Louis Jacobsohn-Lask

Louis Jacobsohn-Lask (* 2. März 1863 i​n Bromberg; † 17. Mai 1940 i​n Sewastopol) w​ar ein deutscher Neurologe u​nd Neuroanatom.

Louis Jacobsohn-Lask ca. 1901

Leben

Louis Jacobsohn w​urde als jüngster Sohn d​es Sattlermeisters u​nd Kleinhändlers Jacob Jacobsohn u​nd seiner Frau Henriette, geb. Herz, geboren. Er h​atte eine Zwillingsschwester, Recha, u​nd mindestens e​inen Bruder, Hermann; m​ehr ist über s​eine Geschwister n​icht bekannt. In d​en 1870er Jahren z​og die Familie n​ach Berlin.

Jacobsohn-Lask arbeitete v​on 1894 b​is 1904 i​m Anatomischen Institut Wilhelm Waldeyers a​n der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Zuvor w​ar er Assistent i​m Neurologischen Institut Emanuel Mendels, d​as zwar d​er Universität angegliedert war, i​hr aber n​icht angehörte.

1901 heiratete e​r die spätere Schriftstellerin Berta Lask.

1904 ging er zurück zu Mendel und übernahm nach dessen Tod 1907 die Leitung des Instituts. Sowohl bei Mendel als auch bei Waldeyer arbeitete er eng mit dem polnischen Neurologen Edward Flatau zusammen, mit dem ihn auch eine Freundschaft verband. Louis Jacobsohn-Lask emigrierte 1936 in die Sowjetunion und starb in Sewastopol. Ihm wurde ein Ehrenbegräbnis bereitet, eine Kapelle der Roten Flotte begleitete den Sarg auf den Friedhof.

Schaffen

Jacobsohn-Lasks Hauptwerk w​ar ein fotografischer Atlas d​er vergleichenden Neuroanatomie, dessen e​rste drei Bände e​r noch v​or seiner Emigration zwischen 1933 u​nd 1935 i​n Berlin veröffentlichte. Hierfür sammelte e​r über 40 Jahre seiner Tätigkeit Präparate u​nd Fotos.

Werke

  • Ueber die schwere Form der Arteriosklerose im Centralnervensystem. 1895.
  • mit B. Jamane: Zur Pathologie der Tumoren der hinteren Schädelgrube. 1896. doi:10.1007/BF02961675
  • mit E. Flatau: XII. Internationaler medicinischer Congress Zu Moskau. 1897. doi:10.1007/BF02036441
  • Zur Frage der sogenannten motorischen Aphasie. 1909. doi:10.1007/BF02653820
  • mit E. Malone: Über die Kerne des menschlichen Diencephalon. Königl. Akademie der Wissenschaften, Berlin 1910.
  • Über die Gruppierung der Nervenzellen im Fischrückenmark, erläutert an Querschnitten des Rückenmarks von Tinca vulgaris. 1911. doi:10.1007/BF02978992
  • Gibt es eine brauchbare Methode, um Aufschluss über das sittliche Fühlen eines Jugendlichen zu bekommen? In: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie. 46, 1919, S. 285–374. doi:10.1007/BF02873137
  • Über die Fernald'sche Methode zur Prüfung des sittlichen Fühlens und über ihre weitere Ausgestaltung. In: Zeitschrift für angewandte Psychologie. (1920): Beiheft 24.
  • Ueber die Fernaldsche Prüfungsmethode zur Feststellung des sittlichen Empfindens und ihre weitere Ausgestaltung. Vortrag in der Berliner Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenkrankheiten am 26. Januar 1920. In: Neurologische Zentralblatt. 39, 1920, S. 178–191, 205–208.
  • Die Kreuzung der Nervenbahnen und die bilaterale Symmetrie des tierischen Körpers. In: Abhandlungen aus der Neurologie, Psychiatrie, und ihren Grenzgebieten. Heft 26, 1924.
  • Über eine Art Mendelschen Reflexes an der Hand. 1926. doi:10.1007/BF01710821
  • Warum liegt im Rückenmark die graue Substanz nach innen, die weiße Substanz nach außen, und warum ist das Lageverhältnis dieser beiden Substanzen in den Hemisphären der höheren Wirbeltiere ein umgekehrtes? 1927. doi:10.1007/BF02117932
  • Die Grundeinteilung des sekundären Vorderhirns (Telencephalon) nach den Fortschritten der anatomischen Forschungen der letzten 60 Jahre. In: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie. 109, 1, 1927, S. 793–812. doi:10.1007/BF02870269
  • Warum kreuzen sich die Leitungsbahnen im Zentralnervensystem? In: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie. 1928. doi:10.1007/BF02863903
  • Über den medialen Sympathikuskern des menslichen Rückenmarks. In: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie. 134, 1, 1931, S. 649–656. doi:10.1007/BF02897011

Literatur

  • Ulrike Eisenberg: Vom „Nervenplexus“ zur „Seelenkraft“: Werk und Schicksal des Berliner Neurologen Louis Jacobsohn-Lask (1863–1940). In: Wolfgang Höppner (Hrsg.): Berliner Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte. vol. 10, Peter Lang – Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-631-54147-3.
  • Ulrike Eisenberg: Home Away from Home: The Berlin Neuroanatomist Louis Jacobsohn-Lask in Russia. In: Susan Gross Solomon (Hrsg.): Doing medicine together: Germany and Russia between the wars. University of Toronto Press, Toronto 2006, ISBN 0-8020-9171-7.
  • Ulrike Eisenberg: Abseits des mainstream: Louis Jacobsohn-Lask (1863–1940) und sein fotografischer Atlas der vergleichenden Neuroanatomie. In: Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Nervenheilkunde. 14, 2008, S. 251–278.
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