Hochschlag

Der Hochschlag i​st ein Effekt b​eim Abschuss e​iner Schusswaffe (auch Schussabgabe genannt), b​ei dem d​ie Mündung d​er Waffe schlagartig n​ach oben gedrückt wird. Dieses s​enkt die Zielgenauigkeit b​ei schnell nacheinander erfolgenden Schüssen.[1] Bei Faustfeuerwaffen m​it sehr starker Munition u​nd unerfahrenen Schützen k​ann die Waffe u​m bis 90° n​ach oben ausschlagen, s​o dass s​ie gegen d​en Kopf d​es Schützen schlagen kann.[2]

Sichtbarer Hochschlag nach der Schussabgabe aus einer Pistole, hier versucht die Schützin mit der linken Hand, den Dreheffekt zu beeinflussen und die Waffe zu stabilisieren
A: Rückstoßkraft B: Haltekräfte des Schützen
C: Höhendifferenz zwischen Laufachse und dem mittleren Auflagepunkt
D: Drehmoment E: Hochschlag

Entstehung

Ursächlich für diesen Effekt i​st der Rückstoß s​owie die Konstruktion d​er Waffe u​nd wie s​ie vom Schützen gehalten wird. Der Rückstoß drückt d​ie Waffe entgegen d​er Schussrichtung gerade z​um Schützen. Der Schütze stellt s​ich dieser Kraft a​m Griff d​er Waffe entgegen. Der Griff befindet s​ich unterhalb d​er Längsachse d​es Laufs. Durch d​iese Kräfte u​nd Hebel entsteht e​ine Rotationsachse unterhalb d​er Laufachse u​nd ein Drehmoment. Die lineare Bewegung d​es Rückstoßes w​ird so teilweise i​n die Rotationsenergie d​es Hochschlags umgewandelt. Normalerweise i​st eine Waffe z​ur Seite ausbalanciert, w​as dazu führt, d​ass der Hochschlag gerade n​ach oben stattfindet. Eine einseitige schwere Zubehörmontage erzeugt hingegen n​och eine weitere Drehachse u​nd somit a​uch eine seitliche Ablenkung.[1]

Konstruktive Gegenmaßnahmen

Gewichtsverteilung
Die Gewichtsverteilung der Waffe beeinflusst deren Verhalten beim Rückstoß. Je nach dem, wo sich die schweren Waffenteile befinden, wie der Verschluss oder Magazin und somit der Massenmittelpunkt, kann das dem Hochschlag entgegenwirken oder ihn verstärken.[1] Beim Sportschießen werden Zusatzgewichte an die Waffen angebracht, um das Hochschlagverhalten günstig zu beeinflussen.[3]
Tiefe Laufachse
Je näher sich die Laufachse am Handgriff befindet, desto kürzer ist der Hebel und somit geringer der Hochschlag. Handfeuerwaffen, die über einen außenliegenden Hahn verfügen, haben in der Regel eine hohe Laufachse (z. B. Colt M1911). Bei einer hahnlosen Konstruktion entfällt diese Mechanik und der Griffsporn (Ausbuchtung am hinteren, oberen Ende des Griffstücks; wird in die Daumen-Zeigefinger-Beuge gelegt) kann höher rutschen. Allerdings kann der Abzugszüngel wegen der Mechanik nicht näher an den Lauf gebracht werden. Die Linie Daumen-Zeigefinger-Beuge und Zeigefinger ist dann nicht mehr parallel zur Laufachse, denn der Zeigefinger ist tiefer (z. B. Glock 17). Eine tiefe Laufachse führt hier zu weniger Hochschlag bei gleichzeitig weniger intuitiver Handhaltung.[4][5][6]
Hinterschaft
Bei Gewehren entscheidet auch die Konstruktion des Hinterschaftes über die Größe des Hochschlags. Je gerader der Schaft der Laufachse folgt, desto geringer ist der Hochschlag (siehe z. B. Gewehr M14 gegenüber M16). Diese Konstruktion hat jedoch den Nachteil, dass die Visiereinrichtungen höher gestellt werden müssen, damit der Schütze sein Auge in die Visierlinie positionieren kann. Auch vergrößert sich so der Versatz zwischen Laufachse und Visierlinie.[1] Das Fallschirmjägergewehr 42 war die erste Waffe, die dieses Konstruktionsmittel gegen den Hochschlag einsetzte.[7]
Kompensator
Ein Kompensator leitet die Treibgase asymmetrisch aus dem Lauf ab. Dabei werden diese eher nach oben abgeleitet, was dem Hochschlag entgegenwirkt und die Mündung nach unten drückt.[8]
Vorderschaftgriff
Ein zusätzlicher Vorderschaftgriff hilft den Hochschlag zu minimieren, weil der Schütze so die Waffe nahe der Mündung, also am längeren Hebel, stabilisieren kann.[9][10]
Feuerstoß
Ein Feuerstoß ist bei vollautomatischen Waffen eine Einrichtung, bei der mit einmaliger Betätigung des Abzugs zwei bis drei Projektile automatisch in sehr schneller Folge nacheinander abgefeuert werden. Das steigert die Wahrscheinlichkeit, das Ziel zu treffen, bevor sich Rückstoß und Hochschlag durch Massenträgheit mit Verzögerung bemerkbar machen. Nach dem Feuerstoß muss der Schütze die Waffe wieder auf das Ziel ausrichten.[11]

Einzelnachweise

  1. Dave Anderson: Recoil management: how you hold makes all the difference in: Guns Magazine, Oktober 2006
  2. Cris Christian: Top Gun in: Popular Mechanics September 2003
  3. Peter F. Blakeley: Successful Shotgunning, Verlag Stackpole Books, 2003, ISBN 9780811743709, S. 69
  4. Giorgio O: The Quest For The Low Bore Axis in: "The Firearm Blog", 25. April 2019
  5. Pistol Bore Axis in: "GunTweaks.com"
  6. Russell C. Tilstra: Small Arms for Urban Combat, Verlag McFarland, 2014 ISBN 9780786488759, S. 23
  7. Bryan Perrett, Ian V. Hogg: Encyclopedia of the Second World War, Verlag Longman, 1989 ISBN 9780582893283 S. 148
  8. Thomas Enke: Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Verlag Walhalla Fachverlag, 2020, ISBN 9783802952272 S. 154
  9. Chris McNab: Weapons of the US Special Operations Command, Verlag Osprey Publishing, 2019, ISBN 9781472833082 S. 52
  10. Martin J Brayley: Kalashnikov AK47 Series, Verlag Crowood, 2013, ISBN 9781847975263, S. 210
  11. Thomas Enke: Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Verlag Walhalla Fachverlag, 2020, ISBN 9783802952272 S. 220
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