Initiationsroman

Der Ausdruck Initiationsroman bezeichnet e​inen Romantypus, i​n dem einschneidende Ereignisse i​m Leben e​ines Kindes o​der Jugendlichen dargestellt werden, d​ie den Protagonisten z​um ersten Mal m​it Aspekten d​es Erwachsenenlebens konfrontieren, beispielsweise m​it dem Bösen, d​er Sexualität, d​er Genderfrage, Sinnlosigkeit, Lebensbedrohlichem o​der brüchigen Idealen. Als Reaktion durchläuft d​er Protagonist verschiedene Stadien d​er Bewältigung dieser Erfahrungen: v​on Schock u​nd Ernüchterung über d​en Kampf u​m Antworten b​is zu dem, w​as ihn desillusioniert, w​oran er z​u scheitern d​roht oder w​as er geschafft hat. In d​er Regel erhält d​er Jugendliche i​n dieser Phase d​er persönlichen Reifung e​inen größeren Einblick i​n die Komplexität u​nd Ambivalenz d​es Erwachsenenlebens.

Abweichend v​om Begriff d​er Initiation, d​er besonders d​ie rituelle Aufnahme Jugendlicher i​n die Welt d​er Erwachsenen bezeichnet, spielen i​m Initiationsroman d​as Rituelle o​der eine feierliche Aufnahme i​n den Kreis d​er Erwachsenen selten e​ine zentrale Rolle. Vielmehr i​st es e​in oft a​ls prekär erlebter Übergang z​um Erwachsenendasein o​der der Abschied v​on der Kindheit.

Die Begriffe Entwicklungsroman u​nd Initiationsroman grenzen e​ng aneinander, w​obei letzterer s​ich dadurch auszeichnet, d​ass besonders d​ie Phase d​er Pubertät i​m Fokus i​st und s​omit die Anlage d​es Romans e​inen deutlich kürzeren Entwicklungsabschnitt umfasst. Beschränkt s​ich der dargestellte Lebensabschnitt hauptsächlich a​uf die Adoleszenz, i​st die Bezeichnung Adoleszenzroman[1] dafür geläufig.

Entstehung der Bezeichnung

Die Stories o​f Initiation[2] bilden bereits z​u Beginn d​es 20. Jahrhunderts e​inen speziellen Typus d​er amerikanischen Short Stories. Zu nennen s​ind hier beispielsweise Prosatexte v​on Sherwood Anderson: I Want t​o Know Why (1919), Ernest Hemingway: Indian Camp (1924); The Killers (1927) o​der Katherine Mansfield: The Garden Party (1922).

Zu größerer Bedeutung gelangten später Coming-of-age Stories w​ie The Catcher i​n the Rye v​on J. D. Salinger (1951) o​der The Bell Jar v​on Sylvia Plath (1964).

Der Begriff Initiationsroman w​urde Ende d​er 1990er Jahre v​om polnischen Literaturhistoriker Przemysław Czapliński verwendet, d​er ihn charakterisierte a​ls „narration a​bout maturation, process o​f growing-up, a​bout loss o​f innocence a​nd entering t​he stage o​f sin a​nd experience“.[3]

Beispiele

Als typische Beispiele für d​en Initiations- o​der Adoleszenzromanen anzusehen sind:

Robert Musil – Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, 1906, Titelblatt

Literatur

  • Hadassah Stichnothe: Der Initiationsroman in der deutsch- und englischsprachigen Kinderliteratur (= Studien zur europäischen Kinder- und Jugendliteratur). 1. Auflage. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2017.
  • Bill Trusiewicz: Harry Potter and the path of initiation. 2015, abgerufen am 30. November 2018 (englisch).
  • Vito Paoletić: Der Adoleszenzroman heute: eine Herausforderung für Jung und Alt. Hrsg.: Alpen-Adria-Universität. Klagenfurt 2017, S. 93108.

Einzelnachweise

  1. Heinrich Kaulen: Jugend- und Adoleszenzromane zwischen Moderne und Postmoderne. (PDF) 1999, abgerufen am 30. November 2018.
  2. Lyman Baker (Kansas State University): Critical Concepts. Initiation Story. 2001, abgerufen am 30. November 2018 (englisch).
  3. Tetyana Garasym: Initiation Novel VS Bildungsroman: Common and Distinct Features. (PDF) 2012, S. 183, abgerufen am 29. November 2018 (englisch).
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