Mull of Kintyre

Mull of Kintyre
Vereinigtes Königreich

Das Mull o​f Kintyre (schottisch-gälisch Maol Chinn Tìre, Aussprache: [mɯːlˠ̪ çiɲˈtʲʰiːɾʲə]; mull i​n Schottland für Kap, Vorgebirge; v​on schottisch-gälisch maol = „kahl“) i​st das Irland a​m nächsten liegende Kap i​m Süden d​er schottischen Halbinsel Kintyre westlich v​on Glasgow.

Der südlichste Punkt d​er Halbinsel heißt Rubha Chlachan. Von d​ort aus erstreckt s​ich die Halbinsel 70 Kilometer (mit Knapdale e​twa 90 Kilometer) n​ach Norden. Vom Kap a​us ist d​ie nördliche Küste v​on Antrim i​n Nordirland m​it den Rathlin Island z​u sehen. Die Felsinsel Ailsa Craig i​st im Osten d​es Kaps z​u sehen.

Hubschrauberunfall

Am 2. Juni 1994 wurde ein Chinook-Hubschrauber der britischen Royal Air Force (RAF) mit dem Luftfahrzeugkennzeichen ZD576 am Mull of Kintyre ins Gelände geflogen.[1] Bei diesem CFIT (Controlled flight into terrain) wurden alle 29 Insassen getötet, vier Besatzungsmitglieder und 25 Passagiere (darunter fast alle führenden Nordirland-Experten des Vereinigten Königreiches).[2] Nachdem ein RAF-Untersuchungsausschuss 1995 zunächst erklärt hatte, dass es keinen eindeutigen Grund für den Unfall finden könne, wiesen zwei Air Marshals die Schuld den Piloten zu, die bei dichtem Nebel zu schnell und zu niedrig geflogen seien. Diese Beurteilung führte in der Folge zu Kontroversen und Forderungen, den Vorfall neu zu untersuchen.[3] Im Jahr 2002 widersprach ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Schuldzuweisung.[4] Im Jahr 2008 erklärte der damalige britische Verteidigungsminister John Hutton, dass eine neue Untersuchung ergeben hätte, dass doch ein Pilotenfehler vorgelegen habe.[5] Zweifel kamen auf, als Mängel an der Software des Bordcomputers des Hubschraubers bekannt wurden.[6] Im Juli 2011 entschuldigte sich der damalige Verteidigungsminister Liam Fox bei den Familien der Piloten für die Schuldzuweisung und erklärte, dass es keinen Beweis dafür gebe, dass die Piloten fahrlässig gehandelt hätten.[7]

Sonstiges

Auf d​er Spitze befindet s​ich der 1788 errichtete Leuchtturm Mull o​f Kintyre Lighthouse.[8]

Das Kap w​urde 1977 weltweit bekannt, a​ls Paul McCartney u​nd seine Band Wings d​en Song Mull o​f Kintyre veröffentlichten.

Der Mull-of-Kintyre-Test w​ar eine inoffizielle Faustregel d​er britischen Filmzensur, d​ie bis 2003 Bestand hatte. Danach durfte i​n einem Film k​eine Erektion z​u sehen sein, b​ei der e​in Penis e​inen höheren Winkel z​ur Senkrechten bildete a​ls die (auf e​iner Landkarte penisähnlich aussehende) Kintyre-Halbinsel z​um schottischen Festland.[9][10]

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Literatur

  • Anthony Bowles: Chinook crash. By Steuart Campbell. Pen and Sword Books, Barnsley, 2004. ISBN 1 84415 074 7. In: Weather. Band 60, Nr. 3, März 2005, ISSN 0043-1656, S. 82–82, doi:10.1256/wea.233.04.
  • Andrew Brookes: Flights to Disaster. Ian Allan, 1996, ISBN 0-7110-2475-8, S. 58 f.

Einzelnachweise

  1. Unfallbericht Boeing CH-47 ZD576, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 19. Februar 2022.
  2. James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 244.
  3. Campaigners want Chinook review. news.bbc.co.uk; abgerufen am 8. Februar 2016.
  4. Chinook ZD 576 – Report. parliament.uk; abgerufen am 8. Februar 2016.
  5. Dead Chinook pilots not cleared. news.bbc.co.uk; abgerufen am 8. Februar 2016.
  6. Chinook crash “may have been caused by software faults”. news.bbc.co.uk; abgerufen am 8. Februar 2016.
  7. Apology as Mull of Kintyre Chinook crash pilots cleared. news.bbc.co.uk; abgerufen am 8. Februar 2016.
  8. Mull of Kintyre Lighthouse. Northern Lighthouse Board
  9. Media: The censor goes public. In: The Independent, 8. Juni 1999; abgerufen am 13. März 2009
  10. WH Smith suffers from video nasties (Memento des Originals vom 28. Dezember 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vnunet.com vnunet.com; abgerufen am 13. März 2009
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