Liste der Attentate auf Saddam Hussein

In d​er Liste d​er Attentate a​uf Saddam Hussein werden Attentate u​nd Putschversuche a​uf Saddam Hussein, d​er von 1979 b​is 1991 u​nd von 1994 b​is 2003 irakischer Premierminister w​ar und d​as Land d​abei diktatorisch regierte, aufgeführt.

Hintergrund

Auf Saddam Hussein wurden s​eit 1973 mindestens 16 Attentate verübt. Immer wieder, selbst a​us seinem innersten Zirkel, wurden Attentate o​der Putschversuche vermeldet. Aus Angst v​or Anschlägen entwickelte Saddam Hussein e​in System v​on Doppelgängern für sich[1] u​nd seine Familie[2] u​nd benutzte a​us Furcht k​aum oder völlig unregelmäßig s​eine Paläste.[3] Verschiedene Quellen berichten, e​r habe selten m​ehr als e​ine Nacht a​n einem Ort geschlafen u​nd nachts d​en Aufenthaltsort überraschend gewechselt. Seine Wege u​nd Termine sollen keinem Muster gefolgt sein. Menschen, Gegenstände o​der Lebensmittel, d​ie ihm nahekamen, sollen a​uf Gefahren (Waffen, Gifte, Sprengstoffe etc.) überprüft worden sein.[4]

Liste

Die Liste d​er Attentate a​uf Saddam Hussein k​ann keinen Anspruch a​uf Vollständigkeit erheben, d​a nur d​ie öffentlich gewordenen Attentate Erwähnung finden können.

Datum Beschreibung
30. Juni 1973 Der schiitische Sicherheitschef General Nadhim Kazar[5] unternimmt einen Putschversuch gegen Ahmad Hasan al-Bakr und Saddam Hussein. Die Verschwörung wird aufgedeckt, Kazar und seine Anhänger werden getötet.[6][7] Nach diesem Putschversuch wird der irakische Geheimdienst mit Hilfe des KGB reformiert.[8]
8. Juli 1982 Die Islamische Dawa-Partei bereitet einen Anschlag während eines Besuchs in der Stadt Dudschail vor. Mit Maschinengewehren und RPG-7 wird die Wagenkolonne von Saddam Hussein angegriffen. Zehn seiner Leibwächter sterben, sein Wagen wird getroffen, er bleibt jedoch unverletzt.[9][8] Anschließend werden über 600 Dorfbewohner festgenommen, 148 Inhaftierte vermutlich hingerichtet.[10] Das Massaker war der erste von zwölf Anklagepunkten gegen Hussein im Prozess 2005–2006.
1983 Barzan Ibrahim at-Tikriti veröffentlicht das Buch „Assassination Attempts on the Life of President Saddam Hussein“ und zählt darin sieben (ohne Dudschail) vereitelte Anschläge auf Saddam Hussein auf.[11]
1984 Innerhalb der Streitkräfte des Irak gibt es einen Putschversuch, Grund dafür ist seine Kriegsführung im Ersten Golfkrieg. Ein Saddam-Hussein-Double wird dabei erschossen.[8]
9. April 1987 In Mossul wird ein Anschlag auf die Wagenkolonne von Saddam Hussein verübt, er bleibt unverletzt, seine Leibwächter werden getötet. Der Anschlag fällt auf den Jahrestag der Ermordung von Muhammad Baqir as-Sadr.[12]
1990 Angehörige des Stammes Dschubbur[13] wollen Saddam Hussein ermorden, auch dieser Anschlag wird verhindert.[8]
1991 Nicht genau definierter Anschlag.[8]
1992 Die Wagenkolonne Saddam Husseins gelangt in einen Hinterhalt.[8]
Juli 1996 Der 1995 nach Jordanien geflüchtete Schwiegersohn von Saddam Hussein, Hussein Kamil Hassan und sein Bruder Saddam Kamil Hassan[14] nehmen im Exil Kontakt zu der in London gegründeten Partei Iraqi National Accord (INA) von Iyad Allawi auf. Der im Juli 1996 gestartete Putschversuch scheitert, da es Saddam Husseins Geheimdienst zuvor gelungen war, den INA zu unterwandern.[15][8]
1997 Ein Putschversuch durch Parteimitglied Ahmad Taha, der Saddam Hussein 1959 das Leben gerettet hatte, misslingt.[16] Taha, mitbeteiligte Parteimitglieder und Generäle werden hingerichtet.[8]
30. September 2002 Ein Luftwaffenpilot der irakischen Luftwaffe versucht, mit einer MiG-23 den Präsidentenpalast, in dem sich Saddam Hussein aufhält, zu bombardieren. Das Flugzeug wird von einer Luftabwehrrakete der Republikanischen Garde abgeschossen. Die Offiziere der Basis wurden langen Verhören unterzogen, der Pilot vor den Augen der Belegschaft des Stützpunktes verbrannt.[8]

Einzelnachweise

  1. spiegel.de vom 26. September 2002 „Die Doppelgänger des Saddam Hussein“, abgerufen am 5. Januar 2013
  2. Vergl.: Latif Yahia
  3. spiegel.de vom 14. Dezember 2003 „Luxus im Saddam-Clan“, abgerufen am 5. Januar 2013
  4. heise.de „Saddam ist nicht einer, sondern viele“, abgerufen am 5. Januar 2013
  5. auch Kazzar
  6. TALIB MURAD ALI ELAM: IRAQ 1969-NADHIM KAZAR. In: talibelam.coml. TALIB MURAD ALI ELAM, 4. Juni 2011, abgerufen am 5. Januar 2013 (englisch).
  7. Ibrahim Al-Marashi: Iraq's Armed Forces. Routledge Chapman & Hall, 2008, ISBN 978-041540-078-7, S. 119
  8. Walter Posch: Irak unter Saddam Hussein (PDF; 1,7 MB) abgerufen am 5. Januar 2013
  9. Dilip Hiro: The Longest War. The Iran-Iraq Military Conflict. New York: Routledge Chapman & Hall, Inc., 1991, ISBN 0-415-90407-2, S. 65, 66
  10. spiegel.de vom 5. November 2006 „Das Massaker von Dudschail“, abgerufen am 5. Januar 2013
  11. Dilip Hiro: The Longest War. The Iran-Iraq Military Conflict. New York: Routledge Chapman & Hall, Inc., 1991, ISBN 0-415-90407-2, S. 98
  12. Dilip Hiro: The Longest War. The Iran-Iraq Military Conflict. New York: Routledge Chapman & Hall, Inc., 1991, ISBN 0-415-90407-2, S. 197
  13. auch Jubur. Vergl. Jesmeen Khan: terrorismanalysts.com „The Iraqi Tribal Structure“, abgerufen am 5. Januar 2013
  14. Der Spiegel 34/1995, abgerufen am 5. Januar 2013.
  15. zeit.de „Die Ehre Saddams“, abgerufen am 5. Januar 2013
  16. In der Folge eines misslungenen Attentats auf Premierminister Qasim im Jahre 1959, war Saddam Hussein gezwungen, nach Ägypten zu fliehen. Er wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
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