Wägewert

Der Wägewert (früher a​uch Gewicht i​n Luft o​der Tauchgewicht) e​ines Körpers (Wägegutes) i​st gleich d​er Masse d​er Gewichtstücke, d​ie die Waage i​m Gleichgewicht halten o​der die gleiche Anzeige a​n der Waage w​ie das Wägegut liefern.[1] Der Wägewert w​ird in d​er Einheit d​er Masse, a​lso in Kilogramm, angegeben. Bei e​iner Wägung i​n Luft (z. B. m​it Hilfe e​iner Balkenwaage) weicht aufgrund d​es Auftriebs d​er Wägewert e​ines Körpers v​on seiner Masse ab, w​enn er e​ine andere Dichte a​ls das Gewichtstück hat.

Herleitung

Auf einen zu wiegenden Körper wirken zwei Kräfte ein: die nach unten gerichtete Gewichtskraft und – bei Wägung in Luft – der nach oben gerichtete Auftrieb . Im Folgenden soll davon ausgegangen werden, dass ein Körper der unbekannten Masse mit Hilfe einer Balkenwaage mit Gewichtstücken der bekannten Masse verglichen wird.

Die auf den Körper wirkende Gewichtskraft ist durch gegeben, wobei die Erdbeschleunigung bezeichnet. Wenn der Körper das Volumen hat und er in Luft der Dichte gewogen wird, dann entspricht sein Auftrieb der Gewichtskraft der von ihm verdrängten Luft: . Das Volumen ergibt sich seinerseits, bei bekannter Dichte des Körpers, als . Folglich ist die an die Waage angreifende Kraft:

Eine entsprechende Überlegung gilt auch für die Gewichtstücke (Masse , Dichte ). Die Waage ist im Gleichgewicht, wenn die Kraft auf beiden Seiten des Waagebalkens gleich ist:

Laut Definition ist der Wägewert des Körpers aber gleich der Masse der Gewichtstücke, die ihm das Gleichgewicht halten. Durch die Wägung wird also ein von der tatsächlichen Masse des Körpers abweichender Wert ermittelt, der mit dieser wie folgt zusammenhängt:

Masse und Wägewert eines Körpers unterscheiden sich also geringfügig. Für eine bessere sprachliche Unterscheidung wird deshalb manchmal der Ausdruck wahre Masse (en: true mass) für die Masse verwendet. Wenn die beiden Dichten und gleich sind, ist der Wägewert gleich der Masse des Körpers.

Umgekehrt kann bei genauen Messungen diese systematische Abweichung rechnerisch als Auftriebskorrektur berücksichtigt werden. Für einen gemessenen Wägewert erhält man die Masse aus der Gleichung:

Konventioneller Wägewert

Der konventionelle Wägewert i​st gemäß e​iner Empfehlung d​er Internationalen Organisation für d​as gesetzliche Messwesen[2] e​ine Rechengröße, d​ie einem Gewichtstück zugeordnet wird, w​enn es b​ei einer Temperatur v​on 20 °C e​inem Bezugsgewichtstück d​er Dichte 8000 kg/m3 i​n Luft d​er Dichte 1,2 kg/m3 d​as Gleichgewicht hält.

Setzt man diese Bezugsdichten in die obige Gleichung ein, so erhält man für den konventionellen Wägewert eines Körpers:

Beim Vergleich v​on Gewichtstücken, d​ie aus Stahl bestehen u​nd deren Dichte n​ur geringfügig v​on 8000 kg/m3 abweicht, h​at der s​o definierte konventionelle Wägewert d​en Vorteil, d​ass die verbleibende Luftdichtekorrektur (d. h. d​er Unterschied zwischen Masse u​nd konventionellem Wägewert) s​ehr klein w​ird und meistens vernachlässigt werden kann. Dies vereinfacht einerseits d​as Verfahren u​nd andererseits werden dadurch kleine Kalibrierunsicherheiten realisierbar.

Beispiele

Ein Stück Kork (Dichte 0,15 g/cm3) d​er Masse 1 k​g hat b​ei Wägung m​it Gewichtstücken a​us Stahl (Dichte 8,0 g/cm3 = 8000 kg/m3) i​n Luft d​er Dichte 1,2 kg/m3 e​inen Wägewert v​on 0,99215 kg.

Literatur

  • Paul Profos und Tilo Pfeifer (Hrsg.): Handbuch der industriellen Messtechnik. 6. Auflage, Oldenbourg, München/Wien 1993, ISBN 3-486-22592-8.
  • Roland Nater u. a.: Wägelexikon. Springer, Berlin/Heidelberg 2008, ISBN 978-3-540-75907-2.

Einzelnachweise

  1. DIN 1305: Masse, Wägewert, Kraft, Gewichtskraft, Gewicht, Last; Begriffe.
  2. Organisation Internationale de Métrologie Légale: OIML D 28, Conventional value of the result of weighing in air. (PDF-Datei; 0,16 MB).


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