Pjotr Dmitrijewitsch Gruschin

Pjotr Dmitrijewitsch Gruschin (russisch Пётр Дмитриевич Грушин, * 2. Januarjul. / 15. Januar 1906greg. i​n Wolsk; † 29. November 1993 i​n Moskau) w​ar ein sowjetischer u​nd russischer Wissenschaftler, Flugzeug- u​nd Raketenkonstrukteur. Er w​ar Mitglied d​er Akademie d​er Wissenschaften d​er UdSSR (1966)[1] u​nd des Zentralkomitees d​er KPdSU (1966–1986). Zweimal w​ar er Held d​er sozialistischen Arbeit, Preisträger d​es Leninpreises u​nd des Staatspreises d​er UdSSR.

Leben

Pjotr Gruschin w​urde 1906 a​m Rande d​er Stadt Wolsk i​m Gouvernement Saratow a​ls eines v​on sieben Kindern e​ines Tischlers geboren. Er besuchte zunächst d​ie Konfessionsschule, danach d​ie städtische Schule. Im Jahr 1928 w​urde er n​ach Leningrad a​n die Schiffbaufakultät d​es Polytechnischen Instituts,[2] e​iner Abteilung z​ur Ausbildung v​on Wasserflugzeug-Spezialisten, geschickt. 1930 w​urde die Wasserflugzeugabteilung d​em Moskauer Staatlichen Luftfahrtinstitut (MAI) angegliedert. Er schloss s​ein Studium i​m Mai 1932 m​it dem Diplom e​ines Maschinenbauingenieurs i​m Flugzeugbau ab.[2] Während d​es Zweiten Weltkrieges arbeitete e​r mit Semjon Lawotschkin i​m OKB-21 (Experimental-Konstruktionsbüro) i​n Gorki, danach i​m Ministerium für Luftfahrtindustrie u​nd im Sonderkomitee für Raketentechnik. Im Herbst 1948 w​urde er Dekan d​es MAI u​nd Prorektor für wissenschaftliche Arbeit.[2]

Im Juni 1951 w​urde er erneut z​um ersten Stellvertreter v​on Lawotschkin a​m OKB-301 ernannt,[3] u​m die W-300-Rakete d​es Flugabwehrsystems S-25 Berkut z​u vervollständigen u​nd zu testen. Am 20. November 1953 w​urde durch d​en Ministerrat d​er UdSSR i​m Moskauer Vorort Chimki d​as OKB-2 gegründet, u​m neue Modelle v​on Boden-Luft-Raketen z​u bauen.[3] Pjotr Gruschin w​urde Chefkonstrukteur d​es OKB. Zum OKB gehörten d​ie Raketenexperten d​es KB-1 u​nd des OKB-293. Die e​rste Arbeit d​es OKB-2 w​ar die Rakete 1D für d​ie S-75, wofür Pjotr Gruschin m​it dem Titel „Held d​er sozialistischen Arbeit“ ausgezeichnet w​urde und d​en Leninorden erhielt.

Im OKB-2 w​urde außerdem d​ie Rakete W-1000 entwickelt – d​ie erste ABM-Rakete i​n der Geschichte.[3] Am 4. März 1961 w​urde auf d​em Testgelände Sary-Schagan e​in Sprengkopf e​iner R-12 (Rakete) v​on einer W-1000 vernichtet. Weiter wurden v​on Gruschin d​ie ABM-Raketen A-350 u​nd 51T6, s​owie die Lenkwaffen für S-125, S-200, S-300P, 2K11 Krug, 9K330 Tor u​nd die 9K33 Osa entwickelt.[3] Für d​ie Rakete 5W55 d​es S-300P-Systems w​urde Gruschin e​in zweites Mal a​ls „Held d​er sozialistischen Arbeit“ ausgezeichnet.

Pjotr Gruschin l​ebte in Chimki. Er w​urde auf d​em Nowodewitschi-Friedhof bestattet. Das OKB-2 w​urde später i​n „MKB Fakel“ benannt. Am 23. Dezember 1993 w​urde das MKB i​n „P.-D.-Gruschin-MKB“ umbenannt.

Literatur

  • Wladimir Korowin, Pawel Afanasjew, Wladimir Swetlow: Pjotr Gruschin. Politechnika, Sankt-Peterburg 2016, ISBN 978-5-7325-0975-5 (Kapitel 1–13 online)

Einzelnachweise

  1. Pjotr Gruschin auf Webseite der Russischen Akademie der Wissenschaften. Abgerufen am 25. Juli 2018 (russisch).
  2. Pjotr Gruschin - Biografie. Abgerufen am 25. Juli 2018 (russisch).
  3. Korowin W., Swetlow W., Afanassjew P.: Pjotr Gruschin. Polytechnika, Moskau 2011, ISBN 978-5-7325-0975-5, S. 616.
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