Sabine Hering

Sabine Hering (* 7. August 1947 i​n Hamburg) i​st eine deutsche Sozialwissenschaftlerin. Ihre Forschungsschwerpunkte s​ind die Geschichte d​er Frauenbewegung, deutsche u​nd internationale Wohlfahrtsgeschichte u​nd die Geschichte d​er Sozialdemokratie.

Sabine Hering 2019
Sabine Hering (2018)

Leben und Werk

Sabine Hering w​uchs in e​inem liberalen Elternhaus a​uf und machte i​hr Abitur 1967 a​uf dem Helene-Lange-Gymnasium i​n Hamburg.[1] Sie studierte Soziologie, Linguistik u​nd Literaturwissenschaft a​n der Universität Hamburg u​nd wurde 1973 promoviert. Ihre wissenschaftliche Laufbahn begann a​n der Eberhard Karls Universität Tübingen u​nd danach v​on 1975 b​is 1984 a​n der Gesamthochschule Kassel, w​o sie m​it Kolleginnen 1983 d​as Archiv d​er deutschen Frauenbewegung – h​eute Stiftung Archiv d​er deutschen Frauenbewegung – gründete. Nach einigen Jahren freiberuflicher Tätigkeit, u. a. b​ei der Bundeszentrale für politische Bildung, habilitierte s​ie sich i​m Jahre 1989 a​n der TU Berlin m​it einer Arbeit über d​ie Frauenbewegung i​m Ersten Weltkrieg. Nach e​iner Vertretungsprofessur 1991/92 a​n der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt a​m Main w​ar sie v​on 1993 b​is 2012 Professorin a​n der Universität Siegen m​it den Schwerpunkten Sozialpädagogik, Gender u​nd Wohlfahrtsgeschichte, unterbrochen v​on einer Vertretungsprofessur i​n den Jahren 2000/2001 a​n der Freien Universität Berlin. Von 2006 b​is 2010 w​ar sie Direktorin d​es Kompetenzzentrums d​er Universität Siegen, Sprecherin d​es Zentrums für Gender Studies (Gestu_S) u​nd Prorektorin für Studium u​nd Lehre.

Seit Herbst 2012 l​ebt sie i​n Potsdam.


Ihre Arbeitsschwerpunkte sind:

  • International welfare history
  • Geschichte der Jüdischen Wohlfahrt
  • Geschichte der Frauenbewegung
  • Geschichte der Sozialdemokratie in Brandenburg
  • Bedeutende Sozialdemokratinnen der deutschen Nachkriegszeit
  • Nachlass Dr. Dr. hc C. Wolfgang Müller (1928–2021)


Am 4. Dezember 2018 verlieh ihr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für ihre Verdienste um die Erforschung und Dokumentation der Geschichte der Deutschen Frauenbewegung das Bundesverdienstkreuz.

Schriften (Auswahl seit 2009)

  • Sozialdemokratie in Brandenburg (1933-1989/90) Lebenswege zwischen Widerstand, Vereinnahmung und Neubeginn (im Druck) Dietz 2022
  • Sozialdemokratie in Brandenburg (1868-1933) Lebenswege zwischen Aufbrauch, Aufstieg und Abgrund Dietz 2021
  • Hedwig Dohm. Der Frauen Natur und Recht (1876), in: Geschichte des politischen Denkens. Das 19. Jahrhundert. Suhrkamp 2021, S. 612–626
  • Wir wollen die Seele Die jüdische Jugendbewegung, ihre sozialen Aufgaben und die Hilfe zur Selbsthilfe, in: Die jüdische Jugendbewegung, Hentrich&Hantrich 2021, S. 170–175
  • Geschichte der Kindheit im Heim. Hg. Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam. 2018.
  • Führende Persönlichkeiten  aus 100 Jahren ZWST. Hg. Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Frankfurt/Main 2018.
  • Aufbruch aus der Unmündigkeit – die Soziologin Helge Pross. Eine biographische Skizze im Spiegel ihres Nachlasses. Siegen 2018.
  • 100 Jahre Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. FH-Verlag, 2017.
  • Was ist Soziale Arbeit? Traditionen – Widersprüche – Wirkungen. Opladen 2013
  • Geschichte der sozialen Arbeit – Eine Einführung. Und: Ein Quellenband. Juventa Verlag, Weinheim 2013 (mit Richard Münchmeier).
  • Die Gründung und die Gründer – 40 Jahre Universität Siegen. Universi, Siegen 2012.
  • Social Care under State Socialism (1945–1989) – Ambitions, Ambiguities, and Mismanagement. Opladen 2009.

Vor 2009 (Auswahl)

  • Sorge um die Kinder – Beiträge zur Geschichte von Kindheit, Kindergarten und Kinderfürsorge.Juventa, Weinheim 2007 (mit Wolfgang Schröer).
  • Bürgerschaftlichkeit und Professionalität – Wirklichkeit und Zukunftsperspektiven Sozialer Arbeit. VS Verlag, Wiesbaden 2007.
  • "Leicht hatten wir es nicht" – Siegerland und Wittgenstein im Spiegel von Lebensgeschichten im 20. Jahrhundert. Vorländer, Siegen 2007 (mit Gerhard Mahlich).
  • Jüdische Wohlfahrt im Spiegel von Biographien. FH Verlag, Frankfurt am Main 2006.
  • Das verwahrloste Mädchen’ – Diagnostik und Fürsorge in der Heimerziehung zwischen Kriegsende und Reform (1945-1965). Verlag Barbara Budrich, Opladen 2006 (mit Eva Gehltomholt).
  • Guardians of the Poor – Custodians of the Public. History of Eastern European Welfare History, (in deutsch und englisch). Verlag Barbara Budrich, Opladen 2006 (mit Berteke Waaldijk).
  • Das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“. Die Organisation junger Frauen im Nationalsozialismus. Leske und Budrich, Opladen 2004, 2. Auflage (mit Kurt Schilde).
  • Toleranz – Weisheit, Liebe oder Kompromiß? Multikulturelle Diskurse und Orte. Leske und Budrich, Opladen 2004.
  • ‚Liebe allein genügt nicht’ – Historische und systematische Dimensionen der Sozialpädagogik. Opladen 2004 (mit Ulrike Urban).
  • Die Rote Hilfe. Die Geschichte der internationalen Wohlfahrtsorganisation und ihrer sozialen Aktivitäten in Deutschland 1921 – 1941. Leske und Budrich, Opladen 2003 (mit Kurt Schilde).
  • Die Geschichte der Sozialen Arbeit in Europa (1900-1960). Wichtige Pionierinnen und ihr Einfluss auf die Entwicklung internationaler Organisationen. Leske und Budrich, Opladen 2002.
  • Wegbereiterinnen der modernen Sozialarbeit. Texte und Biographien zur Entwicklung der Wohlfahrtspflege. Juventa, Weinheim 1999, (mit Maike Eggemann).
  • Wohin führt der lange Marsch? Die politische Erwachsenenbildung der 68er. Gespräche. Dipa, Frankfurt am Main 1996 (mit H.G. Lützenkirchen).
  • Anders werden. Die Anfänge der politischen Erwachsenenbildung in der DDR. Gespräche. Overall Verlag, Berlin 1995 (mit H. G. Lützenkirchen).
  • Die Kriegsgewinnlerinnen – Praxis und Ideologie der deutschen Frauenbewegung im Ersten Weltkrieg. Centaurus, Pfaffenweiler 1992, ISBN 978-3-89085-368-0.
  • Wegweiser. Die politische Erwachsenenbildung nach dem Kriege. BpB, Bonn 1992 (mit H. G. Lützenkirchen).

Mitgliedschaften

  • Mitglied der Historischen Kommission der SPD Brandenburg (Sprecherin des Vorstands) (www.hiko-sozialdemokratie-brandenburg.de)
  • Assoziiertes Mitglied des Geschichtsforums der SPD
  • Mitglied im Advisory Board ‚Taming the European Leviathan (EU Horzon 2020)
  • Mitglied im Arbeitskreis ‚Jüdische Wohlfahrt’ (neue Homepage: akjw.hypotheses.org)
  • Mitglied des Netzwerkes Frauen- und Geschlechterforschung NRW (www.fgf.nrw.de)
  • Mitglied des Projekts ‚Frauenwahllokal‘ (frauenwahllokal.com)
  • Mitglied der SPD seit 2017
  • Mitglied im Kuratorium der Potsdamer Bürgerstiftung seit 2021

Literatur

  • Elke Kruse/Evelyn Tegeler (Hg.): Weibliche und männliche Entwürfe des Sozialen. Festschrift für Sabine Hering. Opladen: Verlag Barbara Budrich, 2007
  • Blicke auf das Werk von Sabine Hering in: sozial extra 3/2017, S. 16–37
Commons: Sabine Hering – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Julia Schaaf: Wer bist du jetzt?, in: F.A.S. Nr. 2, 14. Januar 2018, S. 12f.
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