Scherweit (Orgelbauer)

Scherweit w​ar eine Familie v​on Orgelbauern i​n Ostpreußen i​m 18. u​nd 19. Jahrhundert.

Familienmitglieder

Wilhelm Scherweit

Wilhelm Scherweit w​urde wahrscheinlich 1777 geboren. Von 1794 i​st die e​rste Erwähnung bekannt, a​ls er d​ie Orgel v​on Christoph Wilhelm Braveleit i​n Neu Pillau fertigstellte. 1797 erhielt e​r ein Orgelbauerprivileg für Ostpreußen, g​egen den Widerstand v​on Johann Preuß u​nd Carl David Amstel. 1803 w​urde Scherweit a​ls privilegierter Hoforgelbauer i​n Königsberg anlässlich seiner Hochzeit m​it S. D. Siebert bezeichnet.

Von 1805 s​ind vorläufig letzte Reparaturarbeiten bekannt, 1807 schloss e​r wahrscheinlich s​eine Werkstatt w​egen des Krieges. 1813 u​nd 1820 führte Scherweit n​och Reparaturarbeiten aus, danach g​ibt es k​eine weiteren Nachrichten über ihn.

Johann Scherweit

Johann Scherweit w​urde 1779 i​n Bubainen geboren u​nd war wahrscheinlich e​in Bruder v​on Wilhelm. Er heiratete i​n eine Mälzerbrauerei-Familie u​nd erbte e​in reiches Vermögen. 1808 w​urde er a​ls Orgel- u​nd Klavierbauer i​n Königsberg bezeichnet. Von 1814 i​st die e​rste Reparatur bekannt. 1817 u​nd 1825 w​urde Johann Scherweit a​ls Hoforgelbauer bezeichnet. 1842 w​urde als Herkunftsort (irrtümlich?) Lyck angegeben.

Von 1857 s​ind letzte d​rei Neubauten a​us seiner Werkstatt bekannt, a​m 30. September 1858 s​tarb er i​n Königsberg-Altstadt.[1]

Ferdinand Scherweit

Wessen Sohn e​r war, i​st nicht bekannt. Von 1857 i​st ein erster Stimmvertrag erhalten, v​on 1858 d​ie erste Reparatur. 1870 w​urde im Adressbuch Königsberg-Roßgarten, Predigerstraße 15 angegeben. Von 1883 i​st ein letzter Reparatur-Voranschlag erhalten. Sein weiteres Leben i​st nicht bekannt.

Orgeln (Auswahl)

Von Wilhelm Scherweit sind zwei Orgelneubauten bekannt, von Johann 24 (+3 Zuschreibungen), von Ferdinand 6 (+1). Dazu kamen Reparaturen, Umbauten und Stimmungen, sowie von Johann Scherweit 3 (+1) Umsetzungen von Orgeln. Erhalten sind Orgeln in Kętrzyn (Rastenburg), Mikołajki (Nikolaiken) und teilweise in Mühlen, sowie einige Prospekte.

Neubauten

JahrOrtGebäudeBildManualeRegisterBemerkungen
1794–1795 Neu Pillau Kirche Fertigstellung der Orgel von Braveleit
1797–1800 Soldau (Działdowo) Evangelische Kirche
1821 Prökuls, Memelland Kirche I/P 18
1822 Langheim Kirche I/P 18
1837 Braunsberg Ev. Kirche II/P 22
1838 Rastenburg (Kętrzyn) Ev. Kirche I/P 11 ursprünglich in Bäslack, erhalten
1842 Nikolaiken (Mikołajki) Kirche I/P 15? 1895 Erweiterung auf II/P, 19, 2007 Restaurierung durch Zych[2]
1843–1844 Kaukehmen Ev. Kirche II/P 24 in Prospekt von Mosengel von 1722, 1904 verbrannt
1844 Groß Lichtenau Kirche II/P 19
um 1865 Mühlen Kirche II/P 13 teilweise erhalten

Weitere Arbeiten

  • 1827: Deutsch Crottingen, Umsetzung der Preuß-Orgel aus Werden, 1899 erneute Umsetzung nach Russisch Crottingen (Kretinga), erhalten
  • 1847–1848: Königsberg, Altstädtische Kirche, Umsetzung der Casparini-Orgel von 1763 (III/P, 66) in Kirchenneubau

Literatur

  • Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen von 1333 bis 1984. Band II, 2. Von Johann Preuß bis E. Kemper & Sohn, Lübeck/Bartenstein. Siebenquart, Köln 2015. S. 166–195.

Anmerkungen

  1. Widersprüchliche Angaben bei Renkewitz, in der Werkliste wurde 1857 (wahrscheinlich als Schreibfehler) angegeben.
  2. Mikołajki, Kościół ewangelicko-augsburski Świętej Trójcy MusicamSacram, Orgel mit heutiger Disposition, falsche Erbauerangaben (polnisch)
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