Gesellschaft der Schildner zum Schneggen

Die Gesellschaft d​er Schildner z​um Schneggen i​st eine u​m 1380 gegründete u​nd noch h​eute bestehende Stubengesellschaft i​n der Stadt Zürich i​n der Schweiz.[1]

Das Haus der Gesellschaft der Schildner zum Schneggen im Jahr 2013
Aus Holz geschnitzte Schnecke über dem Türsturz des Eingangs des Gesellschaftshauses

Geschichte

Die Gesellschaft umfasste Mitglieder a​us den regierenden u​nd einflussreichen Familien, a​lso Würdenträger a​us Zünften, Konstaffel u​nd Regiment. Zeichen d​er Zugehörigkeit w​ar ein Schild. Dieser konnte vererbt, verkauft o​der verschenkt werden. Normalerweise k​am ein Schild d​urch Erbgang v​om Vater a​uf den Sohn. Bei Kauf, Tausch o​der Schenkung d​er Schilde entschieden d​ie Mitglieder d​er Gesellschaft über Aufnahme o​der Ablehnung v​on neuen Schildnern. Die Zahl d​er Mitglieder i​st seit d​em Mittelalter a​uf 65 beschränkt.[2]

Das Haus d​er Gesellschaft l​iegt in d​er Schneggengasse i​n der Altstadt v​on Zürich rechts d​er Limmat. «Es w​ird zum Schneggen genannt, u​nd ist e​ine offene Trinkstube für d​ie Ratsherren u​nd andere angesehne Leute, absönderlich d​er s. g. Böcke o​der Schwertler, welche i​m Kriege d​er Eidgenossen w​ider Zürich s​ich zusammen gethan hatten, u​m durch tapfere Ausfälle u​nd Raubzüge d​em Feinde Schaden u​nd Abbruch z​u thun. Sie nannten s​ich auch d​ie Schildner z​um Schneggen, w​eil sie a​llda ihre Wappenschilde o​der Zeichen aufgeteilt hatten, u​nd stieg i​hre Zahl b​is auf sechzig.»[3]

Wie g​ross der politische Einfluss d​er Gesellschaft d​er Schildner z​um Schneggen ursprünglich einmal war, i​st daran z​u erkennen, d​ass bis 1798 m​ehr als d​ie Hälfte a​ller Bürgermeister d​er Stadt Zürich Schildner w​aren und n​och im Jahr 1830 46 d​er insgesamt 65 Mitglieder d​er Gesellschaft i​m Kantonsrat sassen.[4]

Die Gesellschaft Schildner zum Schneggen wurde um 1380 als private Patriziergesellschaft des Zürcher Patriziats gegründet und ist damit der älteste Verein Zürichs. Das 1866 neu gebaute Gesellschaftshaus am Limmatquai 64/66 hat folgende Baugeschichte. Als Architekt wurde der erfahrene Leonhard Zeugheer (1812–1866) beauftragt. Er entwarf das Gebäude zusammen mit dem jungen deutschen Architekten Georg Lasius (1835–1928), der später eine Professur an der ETH hatte. Bemerkenswert ist, dass mit dem Innenausbau (Gustav) Adolph Brunner (1837–1909) aus Riesbach beauftragt wurde. Dieser kam gerade von seinen Lehr- und Wanderjahren aus Paris nach Zürich zurück. Damit war sichergestellt, dass die Einrichtung der Säle der neusten Pariser Mode entsprach. Ausschlaggebend dürfte jedoch seine Mitarbeit bei Émile Boeswillwald (1815–1896) gewesen sein, der seit 1860 Generalinspektor der Monuments historiques unter Eugène Viollet-le-Duc war. So gestaltete Adolph Brunner die Einrichtung dann auch unter Wieder-Verwendung von Teilen aus den älteren Gesellschaftshäuser zum Schneggen. Gemeinsam mit seinem Bruder Fritz führte er von 1865 bis 1886 in Zürich das Architekturbüro Adolph und Fritz Brunner, welches nach diesem Erstlingswerk für den grössten Teil der Bebauungen im Bellerivequartier und der unteren Bahnhofstrasse zuständig war und damit Zürich einen wesentlichen Teil seines heutigen Aussehens verlieh. Das Gesellschaftshaus zum Schnegg befindet sich nicht zufälligerweise in nächster Nähe zum Zürcher Rathaus. Auf diese Art und Weise wollte die Gesellschaft auch ihren Einfluss auf die stadtzürcherische Politik demonstrieren.

Mitglieder (Auswahl)

  • Hans Waldmann, Ritter (1435–1489)
  • Hans Heinrich Lochmann (1538–1589), Geschäftsmann
  • Mitglieder der Familie Werdmüller besassen ab 1545 ein Schild und anfangs 18. Jahrhundert fünf Schilde gleichzeitig
  • Mitglieder der Familie Hirzel waren seit 1582 (Beat 1537–1614) vertreten, Ende des 18. Jahrhunderts mit sechs Schilden
  • Johann Heinrich Waser (1600–1669), Bürgermeister von Zürich und Obmann der Gesellschaft
  • Hans Caspar Hirzel (1617–1691), Bürgermeister von Zürich und Obmann der Gesellschaft
  • Hans Conrad Escher (vom Luchs) (1743–1814), Zürcher Politiker, Bürgermeister und Tagsatzungspräsident 1814
  • Johann Jakob Meyer (1763–1819), Offizier und Politiker
  • Johann Jakob Pestalozzi (1785–1849), Professor für Kirchengeschichte und Katechetik an der Universität Zürich
  • Franz Hagenbuch (1819–1888), Politiker (Liberale), Regierungsrat des Kantons Zürich von 1856 bis 1869
  • Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898), Dichter
  • Emil Landolt (1895–1995), Stadtpräsident von Zürich[5]
  • Alex Rübel (* 1955), von 1991 bis 2020 Direktor des Zürcher Zoos
  • Conradin Cramer (* 1979), Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt

Quellen

  • Hans Jakob Leu: [Lemma Böck], in: Ders.: Allgemeines helvetisches, eydgenössisches, oder schweitzerisches Lexicon. Zürich 1750, IV. Theil, Bi bis Ca, S. 168–169. Digitalisat

Literatur

Commons: Gesellschaft der Schildner zum Schneggen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Nach Angabe von Bürgermeister Waser geht die Gesellschaft auf den Alten Zürichkrieg und das Jahr 1437 zurück. Joh. Henrici Waseri de vita sua. Tomus I. ZB Ms. A 132, S. 229 f. (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv archive.today)
  2. Emil Usteri: Schildner zum Schneggen. Geschichte einer altzürcherischen Gesellschaft. Zürich 1960, S. 45ff.
  3. Allgemeine Literatur-Zeitung, Nr. 153 vom August 1829. Zit. nach Arthur Dürst, siehe Literatur.
  4. Rea Brändle: Glanz und Gloria der Schneggen. In: Tages-Anzeiger, 18. Juli 2002, S. 51.
  5. Helene Arnet: Die Suche nach dem Zürcher Adel. In: Tages-Anzeiger, 27. Dezember 2013, S. 11.

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