Martinus de Dacia

Martinus d​e Dacia († 10. August 1304 i​n Paris) w​ar dänischer i​n Paris wirkender scholastischer Philosoph, Theologe u​nd Philologe (Grammatiker).

Auch Martinus Dacus, Martin d​e Dacie, Morten Mogensen, Martinus v​on Dakien, Martinus v​on Dänemark. Der Zusatz De Dacia o​der Dacus bedeutet a​us Dänemark. Möglicherweise i​st er identisch m​it Martinus d​e Rippa (in e​inem Pariser Dokument v​on 1302).

Leben

Martinus de Dacia wurde vermutlich als Morten Mogensen in Ribe geboren,[1] wahrscheinlich in den 1240er oder frühen 1250er Jahren. Erstmals erwähnt ist er 1288 als Kanzler des dänischen Königs Erik VI. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits die Grade eines Magister artium und Magister theologiae der Sorbonne erlangt, wofür er mindestens fünfzehn Jahre studiert haben musste, und war Rektor der Sorbonne gewesen. 1290 schlug ihn König Erik VI. als Bischof von Roskilde vor, was aber am Widerstand des Erzbischofs von Lund scheiterte. Er erhielt aber mehrere Pfründe als Kanoniker in Roskilde, Probst in Schleswig und Kanoniker in Lund (und in Lund auch Dekan). Er gehörte zu den frühesten, Modistae genannten, spekulativen (modistischen) Sprachphilosophen (wie Thomas von Erfurt, Radulphus Brito, Boetius von Dacien). Diese versuchten aus der Analyse der Umgangssprache metaphysische Schlüsse zu ziehen. Sein Hauptwerk De Modis significandi war das bekannteste Werk der Modisten bis zu den Novi modi significandi von Thomas von Erfurt. Es ist in mehreren Handschriften erhalten (im Gegensatz zu seinen philosophischen Werken) und wurde bis ins 15. Jahrhundert hinein studiert, außer in Paris auch viel in Italien. Er schrieb auch Kommentare zu Aristoteles (Logik), Porphyrios (Isagoge) und Boethius.

1296/97 vertrat e​r als Prokurator d​en dänischen König Erik VI., b​ei einem Prozess i​n Rom v​or dem päpstlichen Gericht (Papst w​ar Bonifatius VIII.) i​m Streit zwischen d​em Erzbischof v​on Lund Jens Grand u​nd dem König. Kurz v​or seinem Tod kehrte e​r nach Paris zurück u​nd liegt i​n Notre-Dame d​e Paris begraben, a​n der e​r auch Kanoniker war.

Er w​ar wohlhabend u​nd stiftete 1303 e​inen Altar für d​en Dom z​u Roskilde.[2]

Schriften

  • Heinrich Roos (Hrsg.): Martini de Dacia Opera, in: Corpus Philosophorum Danicorum Medii Aevi, Band 11, Kopenhagen: Gad, 1961.

Literatur

  • Angela Beuerle: Sprachdenken im Mittelalter. Ein Vergleich mit der Moderne, Studia Linguistica Germanica 99, De Gruyter 2010[3]
  • E. Pérez Rodríguez, Eintrag Martinus de Dacia, in Lexikon des Mittelalters, Band VI, 1993, Spalte 350
  • Heinrich Roos: Die Modi significandi des Martinus de Dacia. Forschungen zur Geschichte der Sprachlogik im Mittelalter, Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie im Mittelalter 37,2, Münster: Aschendorff, Kopenhagen: Frost-Hansen 1952
  • Sten Ebbesen: Martinus de Dacia, in: Medieval Nordic Literature in Latin, Online
  • Sten Ebbesen: Dansk middelalderfilosofi ca. 1170–1536, Kopenhagen: Nordisk Forlag 2002
  • Ana Maria Mora-Márquez: Martinus Dacus and Boethius Dacus on the Signification of Terms and the Truth-Value of Assertions, Vivarium, Band 52, 2014, S. 23–48
  • Charles Lohr: Medieval Latin Aristotle Commentaries, in: Traditio, Band 27, 1971, S. 251–351.
  • Olga Weijers: Le travail intellectuel à la Faculté des arts de Paris: textes et maîtres (ca. 1200–1500), VI, Studia Artistarum 13, Turnhout (Brepols) 2005

Einzelnachweise

  1. Heinrich Roos: Die Modi significandi des Martinus de Dacia. Forschungen zur Geschichte der Sprachlogik im Mittelalter, Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie im Mittelalter 37,2, Münster/Kopenhagen 1952, S. 52, 61–65
  2. Biographie von Martinus de Dacia in Angela Beuerle, Sprachdenken im Mittelalter, De Gruyter 2010, S. 14ff
  3. Das Buch geht besonders auf Boetius von Dacien, Martinus de Dacia und Ferdinand de Saussure ein
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