Kompasswagen

Als Kompasswagen w​ird ein antiker transportabler Richtungszeiger bezeichnet, dessen e​rste belegbare Konstruktion d​em chinesischen Erfinder Ma Jun (um 200–265) zugeschrieben wird, obwohl s​chon um 2600 v. Chr. d​em chinesischen Herrscher Huáng Dì d​er Einsatz e​ines solchen Gerätes nachgesagt wird. Kompasswagen sollen benutzt worden sein, u​m in kriegerischen Auseinandersetzungen selbst b​ei Nebel d​ie Orientierung z​u behalten.[1]

Hypothetische Nachbildung eines Kompasswagens

Zum Mechanismus der historischen „Kompasswagen“ ist nichts näheres überliefert, außer dass „Zahnräder und Hebel“ verwendet worden seien.[2] Die heute allgemein gebräuchliche hypothetische Rekonstruktion mit Subtraktionsgetriebe (ähnlich einem Differentialgetriebe)[A 1] führte der britische Autobauer George Herbert Lanchester (Bruder von Frederick W. Lanchester) im Jahr 1947 ein.[2] Anders als ein Kompass wäre ein solcher Mechanismus nicht auf den Erdmagnetismus angewiesen; der praktische Nutzen als Navigationsmittel ist aber aufgrund der durch die Wegbedingungen (Unebenheiten, Radschlupf) und unvermeidliche Fertigungstoleranzen verursachten Abweichungen zweifelhaft.[3][4]

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Anmerkungen

  1. Beim Differential ist die Übersetzung zwischen den beiden Halbachsen gegenläufig (i=-1) und an der Antriebswelle liegt die Summe der Umdrehungen beider Wellen an, beim Subtraktionsgetriebe sind die beiden Halbachsen 1:1 (i=1) übersetzt und der Richtungszeiger zeigt die Differenz der Umdrehungen der beiden Räder an.

Einzelnachweise

  1. Mit dem Kompasswagen über den Globus (PDF; 576 kB)
  2. South-pointing carriage (charriot) auf physics.ucsb.edu
  3. The Chinese South-Pointing Chariot auf lockhaven.edu
  4. The ingenious Chinese south-pointing chariot auf gbtimes.com
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