Fritz Prieger

Fritz Prieger, Deckname Franz Kuhle, (* 18. September 1877[1] i​n Wiesbaden; † n​ach 1925) w​ar ein deutscher Seeoffizier, zuletzt i​m Rang e​ines Fregattenkapitäns, u​nd Unterabteilungsleiter d​er Nachrichten-Abteilung N i​m Admiralstab i​m Ersten Weltkrieg.

Leben

Fritz Prieger w​urde als Sohn v​on Carl Prieger (1831–1890), Nachfahre v​on Johann Erhard Prieger u​nd Onkel v​on Erich Prieger, u​nd dessen Ehefrau Flora, geb. Kovatsch (geboren 1852 i​n Wien) i​n Wiesbaden geboren.

Nach d​em Schulbesuch t​rat er a​ls Seekadett Anfang April 1896 i​n die kaiserliche Marine e​in und besuchte d​en Offizierkurs d​er Marineschule i​n Kiel.[2] Es folgte 1904 s​ein Einsatz i​m Range e​ines Oberleutnant z​ur See a​ls Kompanieoffizier b​ei der IV. Matrosenartillerie-Abteilung i​n Cuxhaven. 1907 w​ar er a​ls Kapitänleutnant Kommandant d​es Torpedobootes S 128 d​er der II. Halb-Flottille.[3] Zusätzlich w​ar er Kompanieoffizier b​ei der IV. Reserve-Halb-Flottille.[4] 1909/1910 w​ar er a​ls Erster Offizier m​it dem Kleinen Kreuzer Seeadler i​m Ausland für d​ie Ostafrikanischen Station unterwegs u​nd war parallel a​n der Marineakademie.[5] 1911 w​ar er z. V. b​ei der II. Marineinspektion.[6]

Noch v​or Ausbruch d​es Ersten Weltkrieges w​urde Fritz Prieger 1912 i​n den Admiralstab d​er Marine n​ach Berlin[1] kommandiert. Ab Dezember 1913 w​ar er m​it der Leitung d​er Unterabteilung NI d​es Nachrichtenbüros (N) betraut.[1][7] Die Unterabteilung m​it dem Schwerpunkt d​er nachrichtendienstlichen Informationsbeschaffung i​n Richtung d​er potentiellen Kriegsgegner England u​nd Frankreich g​ilt als e​in wichtigstes innerhalb d​es Marinenachrichtendienstes.[7] Priegers Aufgaben bestanden i​n der Anwerbung, Führung u​nd Abwicklung v​on Spionagetätigkeiten. Zu diesem Zwecke führte e​r den Decknamen Franz Kuhle.[8] Zu d​en durch Fritz Prieger angeworbenen u​nd geführten Berichterstattern gehörte a​b August 1914 d​er deutsche Seeoffizier u​nd Reiseleiter Carl Hans Lody.[9] Folgende Spionageeinsätze wurden u. a. d​urch Prieger koordiniert:[10]

  • Ludwig Schnitzer: von Prieger angeworben und seit Juli 1913 organisierte er Nachrichtenbeschaffung über englische Schiffsbewegungen, später enttarnt und festgesetzt
  • Paul E. Daelen alias P. E. Parker alias Lambrecht alias William Kottkamp: von Prieger angeworben, im Zeitraum von September 1914 bis 1917 mehrere Operationen, mit dem Eisernen Kreuz, 2. Klasse ausgezeichnet
  • Fred Herrmann: von Paul E. Daelen angeworben, bis Februar 1916 für NI im Einsatz mit Kontakt zu Karl Boy-Ed[11]
  • Maximilian Johann Links alias John Mack: ab Oktober 1914 in England, später als britischer Spion enttarnt und in Deutschland gefangen genommen
  • Wilhelm Rehder: ab Oktober 1914 bis April 1915 im Einsatz, stellte Kontakt zu einer Vielzahl von Personen her, welche in der Folge auch Spionageaktivitäten für NI unter seiner Subführung durchführten.
  • Tullio Irace: Kapitän der italienischen Infanterie; nach London geschickt und bis Juni 1916 im Einsatz
  • Georg Spitz alias George S. Speetz: in Südengland, im April 1917 in Deutschland wegen Geheimnisverrat angeklagt
  • Robert Rosenthal: wurde enttarnt und verriet im Prozess den Namen seines Verbindungsmannes Prieger gemeinsam mit dem Decknamen und der Adresse des Hauptquartiers in Berlin (Belzigerstrasse 19), im Juli 1915 in London gehängt[8][12]

Fritz Prieger leitete d​ie Unterabteilung NI b​is 1918. Im November 1919 erhielt e​r den Charakter d​es Fregattenkapitäns.[1] 1920 arbeitete e​r im Marineabwicklungsamt,[13] w​o er für d​ie Abwicklung d​es Marinenachrichtendienst (4/Skl) zuständig war.[7]

Zu seinem weiteren Lebensweg u​nd zu seinem Tod liegen k​eine Informationen bzw. Quellen vor.

Literatur

  • Thomas Boghardt: Spies of the Kaiser. German Covert Operations in Great Britain during the First World War Era. Palgrave Macmillan, Basingstoke/New York 2004, ISBN 1-4039-3248-4. Kapitel: The life and death of Carl Hans Lody, S. 97–104
  • Hugo Delmes: Von draußen und daheim", Stuttgart, ca. 1916 (mit einer mehrseitigen Biographie Lodys, geschrieben von seinem Schwager, Ehemann der Schwester, Richard Lucius)

Einzelnachweise

  1. Albert Stoelzel: Ehrenrangliste der Kaiserlich Deutschen Marine, 1914–1918. Marine Offizier Verband, 1930, S. 159 (google.de [abgerufen am 26. April 2020]).
  2. Rangliste der Kaiserlich-Deutschen Marine. 1899, S. 52, abgerufen am 26. April 2020.
  3. Rangliste der Kaiserlich-Deutschen Marine. 1907, S. 29, abgerufen am 26. April 2020.
  4. Rangliste der Kaiserlich-Deutschen Marine. 1907, S. 57, abgerufen am 26. April 2020.
  5. Rangliste der Kaiserlich-Deutschen Marine. 1909, S. 39, abgerufen am 26. April 2020.
  6. Rangliste der Kaiserlich-Deutschen Marine. 1911, S. 42, abgerufen am 26. April 2020.
  7. Thomas Boghardt: Spies of the Kaiser, St Antony’s Series, ISBN 0-333-71109-2, Seite 16
  8. Nigel West: Historical Dictionary of World War I Intelligence. Scarecrow Press, 2013, ISBN 978-0-8108-8002-3, S. 266 ff. (google.de [abgerufen am 26. April 2020]).
  9. Jefferson Adams: Historical Dictionary of German Intelligence. Scarecrow Press, 2009 (S. 270)
  10. Thomas Boghardt: Spies of the Kaiser, St Antony’s Series, ISBN 0-333-71109-2, Appendix 3
  11. Nigel West: Historical Dictionary of World War I Intelligence. Scarecrow Press, 2013, ISBN 978-0-8108-8002-3, S. 124 (google.de [abgerufen am 26. April 2020]).
  12. Nigel West: Historical Dictionary of British Intelligence. Scarecrow Press, 2014, ISBN 978-0-8108-7897-6, S. 204 (google.de [abgerufen am 26. April 2020]).
  13. Volker Schult: Wunsch und Wirklichkeit: deutsch-philippinische Beziehungen
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