Erwin Levy

Erwin Levy (* 11. April 1907 i​n Graudenz, Westpreußen; † 10. November 1991 i​n New York) w​ar ein deutsch-amerikanischer Psychiater, Gestalttheoretiker u​nd Psychoanalytiker.

Leben und Werk

Erwin Levy schloss s​ein Medizin-Studium i​m Jahr 1931 a​n der Universität Berlin m​it einer Arbeit z​um „Arbeitsumsatz, insbesondere b​ei Myxödem u​nd Magersucht“ ab. Anschließend w​ar er – zugleich m​it Wolfgang Metzger – Assistent d​es Begründers d​er Gestaltpsychologie, Max Wertheimer i​n dessen Zeit a​n der Universität Frankfurt. Angesichts d​er Machtergreifung d​urch die Nationalsozialisten f​loh Levy 1933 v​on Deutschland über Paris i​n die USA, w​o es erneut z​ur Zusammenarbeit m​it Max Wertheimer a​n der New School o​f Social Research i​n New York kam. Im Weiteren w​urde Levy a​ls Psychiater u​nd Psychoanalytiker a​n verschiedenen Krankenanstalten u​nd in freier Praxis i​n New York tätig.[1]

Levy publizierte e​ine Reihe v​on Arbeiten über Gestalttheorie u​nd Psychopathologie, u​nter anderem a​uch die a​us seiner Zusammenarbeit m​it Wertheimer hervorgegangenen Untersuchungen z​ur Manie, z​ur schizophrenen Denkstörung u​nd zu d​en Paranoia-Thesen v​on Heinrich Schulte. In seinen Publikationen bemühte e​r sich u​m eine kritisch reflektierte Integration psychoanalytischer u​nd gestalttheoretischer Auffassungen. So kritisierte e​r 1956 i​m American Journal o​f Psychotherapy i​n seinem Aufsatz Some Problems Concerning Ethics a​nd the Super-Ego d​ie klassische Über-Ich-Konzeption d​er Psychoanalyse u​nd schlug d​azu eine gestaltpsychologisch fundierte Alternative vor. Seine Arbeiten spielten v​or allem i​n der Entwicklung d​er Gestalttheoretischen Psychotherapie e​ine maßgebliche Rolle.

Erwin Levy i​st der ältere Bruder d​er (am 15. Februar 1914 ebenfalls i​n Graudenz geborenen) Sängerin u​nd Schauspielerin Irmgard Levy, d​ie unter d​em Künstlernamen Irmgard Andersen arbeitete. Auch s​ie verließ Deutschland 1933, vorerst i​n die Niederlande, w​o sie i​n Scheveningen a​m Kabarett arbeitete (unter anderem m​it Max Ehrlich 1934[2]). Später folgte s​ie ihrem Bruder i​n die USA.[3]

Ausgewählte Schriften

  • 1931: Zum Problem des Arbeitsumsatzes, insbesondere bei Myxödem und Magersucht. Zeitschrift für die gesamte experimentelle Medizin, 78, 764–795.
  • 1936: A Case of Mania with its Social Implications. Social Research, 3 (1936), 488–493. Deutsche Übersetzung 2000: Ein Fall von Manie und seine sozialen Implikationen. Gestalt Theory, 22, 20–26.
  • 1943: Some Aspects of the Schizophrenic Formal Disturbance of Thought. Psychiatry, 6, 55–69. Deutsche Übersetzung 1997: Einige Aspekte der schizophrenen formalen Denkstörung. Gestalt Theory, 19, 27–50.
  • 1956: Some Problems Concerning Ethics and the Super-Ego. American Journal of Psychotherapy, 10, 217–240.
  • 1986: A Gestalt theory of paranoia. Introduction, comment and translation of ‚Heinrich Schulte‘. Gestalt Theory, 8, 230–255.

Literatur

  • Gerhard Stemberger (Hrsg.): Psychische Störungen im Ich-Welt-Verhältnis. Gestalttheorie und psychotherapeutische Krankheitslehre. Wien: Verlag Wolfgang Krammer, 2002. ISBN 3-901811-09-5 (enthält unter anderem in deutscher Übersetzung Levys Arbeiten zur Manie, zur schizophrenen Denkstörung und zur Paranoia)
  • Gerhard Stemberger: Erwin Levy – Gestalttheoretischer Psychiater und Psychoanalytiker (1907–1991). Phänomenal – Zeitschrift für Gestalttheoretische Psychotherapie, 3 (1/2011), S. 53–54 (Lebenslauf) – siehe auch Weblinks
  • Gerhard Stemberger: Bibliographie eines gestalttheoretischen Psychoanalytikers. Phänomenal – Zeitschrift für Gestalttheoretische Psychotherapie, 3 (1/2011), S. 54–59 (kommentierte Gesamt-Bibliographie mit Schwerpunkt auf den klinischen Schriften – siehe auch Weblinks).
  • Bruno Waldvogel: E. Oppenheimer-Fromm und E. Levy: Zwei Schüler Wertheimers, die ihn für die Psychoanalyse zu interessieren versuchten. In: B. Waldvogel (1992), Psychoanalyse und Gestaltpsychologie. Historische und theoretische Berührungspunkte. Stuttgart-Bad Cannstatt: fromman-holzboog, 52–53. ISBN 3-772815-00-6
  • Uwe Wolfradt: Erwin Levy. In: Wolfradt, Billmann-Mahecha, Stock (2014): Deutschsprachige Psychologinnen und Psychologen 1933–1945: Ein Personenlexikon. Springer-Verlag, S. 274–275. ISBN 978-3-658-01481-0
  • Karl Haller (2018): Erwin Levy. Gestalttheoretische Beiträge zur Schizophrenieforschung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3847108-63-4

Einzelnachweise

  1. Dazu ausführlicher: Stemberger 2011, Erwin Levy – Gestalttheoretischer Psychiater und Psychoanalytiker ; Waldvogel 1992, E. Oppenheimer-Fromm und E. Levy: Zwei Schüler Wertheimers, die ihn für die Psychoanalyse zu interessieren versuchten; siehe Literatur.
  2. siehe Max Ehrlich Association: Holland, abgerufen am 9. April 2015.
  3. Trapp, F. et al. (1999): Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933-1945. Bd. 1: Verfolgung und Exil deutschsprachiger Theaterkünstler, Bd. 2: Biographisches Lexikon der Theaterkünstler, Frithjof Trapp, Werner Mittenzwei, Henning Rischbieter, Hansjörg Schneider (Hg.), München: Saur.
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