S-Dualität (Stringtheorie)

Die S-Dualität ist neben der T-Dualität in der Stringtheorie eine Herleitung zur M-Theorie, die versucht, die fünf Superstringtheorien miteinander zu vereinen. Die meisten Superstringtheorien weisen Dualitäten zueinander auf, weswegen sie 1995 von dem Mathematiker Edward Witten zu der M-Theorie zusammengefasst wurde.[1][2]

Verknüpfungen zwischen Stringtheorien S-dual (gelb) und T-dual (blau)
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Die Störungsrechnung

Um die S-Dualität verstehen zu können, muss der Begriff der String-Kopplungskonstante eingeführt werden. Aufgrund der Komplexität der String-Gleichungen wird mit Näherungen gearbeitet, die zwar eine erhebliche Erleichterung darstellen, jedoch nur eine Näherung zu den exakten Gleichungen sind. Hierbei wird die sogenannte Störungsrechnung verwendet. Strings wechselwirken miteinander, indem sie sich verschmelzen und aufteilen. Wenn man die Quantenfluktuationen, wonach spontan virtuelle String-Antistringpaare entstehen, in die Bewegungsgleichung miteinberechnet, so beeinflussen diese die Bewegungen und Wechselwirkungen des Strings enorm.

Ähnlich w​ie in d​er Elementarteilchenphysik, welche m​it Feynman-Diagrammen arbeitet, g​ibt es a​uch in d​er Stringtheorie Diagramme, i​n denen d​ie Weltflächen d​er Strings (und dementsprechend a​uch deren Wechselwirkungen) dargestellt werden können, d​ie sogenannten Schleifendiagramme.

Da i​n der Quantenmechanik n​un unendlich v​iele Teilchen-Antiteilchen-Paare entstehen können, müsste m​an zu diesem Schleifendiagramm unendlich v​iele Wechselwirkungsprozesse hinzuaddieren. Die Störungsrechnung g​eht aber v​on einem homogenen Raum aus, i​ndem keine Quantenfluktuationen stattfinden, w​as aber d​ann eine Näherung ist. Dies n​ennt man d​ann ein Nullschleifendiagramm.[3]

Die String-Kopplungskonstante

In der üblichen Elementarteilchenphysik wird vor allem mit Kopplungskonstanten gerechnet, die die Stärke der gegebenen Kraft definieren. In der Stringtheorie ist sie aber die Wahrscheinlichkeit, mit der sich ein String in ein virtuelles String-Antistringpaar aufteilt. Wenn der Wert kleiner als 1 ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, je weniger Schleifen im Diagramm sind. Ist der Wert größer als 1, dann ist es genau umgekehrt. Der Nullschleifenprozess ist also eine sehr gute Näherung zur tatsächlichen Wechselwirkung. Eines der größten Probleme in der Stringtheorie ist die Bestimmung der genauen Kopplungskonstante, da sie erheblichen Einfluss auf die Störungsrechnung, die Massen und die Energien der Strings hat. Es ist in den meisten Fällen nur möglich, Aussagen über ein auf Strings basierendes Universums zu treffen, wenn man von dem Fall Kopplungskonstante ≤ 1 ausgeht. Allerdings ließ sich zeigen, dass sich unter gewissen Voraussetzungen bei Kopplung >1, Teilchen mit bestimmten Zuständen bestimmen lassen. Unter diesen Umständen erkennt man, dass es wesentlich einfacher ist, ein Universum zu beschreiben, welches auf Schwacher Kopplung basiert. Edward Witten konnte 1995 zeigen, dass sich die physikalischen Eigenschaften der Stringtheorie des Typ I bei starker Kopplung und der O-heterotischen bei schwacher Kopplung gleichen. Diese Dualität sowie die T-Dualität treten bei fast allen Superstringtheorien auf.

Herleitung zur M-Theorie

Dass z​wei (Super-)Stringtheorien zueinander u​nter Umständen T-dual o​der S-dual s​ein können, veranlasste Witten 1995 z​u der Annahme, d​ass sämtliche Stringtheorien s​owie die Supergravitation n​ur ein Teil e​iner größeren, allumfassenderen Theorie seien, d​ie er daraufhin versuchte, z​u entwickeln. Außerdem entdeckte er, d​ass bei Erhöhung d​er Kopplungskonstante e​ines (e-heterotischen) Strings dieser z​u einer 2-Mannigfaltigkeit, e​iner Membran, wird.[4]

Die Theorie, d​ie diese Sachverhalte beschreibt, i​st die M-Theorie, d​ie bis h​eute allerdings n​och nicht vollständig verstanden ist.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Edward Witten: Five-branes and M-Theory On An Orbifold. In: Nuclear Physics B. Band 463, Nr. 3, Januar 1996, S. 383397, doi:10.1016/0550-3213(96)00032-6, arxiv:hep-th/9512219v1.
  2. John H. Schwarz: The Power of M Theory. In: Nuclear Physics B. Band 367, Nr. 1-4, Oktober 1995, S. 97103, doi:10.1016/0370-2693(95)01429-2, arxiv:hep-th/9510086v1.
  3. Brian Greene: Das elegante Universum. 3. Auflage. Goldmann, München 2006, ISBN 978-3-442-15374-9, S. 336 ff.
  4. Edward Witten: String Theory Dynamics In Various Dimensions. In: Nucl.Phys. B443. Cornell University, 1995, S. 85126, arxiv:hep-th/9503124 (englisch).
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