Geheimdienste des Irak

Die Geheimdienste d​es Irak w​aren von 1932 b​is 2003 zivile u​nd militärische Nachrichtendienste d​es Irak. Seit 2004 besteht wieder e​in irakischer Geheimdienst.

Anfänge

Erste Anfänge einer Geheimpolizei ist die 1917 mit britischer Hilfe gegründete Spezialeinheit zur Verbrechensbekämpfung (CID). 1932, mit dem Ende des Britischen Mandats Mesopotamiens, erlangte der Irak seine Unabhängigkeit. Der militärische Teil der Geheimpolizei, Leiter war ein Brite, existierte vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Palästinakrieg. 1948 wurde der Dienst reorganisiert, in Directorate of Military Intelligence (DMI) umbenannt und dem irakischen Verteidigungsministerium unterstellt. 1957 wurde der DMI mit dem neu reaktivierten Teil des CID zu einer Geheimdiensteinheit, der Mudīriyyat al-Amn al-ʿĀmma (Directorate of General Security, kurz DGS), nun dem Innenminister unterstehend, zusammengelegt.[1]

1969–1973

Neben dem allgemeinen Geheimdienst DGS gründete 1969 die nun an der Macht gekommene Baath-Partei das Maktab al-ʿAlāqāt al-ʿĀmma (Public Relation Bureau, kurz PBS), einen eigenen Sicherheitsapparat der Baath-Partei, der direkt dem Stellvertreter des revolutionären Kommandorats, Saddam Hussein, unterstand. 1973 wurde das PBS neuorganisiert und in Mudīriyyat al-Muchābarāt al-ʿĀmma (Directorate of General Military Intelligence, kurz DMI) umbenannt. Das DMI unterstand nun direkt dem jeweiligen Verteidigungsminister, der damit den bis zu 4.000 Agenten umfassenden und für den militärischen Bereich wichtigsten Geheimdienst kontrollierte.[1]

Am 30. Juni 1973 verübt d​er schiitische Leiter d​es DGS, General Nadhim Kazar (auch Nazim Qasar) e​inen Putschversuch g​egen Ahmad Hasan al-Bakr u​nd Saddam Hussein. Die Verschwörung w​urde aufgedeckt, Kazar u​nd seine Anhänger getötet.[2][3] Nach diesem Putschversuch w​ird das DGS m​it Hilfe d​es KGB reformiert.[4]

1983–2003

1983 strukturierte Saddam Hussein den Geheimdienst, der aus zwei Hauptrichtungen (Militär und Zivil) bestand, neu. Um Attentate vorzubeugen, hatte er seine beiden engsten Vertrauten, sein Sohn Uday Hussein sowie sein Schwiegersohn Hussein Kamel als „Wachhunde“ der Sicherheitsorganisation des Präsidenten (Presidential Security Organization). Diesen unterstand das Büro der Nationalen Sicherheit (Office of National Security), das die anderen Geheimdienste koordinierte und überwachte.[1] 1984 entstand aus dem DGS der Dschihāz al-Muchābarāt al-ʿIrāqī (Iraqi Intelligence Service, kurz IIS), zuständig für Wirtschaft, Politik und Gegenspionage. Der IIS wird der größte Geheimdienst des Irak mit bis zu 8000 Agenten. Die Leiter der wichtigsten Geheimdienste (IIS, DMI) besetzte Saddam Hussein stets mit Verwandten oder Mitgliedern seines Clans aus Tikrit.[5] Ebenso tauschte Saddam Hussein mehrfach die Führungspositionen (militärisch/zivil, ONS/IIS) und nahm Umorganisationen vor.

Als wichtigste Schlüsselpersonen u​nd bekannte Leiter d​es irakischen Geheimdienst (DGS/IIS) gelten:

Auflösung

Mit Order No 2 löste Paul Bremer a​m 23. Mai 2003 a​uch den irakischen Geheimdienst auf.[6]

Neuanfang 2004

Durch Order No 69 v​om 1. April 2004 w​urde der n​eue irakische Geheimdienst (Iraqi National Intelligence Service, k​urz INIS; arabisch جهاز المخابرات الوطني العراقي Dschihāz al-Muchābarāt al-Watanī al-ʿIrāqī, DMG Ǧihāz al-Muḫābarāt al-Waṭanī al-ʿIrāqī) gegründet.[7] Erster Direktor d​es INIS w​urde Mohammed Abdullah al-Shahwani, e​in sunnitisch-irakischer Turkmene. Von Juni 2016 b​is April 2020 w​ar Mustafa Al-Kadhimi Direktor d​es Geheimdienstes.

Galerie

Einzelnachweise

  1. National Security Archive (PDF-Datei; 781 kB) „Central Intelligence Agency: Iraq, Foreign Intelligence and Security Services, August 1985. Secret.“, abgerufen am 31. Januar 2013
  2. TALIB MURAD ALI ELAM: IRAQ 1969-NADHIM KAZAR. In: talibelam.coml. TALIB MURAD ALI ELAM, 4. Juni 2011, abgerufen am 31. Januar 2013 (englisch).
  3. Ibrahim Al-Marashi: Iraq's Armed Forces. Routledge Chapman & Hall, 2008, ISBN 978-041540-078-7, S. 119
  4. Walter Posch: Irak unter Saddam Hussein (PDF-Datei; 1,6 MB) abgerufen am 31. Januar 2013
  5. Amatzia Baram: Auf die Leibwächter kommt es an. Warum ist Saddam Hussein immer noch an der Macht? In: Der Überblick, Jg. 31 (1995), Heft 4, S. 64–66, hier S. 64.
  6. iraqcoalition.org (Memento vom 12. Oktober 2005 im Internet Archive) (PDF-Datei; 200 kB) „Order No 2“, abgerufen am 31. Januar 2013
  7. iraqcoalition.org (PDF-Datei; 330 kB) „Order No 69“, abgerufen am 31. Januar 2013
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