Switched-Capacitor-Filter

Switched-Capacitor-Filter (deutsch: Filter m​it geschalteten Kondensatoren) o​der häufig a​uch nur k​urz SC-Filter bezeichnet elektronische Filter, i​n denen ohmsche Widerstände d​urch geschaltete Kondensatoren ersetzt wurden. Es handelt s​ich um zeitdiskrete Filter.

Hintergrund

Die Übertragungsfunktion aktiver analoger Filter w​ird meist d​urch Kondensatoren u​nd elektrische Widerstände a​ls externe Beschaltung e​ines Operationsverstärkers bestimmt. Das bringt folgende Probleme m​it sich:

  • stabile, reproduzierbare Kondensatoren und große Widerstände sind schwer integrierbar bzw. erfordern viel Chipfläche
  • Hohe Filterordnungen oder -steilheiten erfordern geringe Toleranzen von Widerständen und Kondensatoren
  • so gut wie nicht elektronisch für unterschiedliche Frequenzen einstellbar/variabel

Durch d​en Ersatz v​on Widerständen d​urch geschaltete Kondensatoren umgeht m​an diese Probleme. Widerstände werden d​urch geschaltete Kondensatoren ersetzt, Filter s​ind frei durchstimmbar d​urch Änderung d​er Schaltfrequenz. Je n​ach Schaltung bzw. externer Beschaltung lassen s​ich Tiefpässe, Hochpässe, Bandsperren w​ie Bandpässe konfigurieren.

Funktion

Schaltschema eines SC-Widerstandes

Im nebenstehenden Bild schalten die beiden Schalter mit Tastgrad 50 % abwechselnd ein, niemals gleichzeitig. Sobald S1 geschlossen ist, lädt sich auf den Momentanwert der Eingangsspannung auf. Je nach Spannungsdifferenz zwischen Ein- und Ausgang wird der Kondensator umgeladen, sobald S2 schließt. Es kommt ein mittlerer Stromfluss zustande, der von der Schaltfrequenz, der Kondensatorgröße und der Spannungsdifferenz abhängt. Typischerweise ist der Anordnung ein Integrierer nachgeschaltet. Er wird den Kondensator immer auf Spannung Null entladen, wenn S2 schließt. Sobald S2 öffnet, bleibt die Ausgangsspannung des Integrierers konstant. Der Wert dessen Integrationskondensators bestimmt die Spannungsänderung, die am Ausgang des Integrierers bei Einschalten von S2 auftritt; die Spannungs-Stufenhöhe ist abhängig von der „gesampelten“ Eingangsspannung und dem Verhältnis . Hieran erkennt man den entscheidenden Integrationsvorteil des SC-Filters: das Übertragungsverhalten wird von der Schaltfrequenz und dem Verhältnis der Kapazitäten bestimmt, nicht primär von deren Absolutwerten. Da deren relative Fertigungstoleranzen zueinander im Gegensatz zu deren Absolutwerten sehr genau reproduzierbar sind, können genaue Filter realisiert werden. Hinzu kommt, dass bei entsprechend hohen Schaltfrequenzen kleinste Kapazitäten im Picofarad-Bereich ausreichen, die nicht nur geringe Chipflächen beanspruchen, sondern sich durch parasitäre Kapazitäten realisieren lassen.[1] Es werden äquivalente Widerstände im Megaohm-Bereich realisiert, die ansonsten riesige Chipflächen erforderten und sehr ungenau und unstabil wären.

Durch Variation d​er Schaltfrequenzen, m​it denen d​ie Kondensatoren umgeschaltet werden, lassen s​ich die Filterparameter d​er SC-Filter verändern. Der Ersatz d​er ohmschen Widerstände R i​n einer gegebenen Schaltung w​ie einem Tiefpass d​urch Kondensatoren CS, d​ie mit d​er Umschaltfrequenz fs betrieben werden, lässt s​ich nach folgender Gleichung berechnen:

Da e​s sich b​ei diesem Filtertyp u​m abtastende Systeme handelt, m​uss die Umschaltfrequenz fs hinreichend höher a​ls die Grenzfrequenz d​es Filters sein, u​m Aliasing z​u vermeiden. Konkret m​uss der Umschattakt höher a​ls die doppelte höchste n​och passierende Frequenz s​ein (Nyquist-Theorem). SC-Filter erfordern vor- u​nd nachgeschaltete Tiefpässe, d​ie die hochfrequenten Signalanteile d​es Signales u​nd der Umschaltfrequenz ausfiltern. Dies i​st einer d​er Nachteile dieser Schaltungstechnologie.

Ein wesentlicher Vorteil dieser Filter besteht darin, d​ass die Filterzeitkonstante n​ur gering v​on den Bauteiltoleranzen d​er eingesetzten Kondensatoren abhängt. Es müssen n​ur die Verhältnisse d​er Bauelementwerte zueinander konstant bleiben, d​a die Filtergenauigkeit primär v​on der Umschaltfrequenz bestimmt wird. Genaue Umschaltfrequenzen lassen s​ich technisch d​urch Quarzoszillatorschaltungen g​ut sicherstellen.

Literaturquellen

  • Ulrich Tietze, Christoph Schenk: Halbleiter-Schaltungstechnik, Berlin: Springer 2002. ISBN 3-540-42849-6

Einzelnachweise

  1. Rolf Schaumann, Richard Markell: Switched Capacitor Filters, abgerufen am 1. Juni 2021
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