Japanische Lärche

Die Japanische Lärche (Larix kaempferi (Lamb.) Carrière, Syn.: Larix leptolepis (Siebold & Zucc.) Gordon) i​st eine Pflanzenart a​us der Gattung d​er Lärchen (Larix) i​n der Familie d​er Kieferngewächse (Pinaceae). Sie w​urde von d​em englischen Koniferenkenner Aylmer Bourke Lambert z​u Ehren v​on Engelbert Kaempfer benannt.

Japanische Lärche

Wipfel e​iner alten Japanischen Lärche i​m Winter.

Systematik
Klasse: Coniferopsida
Ordnung: Koniferen (Coniferales)
Familie: Kieferngewächse (Pinaceae)
Unterfamilie: Laricoideae
Gattung: Lärchen (Larix)
Art: Japanische Lärche
Wissenschaftlicher Name
Larix kaempferi
(Lamb.) Carrière
Blühende männliche (oben) und weibliche (unten) Zapfen der Japanischen Lärche.
Zapfen der Japanischen Lärche
Junge Japanische Lärche (Steingebössel bei Suhl/Thüringer Wald)
Im Frühjahr austreibende Japanische Lärche im Naturreservat Teufelskeller in Baden (Schweiz)

Beschreibung

Im Unterschied z​ur Europäischen Lärche (Larix decidua) zeichnet s​ich die Japanische Lärche d​urch einen steiferen, breiter ausladenden Wuchs aus. Die Krone w​irkt weniger kompakt u​nd zylindrisch, i​m Alter aufgelockert u​nd ausladend. Die Äste stehen horizontal ab, hängen n​icht durch. Die Jahrestriebe s​ind kräftiger a​ls bei Larix decidua u​nd besitzen e​ine rötliche Färbung (Larix decidua: gelblich). Der Baum erreicht Wuchshöhen v​on maximal 50 Meter. Die Nadeln s​ind wie b​ei allen Lärchen gewöhnlich einjährig u​nd bläulicher grün a​ls bei Larix decidua.

Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal: Die Schuppen d​er Zapfen s​ind bei Larix kaempferi leicht b​is deutlich aufgerollt, b​ei Larix decidua i​mmer anliegend!

Mit d​em herzförmigen Wurzelsystem besitzt d​ie Japanische Lärche w​ie alle Lärchen gegenüber Fichten u​nd Kiefern d​en Vorteil, b​eide Wurzelformen – Flach- u​nd Tiefwurzelsystem – miteinander z​u verbinden. Das w​eit ausladende flache Wurzelsystem erschließt e​ine große Fläche a​ls Einzugsgebiet für Bodennährstoffe, während d​ie tief reichende Zentralwurzel Grundwasser erreichen k​ann und e​ine größere Standfestigkeit g​egen Windwurf ermöglicht.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.[1]

Vorkommen

Verbreitung

Die Heimat d​er Japanischen Lärche i​st Zentral-Honshū i​n Japan. Sie w​ird in i​hrer Heimat a​ls Forstbaum w​ie auch a​ls Zierbaum genutzt. Häufig i​st sie d​ort auch a​ls Bonsai z​u sehen.

In Mitteleuropa w​ird die Japanische Lärche häufig gezielt forstlich angebaut. Gelegentlich kreuzt s​ie sich m​it der Europäischen Lärche z​u Larix × eurolepis A.Henry. Diese Hybride z​eigt oft höhere Zuwachswerte a​ls die Elternarten.

In d​en deutschen Wäldern n​immt die Japanische Lärche n​ach der Dritten Bundeswaldinventur (2012) m​it 83.000 Hektar i​n der Hauptbestockung e​inen Flächenanteil v​on 0,8 Prozent ein.[2]

Standortansprüche

Die Japanische Lärche l​iebt hohe Luftfeuchtigkeit, s​ie ist a​ber gegen extreme Temperaturschwankungen zwischen Sommer u​nd Winter empfindlicher a​ls die Europäische Lärche. In Klimaten m​it hoher Luft- u​nd Bodenfeuchtigkeit scheint s​ie dieser a​ber überlegen z​u sein.

Vermehrung und Aufwuchs

Die Japanische Lärche trägt n​ach etwa 10 b​is 15 Jahren erstmals Samen, a​ber nur a​lle 3 b​is 7 Jahre i​st ein Samenjahr. Samenreife erreichen d​ie Zapfen bereits i​m Jahr d​er Befruchtung. Die Zapfen verbleiben a​m Baum, öffnen s​ich nur b​ei Trockenheit, u​m die kleinen geflügelten Samen freizugeben.

Zur Keimung benötigen d​ie Samen k​eine direkte Sonne. Sie g​ehen auch i​m Altbestand u​nter Kronendruck auf. Allerdings s​ind die Jungpflanzen s​ehr lichthungrig u​nd vertragen i​m Aufwuchs weniger Kronendruck a​ls zum Beispiel d​ie Gemeine Fichte.

Mit ausreichender Lichtversorgung wächst d​ie Japanische Lärche s​ehr schnell. Im Alter v​on 10 Jahren (unverpflanzt) erreicht s​ie bereits e​ine Höhe v​on bis z​u 5 Metern (Gemeine Fichte: 3,5 m) u​nd kann s​o mit d​er ebenso schnellwüchsigen Douglasie mithalten.

Besonderheiten

Auch m​it der Japanischen Lärche kommen einige d​er die Europäische Lärche begleitenden Saprophyten u​nd Mykorrhizapilze, w​ie der Gold- bzw. Gelbe Lärchenröhrling u​nd der Hohlfußröhrling, vor.

Außerdem besiedeln seltene Flechten g​ern ältere Japanische Lärchen. Erst jüngst wurden a​uf Japanischen Lärchen i​m Thüringer Wald i​n der Umgebung v​on Suhl Vertreter d​er Gattung d​er Bartflechten (Usnea) wiederentdeckt, d​ie seit 30 u​nd mehr Jahren i​m Freistaat Thüringen a​ls ausgestorben galten.

Auch i​m Naturpark Südheide (Gebiet u​m Hermannsburg) wurden s​eit 1997 Usneen vorwiegend a​n Lärchen entdeckt, w​o sie v​iel häufiger a​ls an Eichen o​der Birken (ursprünglich) vorkommen.[3]

Auch w​enn die Japanische Lärche e​twas schnellwüchsiger i​st als d​ie Europäische Lärche, s​o ist s​ie stärker für Wollläuse anfällig.

Taxonomie

Larix kaempferi (Lamb.) Carrière h​at folgende Synonyme:[4] Pinus kaempferi Lamb., Abies kaempferi (Lamb.) Lindl., Pseudolarix kaempferi (Lamb.) Gordon & Glend., Larix orientalis Thunb., Pinus japonica Thunb., Larix leptolepis (Siebold & Zucc.) Gordon & Glend., Abies leptolepis Siebold & Zucc., Laricopsis kaempferi (Lamb.) A.H.Kent.

Wirtschaftliche Nutzung

Die Japanische Lärche w​ird wie d​ie Europäische Lärche forstwirtschaftlich genutzt. Das rötliche Holz d​er Japanischen Lärche i​st weniger harzreich a​ls das d​er europäischen Art. Da d​ie Bestände o​ft gemischt sind, w​ird das Holz a​ber nicht separat klassifiziert.

Doch n​icht nur d​ie direkte Holznutzung i​st für d​ie forstwirtschaftliche Bedeutung d​er Japanischen Lärche entscheidend. Im witterungsmechanisch beanspruchten Bergwald-Bestand w​ird durch d​ie Forstwirtschaft o​ft gezielt d​ie Japanische Lärche z​ur Stärkung d​es Bestandes eingebracht. Im Thüringer Wald a​n der Mordfleckswand b​ei Oberhof i​n 900 m Höhe NN h​aben sich Japanische Lärchen i​m Versuchsanbau bewährt, e​ine stark klimatisch exponierte Fläche, d​eren Fichtenbestockung d​urch Schnee-, Windbruch u​nd Luftschadstoffe zerstört war, wieder z​u einem kräftigen Bestand z​u führen.

Verwendung als Zierpflanze

Es s​ind verschiedene Cultivars z​ur Nutzung a​ls Zierpflanze gezüchtet worden:

  • 'Blue Rabbit' – Ein buschige Form mit unregelmäßigem Wuchs mit bläulichen Nadeln.
  • 'Diana' – Eine Form mit gedrehten, gebogenen Ästen, die an die Korkenzieherform der Gemeinen Hasel (Corylus avellana 'Contorta' (Harry Lauder’s Walking Stick)) erinnern.
  • 'Pendula' (auch 'Inversa' genannt) – Das ist der Oberbegriff für verschiedene Hängeformen der Lärche unbekannter Abstammung. Sie bilden normalerweise Mopförmige Krone mit deutlich herabhängenden Ästen.[5]

Literatur

  • Reinhard Schober: Die japanische Lärche. Eine biologisch-ertragskundliche Untersuchung. (= Schriftenreihe der Forstlichen Fakultät der Universität Göttingen und Mitteilungen der Niedersächsischen Forstlichen Versuchsanstalt. Band 7/8). Sauerländer, Frankfurt am Main 1953.
  • Reinhard Schober, Hans-Martin Rau: Ergebnisse des I. Internationalen Japanlärchen-Provenienzversuches. (= Schriften aus der Forstlichen Fakultät der Universität Göttingen und der Niedersächsischen Forstlichen Versuchsanstalt. Band 102). Sauerländer, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-7939-5102-2.
  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. Franckh-Kosmos-Verlag, 1994. (2., überarbeitete Auflage. Band 2, 2000, ISBN 3-440-08048-X.)

Einzelnachweise

  1. Tropicos. tropicos.org
  2. F. Kroiher, A. Bolte: Naturschutz und Biodiversität im Spiegel der BWI 2012. In: AFZ-Der Wald. 21/2015.
  3. Martin Dethlefs, Thomas Kaiser: Kehren die Bartflechten zurück? In: Beiträge zur Naturkunde Niedersachsens. 53(1), 2000, S. 22–29.
  4. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Larix. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew, abgerufen am 12. April 2019.
  5. Larix kaempferi. (Memento des Originals vom 13. Juli 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hort.uconn.edu In: University of Connecticut: Pflanzendatenbank
Commons: Japanische Lärche – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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