Doppelniere

Als Doppelniere wird in der Medizin die Doppelanlage einer Niere bezeichnet. Es handelt sich dabei um die häufigste Entwicklungsstörung des Harntraktes, bei der Teile einer Nierenanlage unvollständig verschmolzen sind, mit Aufspaltung der Ureterknospe[1], also eigentlich um eine Doppelanlage des Hohlsystemes, siehe Nierenbecken.[2] Man kann zwischen ein- und beidseitiger Doppelniere unterscheiden, abhängig davon, ob nur eine oder ob beide Nieren in doppelter Anlage vorliegen.

Klassifikation nach ICD-10
Q63.1 Gelappte Niere, verschmolzene Niere und Hufeisenniere
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Die Relevanz einer Doppelanlage ergibt sich daraus, wie der Urin aus diesem zusätzlichen Nierenbecken abfließen kann. Infrage kommen:

  • Vereinigung beider Nierenbecken außerhalb der Niere "extrarenal" zu einem gemeinsamen Becken mit einem gemeinsamen Harnleiter ("tiefe Teilung des Nierenbeckens").
  • Zwei Harnleiter mit Vereinigung zu einer gemeinsamen Endstrecke ("Ureter fissus").
  • Zwei Harnleiter mit zwei getrennten Einmündungen in die Harnblase. Der Harnleiter der unteren Anlage mündet an der üblichen Stelle "orthotop" in die Harnblase, derjenige der oberen Anlage weiter kaudal[3] "dystop".

Lediglich in den ersten beiden Fällen (tiefe Teilung und Ureter fissus) bleiben Doppelnieren symptomlos und sind daher häufig Zufallsbefunde einer Sonographie. In allen anderen Fällen kommt es zu einem Reflux oder einer distalen Harnleiterstenose jeweils mit Harnwegsinfekt. Im letzten Fall der Aufzählung kommt es zum Harnträufeln.

Differenzialdiagnostisch m​uss bei e​iner (einseitigen) Nierenvergrößerung n​eben der Möglichkeit e​iner Doppelniere a​uch an e​ine kompensatorische Hypertrophie, Malignome u​nd Zysten gedacht werden.

Einzelnachweise

  1. Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch
  2. M. Bettex, N. Genton, M. Stockmann (Hrsg.): Kinderchirurgie. Diagnostik, Indikation, Therapie, Prognose. 2. Auflage, Thieme 1982
  3. C. Weigert: "Über einige Bildungsfehler der Ureteren." Virchows Archiv pathologischer Anatomie 70 (1877)

Literatur

  • V. Hofmann, K. H. Deeg, P. F. Hoyer: Ultraschalldiagnostik in Pädiatrie und Kinderchirurgie. Lehrbuch und Atlas. Thieme 2005, ISBN 3-13-100953-5.
  • W. Schuster, D. Färber (Hrsg.): Kinderradiologie. Bildgebende Diagnostik. Springer 1996, ISBN 3-540-60224-0
  • F. C. Sitzmann: Kinderheilkunde. Diagnostik – Therapie – Prophylaxe. 6. Auflage, Hippokrates 1988, ISBN 3-7773-0827-7.

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