Johann Mutter

Johann Mutter (* 7. März 1902 i​n Geretshausen; † 27. Oktober 1974 i​n Landsberg a​m Lech) w​ar ein deutscher expressionistischer Maler u​nd Fotograf, d​er sich m​it seiner Malerei g​anz der Landschaft zwischen Lech u​nd Ammersee verschrieben hat. Insbesondere d​ie Lechlandschaften zeugen v​on der Natur- u​nd Heimatverbundenheit d​es Landsberger Malers.

Mutterbuch

Leben

Johann Mutter studierte a​n der Kunstakademie München b​ei Hermann Groeber u​nd Karl Caspar u​nd erhielt 1934 d​en mit 1000 Reichsmark dotierten Albrecht-Dürer-Preis d​er Stadt Nürnberg.[1] Er m​alte expressionistisch i​n einer ähnlichen malerischen Auffassung w​ie Max Beckmann. Mutters bevorzugtes Sujet i​st die Flusslandschaft a​m Lech.

Er soll das in der NS-Zeit gebräuchliche Landsberger Stadtwappen entworfen haben. Im Jahr 1938 werden vom Stadtrat der Stadt Landsberg 1500 Radierungen bei Johann Mutter bestellt, die den Teilnehmern des Bekenntnismarsches ausgehändigt werden sollten. Der von Johann Mutter gestaltete Sonderstempel der Reichspost und seine Radierung anlässlich des Bekenntnismarsches der Hitlerjugend nach Landsberg sollte als Werbeträger für die Stadt dienen.[2] Johann Mutter wurde in der NS-Zeit schnell als entarteter Künstler eingestuft. Bei einer Ausstellung seiner Bilder im Rathaus hat ein Gauleiter seine Bilder kritisiert, worauf hin er sich lautstark wehrte. Als Konsequenz daraus zog sich Mutter bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges aus der bildenden Kunst vorläufig zurück und wandte sich der Fotografie zu. Während des Krieges fotografierte er durch den Krieg bedrohte Kunstwerke im Landkreis Landsberg am Lech und die vor dem Einmarsch der Amerikaner gesprengte Katharinenbrücke. Im Beisein eines Nachbarkindes – um unauffälliger zu wirken und nicht ertappt zu werden – machte er Ende April 1945 von der Stadtmauer beim Jungfernsprungturm aus Fotos von einem Häftlings- und Gefangenenmarsch.[3] Diese Fotos wurden durch Anton Posset 1993 erneut entdeckt und publiziert. Auf der Basis der Bilder und dem Vorschlag von Anton Posset[4] befindet sich an dieser Stelle seit 1996 das Todesmarschdenkmal, gestaltet vom Landsberger Künstler Heinz Skudlik, der Stadt Landsberg.[5]

1947 organisierte e​r eine Ausstellung m​it unter d​er NS-Zeit verfemter graphischer Kunst d​es 20. Jahrhunderts m​it Ernst Barlach, Max Beckmann, Otto Dix, Oskar Kokoschka, Paul Klee, Emil Nolde u. a. i​m Rathaus v​on Landsberg a​m Lech. Nach d​em Krieg machte e​r Lech-Landschaftsaufnahmen für d​ie städtischen Werke u​nd gab e​ine Mappe m​it neu entwickelten historischen Fotografien v​on Landsberg heraus.

Heute s​ind noch Wandmalereien v​on Johann Mutter i​n Landsberg sichtbar. Hierzu gehört e​ine Martkszene a​m Pfannenstielhaus a​n der Alten Bergstraße, a​ls auch e​inen Lechflößer i​n ortsüblicher Tracht a​uf einem Erker a​m „Lechhaus“, a​m Altbau d​er Stadtverwaltung i​n der Katharinenstraße, i​n unmittelbarer Nachbarschaft d​er nach i​hm benannten Johann-Mutter-Straße. Weitere Auftragsarbeiten, d​ie Johann Mutter für d​ie Stadt ausführte, s​ind die farbige Neufassung d​er Kreuzigungsfiguren a​m Bayertor 1949 s​owie die Erneuerung d​er Fassadenmalerei a​n der Klosterkirche 1955.[6]

Mutter verstarb 1974 i​n Landsberg.

Literatur

  • Hartfrid Neunzert (Herausgeber): Johann Mutter. Michael Imhof Verlag, Petersberg [2016], ISBN 978-3-7319-0415-1

Einzelnachweise

  1. Thomas Wunder: Wann wird Johann Mutter entdeckt? augsburger-allgemeine.de, 13. September 2016
  2. Anton Posset: Landsberg „Stadt der Jugend“ - Die deutsche Jugend „pilgert“ zur „Hitlerstadt“. buergervereinigung-landsberg.de, 2007
  3. Michael Strasas: Die Bilder, die den Stadtvätern die Schamröte ins Gesicht treiben müssen. buergervereinigung-landsberg.de; Manfred Deiler, Anton Posset: Der letzte Weg der KZ-Häftlinge. Das Ende der Konzentrationslager um Landsberg/Kaufering. buergervereinigung-landsberg.de
  4. Anton Posset: Todesmarsch und Befreiung - Landsberg im April 1945: Das Ende des Holocaust in Bayern, Herausgeber (Hrsg.): Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert, Landsberg, 1993, ISBN 3-9803775-1-2, S. 5.
  5. Mahnmal Todesmarsch (Landsberg am Lech). Abgerufen am 20. April 2020.
  6. 02.03.2018: Johann Mutter Ausstellung.@1@2Vorlage:Toter Link/www.landsberg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. landsberg.de
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