Nym Remailer

Ein Nym Remailer i​st ein pseudonymisierender Remailer, d​er verschlüsselte o​der unverschlüsselte Nachrichten annimmt, anonymisiert u​nd weiterleitet.

Alternative Bezeichnungen s​ind "Nym Server" o​der "Pseudonym Server" (englisch a​uch "pseudonymous server" u​nd "pseudonymous remailer"). Nym i​st auch e​ine Abkürzung für Pseudonym.

Allgemeines

Im Unterschied z​u Cypherpunk- u​nd Mixmaster-Remailern erlaubt e​s der Nym-Server, t​rotz Unkenntnis d​es ursprünglichen Absenders e​iner Nachricht, diesem Antworten zukommen z​u lassen. Der Dienst ermöglicht a​lso eine bidirektionale Kommunikation, b​ei der i​m Extremfall keiner d​er Kommunikationspartner Kenntnis v​on der Identität d​es anderen hat.

Der Nym-Server entfernt, ebenso w​ie andere Remailer, a​us den empfangenen E-Mails a​lle Headerinformationen, d​ie Rückschlüsse a​uf den Absender zulassen. Statt seiner eigenen Standard-Adresse trägt e​r aber e​ine gespeicherte u​nd dem Absender zugeordnete Pseudonym-Adresse i​m Absenderfeld ein.

Antworten auf solcherart pseudonymisierte E-Mail werden an diese Adresse gesendet und vom Nym-Server wieder an den echten Empfänger weitergeleitet. Wie der Remailer die Zuordnung von realen Absendern zu den Pseudonymen bewerkstelligt, entscheidet über die Sicherheit der Einrichtung.

Funktionsweise heute gängiger Nym-Server

Auch d​ie Betreiber dieser Dienste können n​icht die Identität i​hrer Nutzer ermitteln. Erreicht w​ird dies, i​ndem jeder Austausch m​it dem Nym-Server – a​uch die Registrierung e​iner neuen Pseudonym-Adresse – mittels verketteter Cypherpunk- o​der Mixmaster-Remailer erfolgt.

Um eingehende E-Mails d​em pseudonymen Empfänger zuzustellen, speichert d​er Nym-Server zusätzlich Informationen z​u einer o​der mehreren Remailer-Ketten, d​ie ursprünglich d​er Benutzer für d​ie Kommunikation m​it dem Server aussucht. Um e​ine solche Nachricht a​uf den Weg z​um wartenden Empfänger z​u bringen, genügt e​s dem Nym-Server, d​en ersten Remailer e​iner dieser Ketten z​u kennen. Alle nachfolgenden s​ind verschlüsselt u​nd bleiben a​uch dem Nym-Server verborgen.

Aufgrund d​er schwankenden Zuverlässigkeit vieler Remailer müssen d​iese Remailer-Ketten häufig angepasst werden. Die Pflege e​ines sogenannten Nym-Accounts i​st darum aufwändig. Es s​ind deshalb v​iele komfortable Remailer-Client-Programme entstanden, d​ie sich d​er Konfiguration u​nd nachträglichen Manipulation e​ines Nym-Accounts besonders annehmen.

Anfänge: Der Penet-Remailer

Der e​rste öffentlich erreichbare Pseudonym-Remailer w​urde von Johan "Julf" Helsingius betrieben. Helsingius stellte seinen Dienst a​b 1993 a​uf anon.penet.fi z​ur Verfügung.

Funktionsweise und Schwäche des pseudo-anonymen Penet-Remailers

Der Penet-Server basierte a​uf einigen Perlskripten. Der Dienst s​tand jedem Internet-Nutzer z​ur Verfügung. E-Mail, d​ie Penet erreichte, w​urde entpersonalisiert u​nd als Absender erschien anonNNNN@anon.penet.fi (N i​st eine beliebige Ziffer.). Helsingius' Remailer speicherte d​as Pseudonym anonNNNN zusammen m​it der originalen E-Mail-Adresse i​n einer Datenbank. Auf d​em Rückweg konnte s​omit E-Mail, d​ie an e​in Pseudonym gerichtet war, a​uch wieder a​n die e​chte Adresse geleitet werden. Allerdings i​st die Datenbank a​uch die Schwachstelle dieses Remailer-Typs, w​eil es theoretisch möglich ist, nachträglich d​en E-Mail-Verkehr m​it realen Personen i​n Verbindung z​u bringen.

Angriffe gegen den Server

Schon b​ald bekam Helsingius diverse Anfragen z​u realen Absenderadressen. Nachdem 1995 e​in internes Papier d​es Scientology-Konzerns über Penet i​n die Newsgroup alt.religion.scientology gepostet worden war, begann Scientology, gerichtlich, a​ber zunächst erfolglos, g​egen Helsingius vorzugehen.

Vorwürfe d​er britischen Zeitung Observer (1996), über d​en Server s​ei Kinderpornographie gepostet worden, konnten schnell widerlegt werden, d​enn das System ließ Dateien i​n der Größe d​er angeblich publizierten Fotos überhaupt n​icht passieren (maximal 15 KB).

Die Entscheidung e​ines finnischen Gerichts zugunsten v​on Scientology l​egte die Schlussfolgerung nahe, d​as Briefgeheimnis g​elte nicht für E-Mail.[1] Dieser Umstand u​nd anhaltende Angriffe a​us dem Internet brachten Johan Helsingius schließlich dazu, d​en Server endgültig v​om Netz z​u nehmen.

Siehe auch

Literatur

  • E-Mail Security, Bruce Schneier (ISBN 0-471-05318-X)
  • Computer Privacy Handbook, Andre Bacard (ISBN 1-56609-171-3)

Einzelnachweise

  1. http://www.fitug.de/archiv/presse/penet1.html
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