Victor von Carben

Victor v​on Carben, a​uch von Karben (geboren 1422; gestorben a​m 2. Februar 1515) w​ar ein deutscher Rabbiner, d​er vom Judentum z​um katholischen Glauben übertrat u​nd Priester wurde.

Meister der von Carbenschen Gedächtnisstiftung: Anna Selbdritt mit dem Stifter Victor von Carben, Dom zu Köln

Leben

1482 konvertierte e​r und ließ s​ich zum Priester weihen. Seit 1486 gehörte e​r zur theologischen Fakultät d​er Universität z​u Köln.

Er w​ar beteiligt a​n dem Disput u​m Johannes Pfefferkorn u​nd war e​iner von d​rei kaiserlichen Kommissaren, d​ie ernannt wurden, u​m jüdische Schriften n​ach blasphemischen Äußerungen gegenüber d​em Christentum h​in zu untersuchen. Die anderen Kommissare w​aren Johannes Pfefferkorn, Johann Reuchlin u​nd Jakob v​an Hoogstraten.[1] Seine Arbeit, d​as Judenbüchlein, welches 1508 i​n Köln veröffentlicht wurde, beschreibt d​ie Lebensumstände u​nd Bräuche d​er Juden i​m Hinblick a​uf ihre Bekehrung. Er führte d​en Disput m​it gelehrten Juden v​or dem Kölner Erzbischof i​n Bonn u​nd unterstützte d​ie Vertreibung v​on Juden a​us Brühl, Deutz u​nd anderen Städten i​n der Gegend, obwohl e​r wie Pfefferkorn versuchte d​ie Christen d​avon zu überzeugen, d​ass die Misshandlung v​on Juden n​icht zu i​hrem Glaubenswechsel beitrage.

Sein Epitaph m​it einer Inschrift findet s​ich in St. Ursula.

Victor v​on Carben stiftete insgesamt sieben Sandsteinreliefs a​n Pfeilern b​ei der Marienkapelle i​m Kölner Dom. Diese werden d​em danach sogenannten Meister d​er von Carbenschen Gedächtnisstiftung o​der auch Victor v​on Carben-Meister zugeschrieben.[2]

Schriften

  • Opus Aureum ac Novum in quo Omnes Judæorum Errores Manifestantur. Köln 1509.
  • Propugnaculum Fidei Christianæ, Instar Dialogi inter Christianum et Judæum, in quo quod Jesus Verus Messias, Verus Deus et Homo, Totiusque Humani Generis Salvator Sit Demonstratur. Köln 1504–1508.

Literatur

  • Carola Maria Werhahn: Die Stiftung des Victor von Carben (1423–1515) im Kölner Dom. Glaubenspropaganda zwischen Judentum und Christentum in Text und Bild. utzverlag, München 2013, ISBN 978-3-8316-4196-3.
  • Ludwig Geiger: Karben, Victor von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 15, Duncker & Humblot, Leipzig 1882, S. 118.
  • Andrew Colin Gow: The Red Jews: Antisemitism in an Apocalyptic Age, 1200–1600. Brill, Leiden 1995, ISBN 90-04-10255-8, S. 133.
  • Maria Diemling: „Christliche Ethnographien“ über Juden und Judentum in der Frühen Neuzeit: Die Konvertiten Victor von Carben und Antonius Margaritha und ihre Darstellung jüdischen Lebens und jüdischer Religion. Dissertation. Universität Wien, 1999.
  • Carben (Karben), Victor von. In: Encyclopaedia Judaica. 2. Auflage. Band 4, Detroit/New York u. a. 2007, ISBN 978-0-02-865932-9, S. 460 (englisch).
  • Maria Diemling: The Jewish Body. Corporeality, society, and identity in the Renaissance and early modern period. Brill, Leiden 2008, S. 162–230.
  • Carola Maria Werhahn: Die Stiftung des Victor von Carben (1423–1515) im Kölner Dom. Glaubenspropaganda zwischen Judentum und Christentum in Text und Bild. Utz, München 2013, ISBN 978-3-8316-4196-3. (Inhaltsverzeichnis und Einleitung; PDF; 125 kB)

Einzelnachweise

  1. Allison P. Coudert: Judaeo-Christian Intellectual Culture in the Seventeenth Century. Kluwer, Dordrecht 1999, ISBN 0-7923-5789-2, S. 68.
  2. Anna Selbdritt mit Stifter Victor v. Carben. auf der Webseite des Kölner Doms
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