözberg). [2]

Sperrstelle Stelli (Bözberg)

Die Sperrstelle Stelli b​ei Gallenkirch, Effingen, Unterbözberg u​nd Villnachern besteht aus:

  • Kommandoposten Kärliacker A 3923, Baujahr 1940
  • Infanteriewerk Stelli Mitte A 3924: 1 Pak 50/57, 1 Mg 51, 1 Lmg, 1940 durch Füs Bat 46 auf dem Gebiet der Gemeinde Effingen mit Posten für Aussenwache gebaut. [2]
  • Artilleriebunker Stelli Nord A 3925, Artilleriestand (Splitterschutz) für mobiles Geschütz ohne Unterstand, mit restaurierter 8,4-cm-Feldkanone 1879 (1880) von Krupp auf Schwenkrahmen. 1939–41 als Normbau durch Baufirma auf dem Gebiet der Gemeinde Effingen an der damaligen Verbindungsstrasse Effingen–Unterbözberg–Sennhütten mit einem Solitär als Nahverteidigung erstellt. Der Zugang liegt am Hinterhang durch Treppen und einen Stollen. Dort befinden sich drei Seitenstollen, die zugeschüttet wurden. [2]
  • Feldkanonenschild Stelli Süd A 3926, Artilleriestand (Splitterschutz) für mobiles Geschütz, 1941 durch Truppe erbaut (Gemeinde Effingen). [2]
  • Atomschutzbunker ASU Stelli F 5635: Typ 6H als Truppenunterstand für 24 Personen.
  • Infanteriebunker Huebel A 3928, 1940 durch Truppe erbaut (Gemeinde Bözberg). Wirkte flankierend auf den möglichen Durchbruch West-Ost via Bözbergstrasse.[2]
  • Infanteriebunker Spirfeld A 3929, 1940 durch Truppe erbaut (Gemeinde Bözberg). Wirkte flankierend auf den möglichen Durchbruch West-Ost via Bözbergstrasse.[2]
  • Bataillonssanitätshilfsstelle Birch A 3930, 1940 durch Baufirma erbaut, 1985 Umbau als Bataillonskommandoposten (Gemeinde Bözberg).[2]
  • Munitionsmagazin Felsenkeller A 3933, 1940 durch Stabstruppen Inf Rgt 24 erbaut (Gemeinde Villnachern).[2]
  • Infanteriewerk Bözbergstrasse «Langebuen» A 3943, 1940/41 durch Truppe erbaut (Gemeinde Effingen), Pakbunker als Gegenwerk zu A 3924 Sicherung der Hauptstrasse Bözberg–Brugg gegen einen Vorstoss in den Raum Brugg (Wasserschloss). [2]
  • Geländepanzerhindernis «Effingen-Altstalden» T 2094: 1940 durch Sappeur Kp II/5 und Füs Bat 46 erbaut. Betonfundament für Geländepanzerhindernis mit Löchern für Baumstämme wegen Eisenmangels (Gemeinde Effingen). [2]

Artilleriestellung Sagel A 3934

Die Schwere Motorkanonen-Abteilung 16 (zwei Batterien m​it 10,5-cm-Kanonen 35, Bttr 132 u​nd 133) b​aute im Frühling 1940 i​m Waldrand-Stellungen b​ei Ursprung/Bözberg offene Splitterschutzstellungen m​it dem Leit- o​der Arbeitsgeschütz A 3934 500 Meter v​on den Batterien entfernt. Die Abteilung w​urde anschliessend i​ns Reduit zurückgenommen. Die Fussartillerie-Batterie 503 b​aute die Stellung d​er Bttr 133 i​m Frühling 1940/41 z​u geschlossenen Splitterschutzunterständen u​m und montierte für d​ie 12-cm-Radgürtelkanonen Pivots u​nd Seitenrichtbogen. Die Geschütze wurden b​is 1946 verwendet. Die Geschützstände 2, 3, 4 d​er Bttr 133 wurden 1993 abgebrochen, während d​as Leitgeschütz A 3934 Sagel v​om Festungsmuseum Reuenthal übernommen wurde. Die Stellungen d​er Bttr 132 s​ind noch vorhanden.

  • Artilleriebunker Sagel A 3934, Artilleriestand (Splitterschutz) für mobiles Geschütz (Arbeitsgeschütz Bttr 133), 1940 durch Truppe erbaut (Gemeinde Bözberg). [2]
  • Artilleriestellung Löli A 3939, Batterie 132
  • Artilleriestellung Batterie 133 (Geschützstände 2, 3, 4 1993 abgebrochen)

Sperrstellen Sennweid und Letzi (Mönthal)

Die Sperrstelle Letzi b​ei Mönthal umfasst n​eben einem Tankhindernis z​wei flankierende Infanteriebunker:

  • Infanteriebunker «Sennweid-West» A 3919 Mönthal
  • Infanteriebunker «Sennweid-Ost» A 3920 Mönthal
  • Tankhindernis T 2091
  • Infanteriebunker «Letzi West» A 3921: zweistöckiges, betoniertes Infanteriewerk für 24-mm-Tankbüchse und 7,5-mm-Lmg 25, 1940/41 durch Truppe erbaut (Gemeinde Effingen), 6 Mann Besatzung. [2]
  • Infanteriebunker «Letzi Ost» A 3922: zweistöckiges, sechseckiges Infanteriewerk mit treppenartig in der Höhe versetzten Scharten: 4,7-cm-Infanteriekanone und 7,5-mm-Mg 11, später umgerüstet mit 9-cm-Pak 50 auf Pivotlafette und 7,5-mm-Mg 51. 1940 durch Truppe erbaut (Gemeinde Bözberg), 12 Mann Besatzung. [2]
  • Kompaniekommandoposten «Kärliacker» A 3923: mit Mannschaftsunterkunft, 1940 durch Füs Kp III/57 erbaut (Gemeinde Bözberg).[2][5]

Sanitätshilfsstelle Ampferenhöhe A 3908

Sanitätshilfsstelle Ampferenhöhe A 3908

Die Sanitätshilfsstelle a​uf dem Gebiet d​er Gemeinde Mönthal w​urde als e​ine von fünf derartigen Bunkern 1940 gebaut, später wurden d​rei davon a​ls Minendepot u​nd die Anlage Ampferenhöhe a​ls Munitionsdepot für d​ie Truppe umgenutzt. [2]

Kommandoposten Holzmatt F 5700

Die Führungsanlage «Holzmatt» F 5700 w​urde als Kommandoposten für d​as Infanterieregiment 89 errichtet u​nd nach i​hrer Fertigstellung i​m Dezember 1988 d​em Festungswachtkorps FWK übergeben. Die Anlage i​st als Waldhütte getarnt. Zu diesem Kommandoposten gehören Übermittlungsanlagen für Funk u​nd Richtstrahl. [6][2]

Verein Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal (VMFM)

Durch private Initiative d​es Vereins Festungsmuseum Reuenthal wurden r​und 30 Befestigungsbauten erworben, u​m sie z​u erhalten u​nd der Öffentlichkeit zugänglich z​u machen.

Literatur

Commons: Sperrstelle Bözberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Karin Pfister: Bözberg: Der Bunker, der einst ein geheimes Sprengstofflager war, wird zum Museum. In: Aargauer Zeitung. 8. April 2013
  2. Festungsmuseum Reuenthal: Anlagenverzeichnis
  3. Artilleriewerk A 3962 Homberg
  4. Stefan Haller: Zukunftspläne für militärische Anlagen in Villnachern. In: Effingermedien. 20. Januar 2016
  5. Bunkerfreunde: Sperrstelle Letzi
  6. Kommandoposten F5700 Rgt KP «Holzmatt»

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