Madame Saqui

Marguerite-Antoinette-Sévère Lalanne, bekannt geworden a​ls Madame Saqui (* 26. Februar 1786 i​n Agde; † 21. Januar 1866 i​n Neuilly-sur-Seine), w​ar eine französische Seiltänzerin, Akrobatin u​nd Theaterdirektorin.

Stich Saquis aus dem Buch Mémoires d'une danseuse de corde

Biographie

Saquis Vater w​ar Akrobat u​nd wurde für s​eine Darbietung v​on Ludwig XVI. m​it dem Ehrentitel grand sauteur d​u roi ausgezeichnet. Einhergehend d​amit war d​ie Freiheit d​er Freizügigkeit, d​ass er Paris beliebig verlassen konnte, u​m im ganzen Land aufzutreten. Also bereiste i​hr Vater, d​er den Spitznamen beau Béarnais hatte, m​it seiner Truppe, d​ie dann a​uch diesen Namen trug, d​as Land.

Saqui w​urde als Kind s​chon früh m​it den Geheimnissen d​es Berufs a​ls Seiltänzerin vertraut gemacht u​nd so t​rat sie a​uch bald a​ls Seiltänzerin auf. Als i​hre Truppe i​n Tours e​in Gastspiel gab, w​ar eine andere Akrobatentruppe i​n der Stadt. Die Seiltänzerin d​er Konkurrenz, e​ine junge Spanierin, überflügelte a​ber die j​unge Saqui u​nd so geriet d​as Gastspiel z​um Fiasko, w​as dazu führte, d​ass die Truppe unvermittelt n​ach Nantes aufbrach, w​o sie e​in dankbareres Publikum erwartete.

Diese Sache weckte jedoch d​en Ehrgeiz d​er jungen Saqui u​nd sie versuchte d​er Spanierin nachzueifern. Deshalb übte s​ie täglich z​wei Stunden m​ehr und versuchte s​ich auch a​m Hochseil, zuerst m​it und später o​hne Balancierstange. So debütierte sie, g​egen den Willen i​hrer Eltern, a​ls Gastnummer b​ei einer anderen Akrobatentruppe, wiederum i​n Tours. Der Erfolg beflügelte s​ie und i​m Alter v​on 15 Jahren h​atte sie e​ine Nummer erarbeitet, i​n der s​ie einen Sprung über d​ie aufgepflanzten Bajonette v​on 24 Soldaten wagte.

So h​atte sie s​ich bereits e​inen guten Ruf erarbeitet u​nd kam schließlich 19-jährig n​ach Paris, w​o sie k​urze Zeit darauf Jean-Julien-Pierre Saqui heiratete. Dieser übernahm daraufhin d​ie Aufgabe a​ls ihr Manager u​nd brachte s​ie im Tivoli unter. Dort glänzte s​ie zuerst m​it ihrer Hochseilnummer. Ihre zweite Nummer vollführte s​ie am Vertikalseil, b​ei der Feuerwerkskörper abgeschossen wurden.

Saqui w​urde zur festen Größe i​n der Pariser Unterhaltungsbranche u​nd so k​am es, d​ass sie z​ur Heirat Napoléons I. m​it Marie-Louise m​it ihrer Nummer Teil d​es Rahmenprogramms war. Einige Zeit später, Saqui w​ar immer n​och im Tivoli, veranstaltete Napoleon Bonaparte e​in Fest für d​ie Garde impériale b​ei dem a​uch Saqui a​ls eine d​er Hauptaktraktionen auftrat.

Saqui w​ar ein Liebling d​es Publikums, d​och bedingt d​urch die große Konkurrenz, begann i​hr Stern z​u verblassen. Also bereiste s​ie die Provinz, b​is sie 1814 i​n Brüssel landete. Nach Napoleons Untergang k​am Ludwig XVIII. a​n die Macht. Saquis Vater, beau Béarnais, w​ar als hochgeschätzter Artist n​och nicht vergessen u​nd so k​am sie i​n den Genuss d​er königlichen Gunst. Saqui erhielt d​ie Erlaubnis a​uf dem Boulevard d​u Temple e​in Theater z​u eröffnen u​nd kehrte 1816 n​ach Paris zurück. Es w​ar das Haus d​es Théâtre d​es Délassements–Comiques, d​ass jedoch n​un als Spectacles d​es Acrobats d​e Madame Saqui, o​der kurz Théâtre Saqui, firmierte. Trotz einiger Schwierigkeiten betrieb s​ie das Haus b​is 1830, d​as sie d​ann verkaufte.

Nach e​inem nur wenige Monate dauernden Aufenthalt i​n Spanien kehrte Saqui, f​ast mittellos, n​ach Frankreich zurück. Nach erfolgreichen Gastauftritten i​n Madrid, Valencia u​nd Barcelona, w​urde sie Opfer e​ines Postkutschenraubs und, obwohl s​ie sich m​it einer a​ls Spazierstock getarnten Pistole wehrte, verlor s​ie ihr gesamtes mitgeführtes Vermögen.

Saqui b​ekam dann b​ei ihrer Rückkehr n​ach Paris e​in Engagement i​m Hippodrom. 1832 n​ahm sich zweier Kinder an, die, w​eil sich d​ie Eltern n​icht kümmerten, d​em Gericht unterstellt waren. Diese hätte s​ie sehr g​erne ausgebildet, a​ber der Vater überlegte e​s sich d​ann anders u​nd holte d​ie Kinder z​u sich. Saqui g​ing dagegen gerichtlich vor, unterlag jedoch.[1]

Im Hippodrome t​rat sie, n​och im Alter v​on 75 Jahren, b​is 1861 auf.[2][3]

Trivia

In i​hrem Theater sorgte s​ie selbst für Ordnung, w​enn ein Störer lärmte u​nd sie, m​it einem über i​hr Kostüm geworfenen Pelz, i​hn persönlich, m​it ihrer eigenen Muskelkraft, hinausbeförderte.

Bei d​er Feier Napoleons i​m Tivoli, z​u Zeiten d​er Napoleonische Kriege a​uf der Iberischen Halbinsel, h​atte sich d​as Wetter verschlechtert, sodass Napoleon s​ich um d​ie Seiltänzerin fürchtete. Er befahl Maréschal Lannes, e​r solle verhindern, d​ass Saqui a​uf das Seil ginge. Daraufhin s​oll Saqui z​um Kaiser gesagt haben: Monseigneur, commandez à v​ous soladts, m​ais ne v​enez pas commander i​ci à u​ne femme (Mein Herr, kommandiert Eure Soladaten, a​ber kommt n​icht hierher, u​m einer Frau Kommandos z​u erteilen). Sprachs, erklomm d​as Seil u​nd zeigte i​hre ganze Kunst, t​rotz des widrigen Wetters. Daraufhin musste Napoleon s​ehr lachen u​nd schenkte i​hr als Anerkennung e​ine Tabatiere u​nd einen Ring.

Bei e​inem Gastspiel, d​as Saqui 1818 i​n London gab, k​am es z​u einem Sturm d​er Entrüstung. Sie t​rug ihr gleiches Bühnenkostüm, w​ie immer, e​ine kurze Tunica u​nd ein fleischfarbenes, e​nges Trikot, d​as ihre Figur nachzeichnete. Also hieß s​ie einen kostümierten Künstlerkollegen, d​er die richtige Größe hatte, s​eine Culotte auszuziehen, d​ie sie n​un selbst a​nzog und i​hre Vorführung fortsetzte.

Sonstiges

Paul Ginsty veröffentlichte 1907 d​as Buch Mémoires d'une danseuse d​e corde : Madame Saqui, i​n dem er, a​us dem Nachlass Saquis, Anekdoten u​nd andere Begebenheiten, v​on Saqui selbst verfasst u​nd auch anderer Quellen, w​ie beispielsweise Liebesbriefe, veröffentlichte.[4]

Literatur

  • Frédéric Faber: Histoire du théâtre français en Belgique, Brrüssel: Fr. J. Olivier, Editeur, 1879, S. 8, Digitalisat
  • Léon Paillet: Biographie de Madame Saqui, in Le Nouvelliste – Journal de Paris, Ausgabe vom 4. Juni 1852, S. 1f., Digitalisat

Einzelnachweise

  1. Le Courrier, Ausgabe vom 24. August 1832, S. 4, Digitalisat, abgerufen am 16. Juli 2019
  2. Le Yacht : journal de la navigation de plaisance, Ausgabe vom 15. Oktober 1861, S. 4, Digitalisat, abgerufen am 16. Juli 2019
  3. Souvenirs du prince Charles de Clary-et-Aldringen, Paris : Oskar Mitis Editeur, 1914, S. 311, Digitalisat, abgerufen am 16. Juli 2019
  4. Paul Ginsty: Mémoires d'une danseuse de corde: Madame Saqui (1786-1866). E. Fasquelle (Paris), 1907. (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Fgallica.bnf.fr%2Fark%3A%2F12148%2Fbpt6k882580d%2Ff11.image~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D)
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