Hoàng Hoa Thám

Hoàng Hoa Thám (* 1858; † 1913; Geburtsname Truong Van Tham, Kampfname: De Tham (Marschall Tham)) w​ar ein Banditenführer d​er Schwarzen Flaggen u​nd Partisanenführer d​er Cần-Vương-Bewegung g​egen die französische Kolonialmacht während d​er Nguyễn-Dynastie. Er stammte a​us einer a​rmen Bauernfamilie u​nd schaffte e​s durch s​eine militärische Tätigkeit u​nd die Kooperation m​it den Franzosen n​ach dem Misserfolg d​es bewaffneten Widerstands z​um de-facto z​um Feudalherren m​it Protektion d​es Kolonialstaates aufzusteigen.

Hoang Hoa Tham, undatierte Porträtfotografie

1908 z​og er n​ach Kontakt m​it vietnamesischen Nationalisten erneut i​n den Widerstand g​egen die Kolonialmacht. 1913 s​tarb er b​ei einem Anschlag d​er Kolonialbehörden.

Herkunft und Werdegang

Hoang Hoa Tham stammte a​us einer verarmten ländlichen Familie a​us der Provinz Hung Yen.[1] Seine Familie h​atte in d​en 1830er Jahren a​n einem Aufstand g​egen die Nguyen-Dynastie teilgenommen.[2] Sein Vater w​ar als Mandarin w​egen Plünderei hingerichtet worden u​nd bedingte d​en jetzigen niedrigen sozialen Status d​er Familie.[3] Hoang Hoa Tham betätigte s​ich zunächst a​ls Büffelhirte. 1882 schloss e​r sich d​en Banditen d​er Schwarzen Flaggen an.[4] Während d​er 1880er Jahre s​tieg er z​u einem Anführer innerhalb d​er Banditen a​uf und verschaffte s​ich den Namen e​ines beim Volk beliebten Banditenfürsten.[5]

Anti-französischer Widerstand

Hoang Hoa Tham folgte dem Aufruf des Kaisers Hàm Nghi und schloss sich mit seinen Leuten der Cần-Vương-Bewegung an. Er leistete bis 1896 Widerstand mit einem Kern von 300 Mann mit modernen Gewehren in dem bewaldeten Gebiet von Yen The.[6] Hoang Hoa Tham trat 1894 und 1897 in Verhandlungen mit den französischen Kolonialbehörden, welche ihn durch Zugeständnisse von Privilegien zur Aufgabe bewegen wollten.[7] Hoa Hao Tham kann sich in den Verhandlungen die Kontrolle über den Distrikt Yen The sichern.[8] Hoang Hoa Tham hatte Kontakt mit dem militanten Nationalisten Phan Bội Châu. Gemeinsam planten sie einen Aufstand in Hanoi, in dessen Verlauf die französische Garnison vergiftet werden sollte.[9] Der Aufstand scheiterte und Hoan Hoa Tham zog sich wieder als Guerillero in die Berge von Yen The zurück.[10]

1913 s​tarb er b​ei einem Anschlag d​urch einen Agenten d​er Kolonialbehörden.[11]

Rezeption

Sein Geburtsjahr 1858 w​ird als Legendenbildung i​n Zweifel gezogen. Dies w​ird in d​er nationalistischen Historiographie a​ls Zeichen d​es Schicksals betont, d​enn 1858 erfolgte d​ie erste französische Landnahme i​n Vietnam. In d​er Geschichtsschreibung d​er kommunistischen Nationalbewegung Vietnams w​urde Hoang Hoa Tham z​ur Identifikationsfigur. In d​er Geschichtsschreibung u​nd der Populärkultur d​es heutigen Vietnams g​ilt Hoan Hoa Tham a​ls Nationalheld. Innerhalb d​er Can-Vuong-Bewegung diente e​r mit seiner bäuerlichen Herkunft a​ls Aushängeschild d​er ansonsten v​on konfuzianistischen Gelehrten geführten Bewegung.[3]

Einzelnachweise

  1. Bruce L. Lockhart, William J. Duiker: Historical Dictionary of Vietnam, Oxford, 2006, S. 166
  2. K.W. Taylor: A History of the Vietnamese. Cambridge, 2013, S. 490
  3. Jean-François Klein: Le Dê Thám (1858-1913). Un résistant vietnamien à la colonisation française, Claude Gendre, Moussons, 13–14, 2009, S. 397–399. (Buchbesprechung in französischer Sprache online abrufbar), zuletzt abgerufen am 10. November 2019
  4. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. Berkeley 2009, S. 55
  5. Bruce L. Lockhart, William J. Duiker: Historical Dictionary of Vietnam, Oxford, 2006, S. 166
  6. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. Berkeley 2009, S. 55
  7. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. Berkeley 2009, S. 64
  8. K.W. Taylor: A History of the Vietnamese. Cambridge, 2013, S. 490
  9. Bruce L. Lockhart, William J. Duiker: Historical Dictionary of Vietnam, Oxford, 2006, S. 166
  10. K.W. Taylor: A History of the Vietnamese. Cambridge, 2013, S. 490
  11. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. Berkeley 2009, S. 295 S. 299

Literatur

  • Claude Gendre: Le Dê Thám (1846–1913): un résistant vietnamien à la colonisation française. Paris, 2009, ISBN 9782296081185
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