Kabinett Shehu VI

Das Kabinett Shehu VI w​ar eine Regierung d​er Sozialistischen Volksrepublik Albanien, d​ie am 30. Oktober 1974 v​on Ministerpräsident Mehmet Shehu v​on der Partei d​er Arbeit Albaniens PPSh (Partia e Punës e Shqipërisë) gebildet wurde. Es löste d​as Kabinett Shehu V a​b und b​lieb bis z​um 27. Dezember 1978 i​m Amt, woraufhin e​s vom Kabinett Shehu VII abgelöst wurde.

Die Regierungsumbildung folgte a​uf die Parlamentswahlen v​om 6. Oktober 1974. Gegenüber d​em Vorgängerkabinett g​ab es n​ur wenige Abgänge z​u verzeichnen, d​ie Regierung w​urde aber deutlich erweitert: Shehu h​atte das Verteidigungsministerium v​on in Ungnade gefallenen Beqir Balluku übernommen. Adil Çarçani w​urde Erster Stellvertretender Vorsitzender d​es Ministerrates, Abdyl Këllezi w​urde neben Spiro Koleka u​nd Xhafer Spahiu e​in weiterer Stellvertretender Vorsitzender d​es Ministerrates. Neu i​n der Regierung w​aren Myqerem Fuga, d​er das n​eue Ministerium für Leicht- u​nd Nahrungsmittelindustrie übernahm, Rahman Hanku, d​er das n​eue Bauministerium übernahm, Luan Babameto, d​er Milo Qirko a​ls Kommunikationsminister ersetzte, Lefter Goga, d​er Aleks Verli a​ls Finanzminister ersetzte, Llambi Ziçishti, d​er das n​eue Gesundheitsministerium übernahm, u​nd Kiço Kasapi a​ls Generalsekretär d​es Ministerrates.

Während d​er Regierungszeit g​ab es diverse Veränderungen, d​ie vor d​em Hintergrund e​iner Neuausrichtung d​er Politik u​nd des Bruchs m​it der Volksrepublik China i​m Jahr 1978 – deutliche Anzeichen g​ab es s​chon im Jahr 1976 a​m 7. Parteitag, d​ie eine n​eue Verfassung billigte – z​u sehen sind:

  • Per 1. September 1975 ersetzte Petro Dode den Vorsitzenden der Staatlichen Planungskommission Abdyl Këllezi, der zudem einer der Stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates war. Ihm wurde eine zu große Nähe zur Sowjetunion, zu China und zu Jugoslawien vorgeworfen. Këllezi wurde 1976 wegen Sabotage der Volkswirtschaft hingerichtet.
  • Das gleiche Schicksal widerfuhr Industrieminister Koço Theodhosi, der per 1. September 1975 durch Pali Miska ersetzt wurde. Auch ihm wurde wie Beqir Balluku und Abdyl Këllezi eine militärwirtschaftliche Verschwörung und insbesondere Fehler beim Bau des Wasserkraftwerkes von Fierza sowie des Stahlkombinats in der Nähe von Elbasan vorgeworfen.[1] Theodhosi wurde 1977 hingerichtet.
  • Opfer der Säuberungswelle wurde auch Handelsminister Kiço Ngjela, der für 16 Jahre inhaftiert wurde. Er wurde durch Nedin Hoxha ersetzt.
  • Im April 1976 musste Pirro Dodbiba als Landwirtschaftsminister zurücktreten. Ihm wurde vorgeworfen, die Produktionsziele nicht erreicht zu haben. Er wurde auch aus dem Politbüro und der Volksversammlung ausgeschlossen. Ersetzt wurde er durch Themie Thomai.
  • Ein ähnliches Schicksal wie Dodbiba erfuhr zeitgleich Thoma Deljana, Minister für Bildung und Kultur. Er wurde als Anhänger von Këllezi in eine Dorfschule in Südalbanien versetzt und im Ministerium durch Tefta Cami ersetzt. Thomai und Cami waren die einzigen Frauen in der Regierung.
  • Im Oktober 1976 trat Manush Myftiu der Regierung als Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates bei.
  • Spiro Koleka, Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats, wurde nach zwei Jahren im November 1976 kurz nach dem 7. Parteitag durch Pali Miska ersetzt. Das von Miska geführte Ministerium für Industrie und Bergbau wurde von Xhafer Spahiu übernommen, der das Amt eines Stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrats abgab.
  • Zeitgleich wurde Finanzminister Lefter Goga durch Haki Toska ersetzt.
  • Myqerem Fuga übergab das Ministerium für Leicht- und Nahrungsmittelindustrie im Februar 1977 an Kristaq Dollaku.
  • Im November 1977 trat Qirjako Mihali der Regierung als Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates bei.
  • Zeitgleich wurde das Handelsministerium in ein Ministerium für Binnenhandel sowie ein Ministerium für Außenhandel aufgeteilt. Nedin Hoxha übernahm letzteres, Viktor Nushi wurde Zuständiger für den Binnenhandel.
AmtAmtsinhaberBeginn der AmtszeitEnde der Amtszeit
Vorsitzender des MinisterratesMehmet Shehu30. Oktober 197427. Dezember 1978
Erster Stellvertretender Vorsitzender des MinisterratesAdil Çarçani30. Oktober 197427. Dezember 1978
Stellvertretender Vorsitzender des MinisterratesSpiro Koleka
Pali Miska
30. Oktober 1974
13. November 1976
13. November 1976
27. Dezember 1978
Stellvertretender Vorsitzender des MinisterratesXhafer Spahiu30. Oktober 197413. November 1976
Stellvertretender Vorsitzender des MinisterratesAbdyl Këllezi
Petro Dode
30. Oktober 1974
1. September 1975
1. September 1975
27. Dezember 1978
Stellvertretender Vorsitzender des MinisterratesManush Myftiu1. Oktober 197627. Dezember 1978
Stellvertretender Vorsitzender des MinisterratesQirjako Mihali26. November 197727. Dezember 1978
VerteidigungsministerMehmet Shehu30. Oktober 197427. Dezember 1978
Vorsitzender der Staatlichen PlankommissionAbdyl Këllezi
Petro Dode
30. Oktober 1974
1. September 1975
1. September 1975
27. Dezember 1978
InnenministerKadri Hazbiu30. Oktober 197427. Dezember 1978
AußenministerNesti Nase30. Oktober 197427. Dezember 1978
Minister für Industrie und BergbauKoço Theodhosi
Pali Miska
Xhafer Spahiu
30. Oktober 1974
1. September 1975
13. November 1976
1. September 1975
13. November 1976
27. Dezember 1978
Minister für Leicht- und NahrungsmittelindustrieMyqerem Fuga
Kristaq Dollaku
30. Oktober 1974
11. Februar 1977
11. Februar 1977
27. Dezember 1978
LandwirtschaftsministerPirro Dodbiba
Themie Thomai
30. Oktober 1974
29. April 1976
29. April 1976
27. Dezember 1978
Minister für Bildung und KulturThoma Deljana
Tefta Cami
30. Oktober 1974
29. April 1976
29. April 1976
27. Dezember 1978
BauministerRahman Hanku30. Oktober 197427. Dezember 1978
Handelsminister[2]Kiço Ngjela
Nedin Hoxha
30. Oktober 1974
1. September 1975
1. September 1975
26. November 1977
BinnenhandelsministerViktor Nushi26. November 197727. Dezember 1978
AußenhandelsministerNedin Hoxha26. November 197727. Dezember 1978
KommunikationsministerLuan Babameto30. Oktober 197427. Dezember 1978
FinanzministerLefter Goga
Haki Toska
30. Oktober 1974
13. November 1976
13. November 1976
27. Dezember 1978
GesundheitsministerLlambi Ziçishti30. Oktober 197427. Dezember 1978
Generalsekretär des MinisterratesKiço Kasapi30. Oktober 197427. Dezember 1978

Einzelnachweise

  1. Radio Free Europe: Letters on the Rock Face. In: Osa Archivum Catalog. 9. April 1976, abgerufen am 11. Februar 2019 (englisch).
  2. Aus dem Handelsministerium wurde am 26. November 1977 ein Ministerium für Binnenhandel sowie ein Ministerium für Außenhandel gebildet.
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