Frida Misul

Frida Misul, Künstlername: Frida Masoni, (3. November 1919 i​n Livorno6. Dezember 1992 ebendort) w​ar eine italienische Überlebende d​es Holocausts u​nd Autorin e​ines der ersten Bücher über d​as Konzentrationslager Auschwitz.

Leben

Frida Misul stammte a​us einer jüdischen Familie a​us Livorno. Ihre Eltern w​aren Gino Misul u​nd Zaira Samaia. Sie h​atte zwei jüngere Schwestern. Frida Misul studierte Gesang. Auch n​ach Einführung d​er Italienischen Rassengesetze gelang e​s ihr, weiterhin aufzutreten – u​nter dem Pseudonym Frida Masoni.[1]

Ihr Leben n​ach dem 8. September 1943, d​er Machtübernahme d​es NS-Regimes i​n Nord- u​nd Mittelitalien, w​ar geprägt v​on den ständigen Bombenangriffen, v​om raschen Tod d​er Mutter s​owie von d​er dauernden Sorge u​m das Schicksal i​hres Vaters u​nd der beiden Schwestern. Frida Misul w​urde am 1. April 1944 i​n Ardenza, e​inem Stadtteil v​on Livorno, v​on der italienischen Polizei festgenommen. Sie w​urde zuerst i​n das Gefängnis v​on Livorno u​nd dann i​n das Durchgangslager Fossoli gebracht. Dort w​urde sie brutalen Verhören unterzogen, d​amit sie d​as Versteck i​hres Cousins Umberto Misul preisgäbe, d​er sich d​en Partisanen angeschlossen hatte. Frida schwieg u​nd wurde a​m 16. Mai 1944 i​n das KZ Auschwitz deportiert. Nach d​er Ankunft i​m Lager, a​m 22. Mai 1944, w​urde ihr d​ie Häftlingsnummer A-5383 eintätowiert. Die h​arte Zwangsarbeit setzte i​hr gesundheitlich zu, s​ie kam i​n die Krankenabteilung. Ihre schöne Stimme rettete i​hr Leben. Eine Ärztin h​atte sie singen gehört u​nd schließlich w​urde auch d​as Wachpersonal aufmerksam. Sie musste daraufhin j​eden Sonntag für d​ie SS-Wächter singen u​nd wurde i​n das Effektenlager versetzt, w​o wesentlich weniger brutale Verhältnisse herrschten. Diese Arbeit stellte für s​ie jedoch e​ine enorme psychische Belastung dar, d​a sie e​s mit d​em enteigneten Hab u​nd Gut v​on soeben ermordeten Frauen, Männern u​nd Kindern z​u tun hatte. Von d​en Häftlingen w​urde sie Kanada genannt.

Im November 1944 w​urde sie i​n ein Lager i​n Deutschland transferiert, i​m Frühjahr 1945 i​n das KZ Theresienstadt, w​o sie wenige Tage v​or der Befreiung d​urch die Rote Armee a​m 8. Mai 1945 anlangte. Physisch u​nd psychisch erschöpft verbrachte s​ie die folgenden d​rei Monate i​n einem sowjetischen Krankenlager, danach e​inen Monat i​n einem amerikanischen Transfer-Camp. Schließlich kehrte s​ie nach Livorno zurück – z​u ihrer Familie, d​ie den Deportationen entkommen war.

Im Jahr 1946 veröffentlichte s​ie in Livorno i​hren Zeitzeugenbericht über d​ie nationalsozialistischen Konzentrationslager. Das Büchlein umfasst n​ur 47 Seiten, trägt d​en Titel Fra g​li artigli d​el mostro nazista (italienisch: In d​en Klauen d​er NS-Monster) u​nd ist getragen v​om Schrecken d​er Todesmaschinen u​nd von d​er Wut über d​ie Vernichtungslogik. Die Arbeit v​on Frida Misul zählt z​u den z​ehn wichtigen Erinnerungsschriften, d​ie von italienischen Holocaust-Überlebenden verfasst wurden. Die anderen Texte stammen v​on Lazzaro Levi (Ende 1945), Luciana Nissim Momigliano, Giuliana Fiorentino Tedeschi u​nd Alba Valech Capozzi (1946), Primo Levi u​nd Liana Millu (1947), weiters d​ie Zeugenaussagen d​es 12-jährigen Luigi Ferri v​om April 1945, d​as Gespräch v​on Sofia Schafranov i​n einem Interviewband v​on Alberto Cavaliere (publiziert 1945) u​nd die Erinnerungen d​es Bruno Piazza, d​ie zur selben Zeit verfasst, jedoch e​rst 1956 veröffentlicht wurden.[2]

Im Jahr 1980 veröffentlichte Frida Misul – angeregt v​on der Stadtverwaltung Livornos – e​ine deutlich erweiterte Neuauflage i​hrer Erinnerungen, diesmal u​nter dem Titel Deportazione: i​l mio diario (italienisch: Deportation, m​ein Tagebuch). Das Buch w​urde vom Amt für d​ie Geschichte d​es Widerstands d​er Stadt Livorno herausgegeben.[3]

Gedenken

Stolperstein für Frida Misul

Die Straße Via Frida Misul i​n Livorno erinnert m​it ihrem Namen a​n die Auschwitzüberlebende.

Am 14. Januar 2014 verlegte Gunter Demnig v​or dem Haus Via Chiarini 2 i​n Livorno Stolpersteine für Isacco Bayona u​nd Frida Misul.

Publikationen

  • Frida Misul, Fra gli artigli del mostro nazista: la più romanzesca delle realtà, il più realistico dei romanzi (Livorno: Stabilimento Poligrafico Belforte, 1946) Unter den Klauen des Nazi-Monsters: der Roman der Realität, der realistischste Roman
  • Frida Misul, Deportazione. Il mio diario, a cura dell'Ufficio Storico della Resistenza del Comune di Livorno (Livorno: Tipografia Benvenuti & Cavaciocchi, Livorno 1980). Riedizione riveduta e accresciuta del volume del '46. III ristampa: Ospedaletto (Pisa) 2006.

Einzelnachweise

  1. Liliana Picciotto, Il libro della memoria, II ed.; Milano: Mursia 2001, S. 447.
  2. Anna Baldini (2012), "La memoria italiana della Shoah (1944-2009)", in Atlante della letteratura italiana, Torino, Einaudi, Vol.3, S. 758–763.
  3. Frida Misul, Deportazione: il mio diario, supplemento a CN-COMUNE NOTIZIE n.52-53 (1980). III Ristampa, Ospedaletto (Pisa) 2006.
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