William Marwood

William Marwood (* 1818 i​n Goulceby w​ith Asterby, East Lindsey;[1]4. September 1883 i​n Horncastle, Lincolnshire) w​ar ein v​on der britischen Regierung beauftragter Scharfrichter. Er entwickelte d​ie als langer Fall (long drop) bekannt gewordene Technik d​es Hängens.

William Marwood

Leben

Foundry Street, Horncastle, in der William Marwood bis zu seinem Tod lebte
William Marwoods Schuhmacher-Werkstatt in der Church Lane, Horncastle

William Marwood w​urde als fünftes v​on zehn Kindern v​on William u​nd Elizabeth geboren, a​m 8. November 1818 getauft, u​nd lernte i​m Familienbetrieb seines Vaters d​as Schuhmacherhandwerk. In Bolingbroke, Lincolnshire, w​ar er a​ls Schuhmachermeister tätig, b​evor er 1855 e​in Geschäft i​n der Church Lane i​n Horncastle eröffnete, i​n dem e​r Schuhe fertigte u​nd verkaufte. Daneben betätigte e​r sich a​ls Methodistenprediger i​n Horncastle. Er heiratete i​n jungen Jahren d​ie mehrere Jahre ältere Jessie. Das Paar l​ebte in d​er nahe gelegenen Foundry Street. Einige Monate n​ach ihrem Tod i​m Alter v​on 61 Jahren heiratete e​r 1867 d​ie Witwe Ellen Andrews a​us Northallerton, North Yorkshire.[2]

Im Alter von 54 Jahren überredete er den Direktor des Gefängnisses von Lincoln Castle ihm zu erlauben, eine Hinrichtung durchzuführen. Im Vorfeld hatte er bereits Versuche mit verschiedenen Seillängen und Gewichten unternommen und sich in Anatomie gebildet. Ihm wird auch die Einführung der geteilten Falltür zugeschrieben. Marwood entwickelte die Technik des langen Falls, die sicherstellte, dass der Delinquent durch den Fall sofort an Genickbruch starb. Dies hielt er für eine humanere Methode als den langsamen Tod durch Strangulation bei der Technik des kurzen Falls. Außerdem senkte es die Belastung des Gefängnisdirektors und seiner Mitarbeiter, die nach Abschaffung öffentlicher Hinrichtungen durch das Capital Punishment Amendment Act 1868 gehalten waren, die Exekutionen aus nächster Nähe zu bezeugen. Die effiziente Weise, in der er das Hängen von William Frederick Horry am 1. April 1872 ausführte, trug mit zu seiner Ernennung als Henker von London und Middlesex im Jahr 1874 bei. Er trat die Nachfolge von William Calcraft an und erhielt ein jährliches Salär von 20 £ sowie 10 £ für jede Exekution.[3] Marwood führte auch Tabellen ein, die abhängig vom Gewicht des Verurteilten die jeweils nötige Seillänge bemaßen.[4] Marwood starb 1883 in Folge einer Lungenentzündung und Gelbsucht. Nach seinem Tod kam die Vermutung auf, die Fenian Brotherhood hätte seiner Gesundheit in irgendeiner Weise geschadet, und so wurde eine Autopsie im Auftrag des Innenministers durchgeführt, die aber einen natürlichen Tod feststellte. Er wurde auf dem Friedhof der Trinity Church, Horncastle, Lincolnshire, beigesetzt.[5][6]

Bekannte Hinrichtungen

Blue Plaque an William Marwoods Schuhmacherwerkstatt in der Church Lane

In seiner neunjährigen Tätigkeit a​ls Henker exekutierte Marwood 176 Verurteilte, darunter a​cht Frauen. 26 Hinrichtungen vollstreckte e​r in Irland, u​nd weitere sieben i​n Schottland.[7]

Popularität

Gustave Doré zeichnete Marwood, während e​r Wainwright a​m 21. Dezember 1875 hängte. Das Bild trägt d​en Titel L’execution à Londres. Eine Wachsfigur v​on Marwood b​eim Hängen v​on Charles Peace (mit e​inem Stück d​es ursprünglichen Seils) w​urde für Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett erstellt. Marwood w​ar Namensgeber e​ines der z​wei Scharfrichterfiguren d​es britischen Puppentheaters Punch a​nd Judy.

Literatur

  • Douglas G. Browne: The Rise of Scotland Yard: A History of the Metropolitan Police. George G. Harrap & Co., London / Toronto / Wellington / Sydney 1956, S. 181
  • Matt Fullerty: The Murderess and the Hangman. Biographische Novelle über Marwoods Exekution von Charles Peace und Kate Webster
  • Adam L. Hargrave: Notable British Trials Series: Trial of George Henry Lamson. William Hodge & Co., London / Edinburgh / Glasgow 1912, 1951, S. 210–213
  • John Laurence: A History Of Capital Punishment. Sampson Low, Marston & Co., London 1930, S. 114–120
  • Leonard A. Parry: Some Famous Medical Trials. Charles Scribners’ Sons, New York 1928, S. 226
  • G. C. Boase, rev. J. Gilliland: Marwood, William (bap. 1818, d. 1883). In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X, (oxforddnb.com Lizenz erforderlich), Stand: 2004, abgerufen am 17. August 2019.

Einzelnachweise

  1. U.K. Parish Register Information: William Marwood
  2. William Marwood Hangman (Memento vom 3. Juli 2013 im Internet Archive). Abgerufen am 4. April 2015
  3. Brian P. Block, John Hostettler: Hanging in the balance: a history of the abolition of capital punishment in Britain. Waterside Press, 1997, ISBN 1-872870-47-3, S. 38–39.
  4. Lost Lives: William Marwood (Memento vom 13. November 2014 im Internet Archive)
  5. G. C. Boase, rev. J. Gilliland: Marwood, William (bap. 1818, d. 1883). In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X, (oxforddnb.com Lizenz erforderlich), Stand: 2004, abgerufen am 17. August 2019.
  6. James Conway Walter: A history of Horncastle, from the earliest period to the present time. (Memento vom 12. April 2015 im Internet Archive) Herausgeber: W.K. Morton, 1908, S. 155
  7. William Marwood. 1818–1879. Black Country Muse
  8. Judith Flanders: The Invention of Murder: How the Victorians Revelled in Death and Detection and Created Modern Crime. HarperCollins Publishers Limited, 2011, ISBN 0-00-724888-1, S. 338–343
  9. Horace Bleackley: The hangmen of England: how they hanged and whom they hanged: the life story of “Jack Ketch” through two centuries. Taylor & Francis, 1929, ISBN 0-7158-1184-3, S. 235
  10. Philip Lindsay: A mirror for ruffians. Ayer Publishing, 1939, Reprint, ISBN 0-8369-2799-0, S. 133–134
  11. Crime Novel Becomes Reality for GW English Professor. GW English News, English Department, George Washington University, 28. Oktober 2010
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